Semesterferien sind für viele Studenten mit das Schönste des Studiums. Sobald der Prüfungsstress vorbei ist, werden die Koffer gepackt und es geht in den Urlaub. Johannes Bechstein und Ralf Brünkmann bestücken ihre Rucksäcke jedoch mit allerlei Hilfsgütern. Die beiden Studenten der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg werden die nächsten sechs Wochen in Nepal verbringen. Das Ziel der Reise in Kooperation mit der Nepal-Hilfe Biberach ist die Überprüfung einer Wasserleitung.

Nur zwei Stunden lang Wasser

Diese versorgt das Dorf Lurpung und die nahe gelegenen Siedlungen mit Wasser. In einem der ärmsten Ländern der Welt spendet die 18 Kilometer lange Rohrleitung den 800 Bewohnern täglich nur zwei Stunden Wasser. Der desolate Zustand der Wasserleitung wird von den Masterstudenten des Internationalen Bauwesens per GPS-System und Kameraaufnahmen dokumentiert und, wo möglich, verbessert. Schaden genommen hatte die leckende Leitung durch eine fehlerhafte Bettung und unsachgemäße Benutzung. Auch einzelne marode Verbindungsstücke sollen ersetzt werden.

Dafür hatte die Firma Hawle aus Freilassing Reparaturschellen und T-Kupplungen gesponsert. Ohne besondere Werkzeuge können diese erste Schäden beheben. Das ist besonders wichtig, denn nur, was die beiden selbst tragen können, kommt auch am Zielort im Hochgebirge an. Den Distrikt Kavre, der von der Hauptstadt Nepals Kathmandu 45 Kilometer entfernt liegt, erreichen beide von dort aus zunächst mit einem Jeep. Dann heißt es jedoch selber laufen. Insgesamt werden sie, nach eigenen Angaben, wohl 50 Kilogramm Gepäck schultern. Darunter wird ein Zelt sein, da sie entlang der Leitung auch unter freiem Himmel übernachten werden.

Alltagsleben kennenlernen

Dabei wollen die beiden Studenten vor allem mit ihrem Know-how als Ingenieure helfen, und "die Bevölkerung selbst soll auch involviert werden", kündigt Bechstein an. Daher werden beide den Kontakt zu den Einheimischen suchen, um herauszufinden, ob in Zukunft mit nepalesischem Material und Handwerkern gearbeitet werden kann.

Die Reisevorbereitung der beiden Studenten laufen bereits seit drei Monaten. Neben dem Organisieren von Hilfsgütern und Verbandskästen, die ihnen der Mediziner Dr. Hans-Jürgen Zeisler aus Kulmbach zu Verfügung stellt, kümmerten sich die beiden auch um eigenen Impfungen, denn die hygienischen Verhältnisse entsprechen nicht dem von zu Hause Gewohnten, wie Brünkmann berichtet. Er besuchte die Region bereits im Rahmen seiner Bachelorarbeit.

Eine besondere Chance sehen beide darin, auch das Alltagsleben der Nepalesen kennenzulernen. Lurpung sei keines der Touristenzentren des Landes, erzählt Brünkmann. Kontakt zur Heimat wird deshalb auch nur sporadisch möglich sein, da es im Dorf kein Internet und keinen Handyempfang gibt. Berührungsängste kennen die Studenten nicht. "Mit Händen und Füßen kann man sich überall verständigen", erklärt Bechstein zuversichtlich.
Fachlich unterstützt werden sie auch durch die Hochschule. Wenn sie nach der Reise dorthin zurückkehren, werden sie die Ergebnisse ihrer Bestandsaufnahme dem Verein Ingenieure ohne Grenzen vorlegen, in der Hoffnung, mit neuen Mitteln weitere Hilfe leisten zu können. Über seinen Einsatz will Johannes Bechstein im FT weiterinformieren.

Wer dieses oder weitere Projekte der Nepal-Hilfe Biberach unterstützen möchte, kann über folgendes Konto spenden: Himalayan Project e.V., Kreissparkasse Biberach, Konto 7058189, BLZ 65450070