Der Polizist im Zeugenstand lässt keinen Zweifel an seiner Meinung: "Die Frau hatte absolute Todesangst." Seine Aussage war ausschlaggebend für das Urteil: Ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe hieß es am Ende für den Angeklagten. Die Haftstrafe wurde nicht auf Bewährung ausgesetzt, weil der Verurteilte vorbestraft ist.
Bei der Fortsetzung der Gerichtsverhandlung um häusliche Gewalt, die sich im Juli und an Weihnachten 2017 in Höchstadt zugetragen hatte, ging dann doch alles recht schnell. Bei der letzten Sitzung vor etwa zwei Wochen hatte die Geschädigte das Geschehen extrem relativiert. Richter Hagen Förster war sehr aufgebracht gewesen, weil sich ihre Angaben kaum noch mit denen deckten, die sie direkt nach den Vorfällen bei der Polizei gemacht hatte.


Schilderungen waren plausibel

Am Donnerstag berichtete nun der Beamte von der Polizeiinspektion Höchstadt, der beide Male im Einsatz war, haarklein, was sich zugetragen hatte. Nach der Auseinandersetzung im Juli hatte sich die Geschädigte in eine Eckkneipe gegenüber der gemeinsamen Wohnung geflüchtet. Die Polizei gerufen hatte der Wirt. Als der Zeuge mit seinem Kollegen vor Ort eintraf, "hat der Angeklagte aggressiv aus dem Fenster geschrien". Dann habe er ein süffisantes Grinsen aufgesetzt, die Finger knacken lassen und gesagt, er warte in der Wohnung auf die Polizisten, er würde sich nicht festnehmen lassen. Als es dann soweit war - die Beamten hatten sicherheitshalber Verstärkung angefordert - ließ sich der Mann dann doch widerstandslos abführen.
Als der Polizist mit der Geschädigten in die Wohnung ging, weil sie ein paar Sachen packen wollte, entdeckte er in Wohnzimmer und Bad eindeutige Hinweise auf eine "körperliche Auseinandersetzung". Alles habe zu den Schilderungen der Frau gepasst: Dass ihr Partner eine Tasse nach ihr geworfen und sie sich im Bad eingeschlossen habe, wo er sich dann gewaltsam Zutritt verschafft habe. "Die Scherben der Tasse lagen auf einem Tischchen, das Schloss der Badtür war herausgebrochen und die Tür selbst wies frische Splitterungen auf." Auch, dass sie sich mit dem Handgelenk geschützt hatte, als er versucht habe, ihren Kopf gegen den Spiegel zu schlagen, sei aufgrund der Schwellung des Gelenks plausibel gewesen.
Ebenso schilderte er den Vorfall an Weihnachten als traumatisches Erlebnis für die Geschädigte, die, wie er immer wieder betonte, "absolute Todesangst" gehabt habe. "So ein verstörtes, aufgebrachtes Verhalten kenne ich sonst nur bei schweren Unfällen, bei denen es um Leben und Tod ging." Unter solchen Umständen kann sich seiner Ansicht nach niemand eine Geschichte ausdenken.
"Zumal ich sie später auf der Dienststelle vorwärts und rückwärts befragt habe. Da gab es keine Ungereimtheiten, es war alles schlüssig." Zudem seien ja die entsprechenden Verletzungen sichtbar gewesen und fotografiert worden: Hämatome im Gesicht, Würgemale auf beiden Seiten, ein blutunterlaufenes Auge, Hämatome am Rücken und im Brustbereich.


Problematische Beziehung

Er sei sich der "Problematik der Beziehung" zwischen den beiden aber durchaus bewusst, gab der Polizist zu Protokoll. Er selbst habe ja gesehen, dass die Frau kaum eine Woche nach dem zweiten Vorfall schon wieder beim Angeklagten eingezogen war. "Und sie war zu diesem Zeitpunkt auch ganz normal." Auch habe er bemerkt, dass mit einem gewissen zeitlichen Abstand das Interesse an einer Strafverfolgung jedes Mal verloren ging.
So war es dann wohl auch beim letzten Verhandlungstermin, als die Zeugin vor Gericht aussagen sollte. Sie verharmloste alles extrem, die Geschehnisse seien, so Rechtsanwalt Thomas Skapczyk, mit ihrer Aussage nicht belegbar. Er plädierte daher auf Freispruch.
Die Staatsanwältin sah das anders - wie auch Richer Förster. Die detaillierte und glaubhafte Aussage des Polizeibeamten sowie die Fotos, die die Verletzungen eindeutig dokumentieren, ließen beide zum Schluss kommen, dass der Angeklagte die Frau misshandelt haben musste. Wenn auch nicht abschließend geklärt werden konnte, was genau geschehen war.
Zudem hatte er nachweislich die Polizisten und den Wirt der Eckkneipe beleidigt. Ob er auch eine Flasche nach dem Wirt geworfen hatte, konnte nicht aufgeklärt werden. Der Wirt war nicht als Zeuge erschienen, was aber, so Richter Förster, auch nicht weiter ins Gewicht gefallen wäre. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.