Sie zählt zweifellos zu den schönsten Bauwerken in Höchstadt, die Galster-Villa in der Rothenburger Straße. Auch wenn das seit Jahren nicht mehr bewohnte Jugendstil-Bauwerk aus dem Jahr 1908 schon deutlich von Wind und Wetter gezeichnet ist, soll es auf jeden Fall erhalten und bald wieder bezogen werden. Bürgermeister Gerald Brehm (JL) feilt auch schon länger an einem Nutzungskonzept, das er lieber heute als morgen umsetzen möchte.

Die von einem ehemaligen Chefarzt des benachbarten Krankenhauses erbaute und dann lange vom Höchstadter Schuhfabrikanten Galster bewohnte Villa ist bereits seit 1977 im Eigentum des Landkreises. Der hatte sie auch einmal für eine Erweiterung des Krankenhauses in Erwägung gezogen. Diese Überlegungen haben sich mit der aktuellen Baumaßnahme am Kreiskrankenhaus wohl endgültig erledigt.

Auf Initiative der Stadt wurde die Villa in die Denkmalliste aufgenommen. Die Stadt Höchstadt und alle Fraktionen im Stadtrat drängen nun schon seit Jahren darauf, dass der weitere Verfall des Hauses gestoppt wird. Der Eigentümer Landkreis wollte sich von dem Objekt bisher aber nicht trennen. Auf Anfrage verriet Landrat Alexander Tritthart (CSU) am Mittwoch, dass er jederzeit für Gespräche bereit stehe, wenn jemand "ein gutes und tragfähiges Nutzungskonzept" für die Villa habe. Bislang sei aber noch kein Investor, Ideengeber oder Interessent auf ihn zugekommen.

Mit solchen Interessenten steht allerdings Höchstadts Bürgermeister schon in Kontakt. Brehm feilt an einem Nutzungskonzept. "2018/2019 könnte es stehen, 2020 könnte man mit der Umsetzung beginnen", sagt er voller Zuversicht, räumt aber gleichzeitig ein, dass es nicht so einfach ist, wie es sich manche vorstellen. Brehm: "Aber wenn man nichts beginnt, geht gar nichts."

Für ein Gesamtkonzept müssten mehrere Interessen unter einen Hut gebracht werden. Das Objekt dafür dann vom Landkreis zu übernehmen, dürfte die leichteste Hürde sein. Dass aus Visionen entstandene Nutzungskonzepte in Höchstadt erfolgreich umgesetzt werden können, zeigen das Gesundheitszentrum und das Geschäftshaus am Vogelseck.

Bei der Galster-Villa wäre für den Bürgermeister die Einrichtung einer ohnehin benötigten Kindertagesstätte denkbar, in der dann auch die Mitarbeiter des Krankenhauses ihre Kinder unterbringen könnten. Eine Allgemeinarzt-Praxis wäre ebenfalls vorstellbar. Vielleicht könnte man dafür junge Ärzte motivieren, die bereit wären, am Wochenende für einige Stunden eine Art Bereitschaftsdienst anzubieten. Die würde Brehm besonders fördern, etwa durch günstige Mieten.

Sollte sich für die Sanierung des Galster-Anwesens kein privater Investor finden, könnte das auch die Stadt übernehmen, oder die Bürgerspitalstiftung. Die betreibt bereits das Gesundheitszentrum und wäre laut Bürgermeister wirtschaftlich dazu in der Lage, auch in die Galster-Villa zu investieren.

Brehms Konzept-Überlegungen beschränken sich aber nicht auf die Galster-Villa. Er denkt an ein ganzes Gesundheits-Areal rund um das Krankenhaus und schließt auch das Gesundheitszentrum und das Wohn- und Geschäftshaus am Vogelseck mit ein. Dazu gehört auch der Platz vor dem Gesundheitszentrum, auf dem noch das Haus mit dem ehemaligen Blumenladen steht. Um den gesamten Umgriff städtebaulich aufzuwerten, hat die Stadt hier bereits mit dem Grunderwerb begonnen.

Für die Sanierung der Galster-Villa möchte Brehm verschiedene Fördertöpfe anzapfen und mit den Geldern den denkmalpflegerischen Mehraufwand ausgleichen. Auch wenn das Objekt nicht im Innenstadtbereich liegt, würde es die Städtebauförderung als Einzelmaßnahme bezuschussen, hat der Bürgermeister bereits eruiert. Finanzielle Unterstützung erwartet er auch vom Landesamt für Denkmalpflege.

Im Krankenhaus nebenan sei man "über jede sinnvolle Nutzung der Galster-Villa froh", meint Verwaltungschef Albert Prickarz. Für ihn wäre es sehr schade, ein solches Gebäude verfallen zu lassen. Einen Kindergarten könnte er sich gut vorstellen, der sollte dann fürs Krankenhaus-Personal auch eine Frühgruppe haben.