Wie steht es um die Opfer von Unfällen, wenn die Retter eintreffen und sich über Funk absprechen müssen? Hintergrund: Während in Mittelfranken die moderne Technik mit Digitalfunk schon Einzug hält, müssen sich Polizei in Ober- und Unterfranken noch wie früher analog verständigen. Fakt ist: Die Rettungsdienste und Polizei im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind in Sachen Hightech echte Vorreiter.

In den vergangenen Jahren wurden in ganz Mittelfranken 90 Basisstationen für den Digital-Funk errichtet. In ganz Bayern sind es 945. Neben München ist unser Bezirk damit einer der ersten, der die neue Technik anwendet. Seit Beginn des Jahres funkt die Polizei in Mittelfranken bereits digital - der Probebetrieb ist abgeschlossen.

Probebetrieb verlief durchweg positiv

Pressesprecher Ralph Koch: "Unsere Erfahrungen bislang verliefen durchweg positiv." Allerdings seien die meisten Fahrzeuge und Streifen auch noch mit analogen Funkgeräten ausgerüstet, denn noch immer sind viele Feuerwehren nicht umgerüstet, und bei gemeinsamen Einsätzen würde daher auf alte Weise gefunkt.

Allerdings sinkt deren Anteil immer weiter. "Daher können wir allmählich die alte, doppelte Ausrüstung mit analog wie auch digital zurückfahren. Schon allein aus Kostengründen", so Polizeidirektor Bernd Wolf, Leiter der Einsatzzentrale im Präsidium Mittelfranken. Jens Hammerl, Kreisbrandmeister ERH: "Wir haben im Landkreis bereits 80 bis 90 Prozent der Fahrzeuge umgerüstet und 1700 von weit über 3000 Feuerwehrleuten geschult. Unsere bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv, auch wenn unsere Feuerwehren bei kritischen Einsätzen, bei denen es um Menschenleben geht, noch auf den analogen Funk setzen. Fakt ist aber, dass ich viele positiven Rückmeldungen rund um die Einführung der neuen Technik bekomme."

Auf vollen Touren

Bei der Feuerwehr in Höchstadt läuft die Umstellung derzeit auch auf vollen Touren. Kommandant Wolfgang Glotz: "Wir haben nun digitale Handgeräte bei den Einsätzen dabei und halten über sie auch Kontakt." Doch auch die Höchstädter Wehr braucht noch die analogen Geräte - die integrierte Einsatzzentrale in Nürnberg funke noch auf traditionelle Art und Weise. "Ein Großteil unserer 107 Feuerwehrleute ist schon für den Digitalfunk ausgebildet worden", so Glotz weiter.

Davon sind Polizei und Rettungsdienste in Oberfranken weit entfernt. Jürgen Stadter vom Polizeipräsidium Oberfranken: "Unsere 2200 Beamten starten Mitte kommenden Jahres mit dem Testbetrieb. Derzeit werden aber schon Fahrzeuge umgebaut und das Netz ist wohl auch schon für den Betrieb bereit." Bei den Rettungsdiensten sollen Ende 2014 erste Fahrzeuge modernisiert sein, damit dort schon trainiert werden kann. Damit aber Einsätze reibungslos ablaufen, funken Retter in Grenzregionen weiter analog.

Warum ist Digitalfunk besser?

Doch warum ist der Digitalfunk besser? Ein Sprecher vom bayerischen Innenministerium erklärt: "Nun sind sogenannte Gruppen-Rufe sowie Direct-Calls möglich. Und in einem Netzmodus sind Einsatzzentralen jederzeit erreichbar." Bislang brauchte man für derartige Funktionen zwei analoge Geräte. Zudem sei jedes kleine Handgerät mit einer GPS-Ortung versehen. "So kann die Leitstelle jederzeit feststellen, wo sich der Polizist oder der Rettungshelfer befindet", sagt Ruhland. Weiterer Vorteil: Das Hightech- Funknetz ist weitaus leistungsfähiger und vor allem abhörsicher. Die Handhabung der neuen Funkgeräte sei dabei nicht komplizierter, lediglich die Technik funktioniere ein wenig anders, ergänzt der Ministeriums-Sprecher.

Es kann aber auch vorkommen, dass der Digitalfunk nicht funktioniert. So etwa im Raum um Weingartsgreuth. Hier klagen Feuerwehrleute, dass es früher schon Funklöcher gegeben habe, und auch heute sei das im digitalen Netz der Fall. Was vor allem daran liegt, dass auf der oberfränkischen Seite noch Basisstationen fehlen.
Zudem beklagen einige Feuerwehrler die komplexen Einstellungen bei den einzelnen Gruppenrufen (entsprechen den früheren Funkkanälen). Es ist also noch einiges an Arbeit zu bewältigen, bis wirklich alle kleineren Probleme der neuen Funktechnik behoben sind.

Bis 2020 oder 2021 soll es übrigens noch dauern, bis komplett digital kommuniziert wird.