Für Gitti Tohol und Eva Bauerreis geht ein Musikertraum in Erfüllung: Sie marschieren beim Mardi Gras, dem berühmten Karnevalsumzug in New Orleans, mit. Insgesamt 24 Musiker umfasst die Blasmusik-Truppe aus Höchstadt und dem Umland, die am Sonntagabend durch die Straßen der Stadt im Süden der USA ziehen werden. Am Samstagfrüh um fünf Uhr geht's los, der Flieger hebt um 11 Uhr vormittags in Frankfurt ab.

"Für Lampenfieber war bisher zu viel Stress", sagt Bauerreis. Die 19-Jährige aus Hemhofen spielt Posaune bei "Bloß Blech", einem Höchstadter Bläserensemble. Gelernt hat sie in der Musikschule Höchstadt. Ihre Tante Gitti Tohol spielt Trompete und fliegt auch mit in die Südstaaten. "New Orleans hat mich schon immer mal gereizt. Das ist ja eine echte Musiker-Stadt", sagt die 38-Jährige. Die Stadt am Mississippi-Delta ist die "Wiege des Jazz" und das Mekka des Blues.

Bewerbung war gleich erfolgreich

Gerhard Geuder, Leiter der Musikschule Höchstadt, musste seine Musiker nicht lange überreden, als er auf die Idee kam, beim Mardi Gras teilzunehmen. Die Tochter eines Mitmusikers ist in New Orleans verheiratet. So kam der Gedanke für eine amerikanisch-fränkische Faschingsfahrt. Bewerbungen bei den Karnevalsvereinen waren gleich erfolgreich. Geu der hat die Gruppe aus Mitgliedern der Stadtkapelle Höchstadt, "Bloß Blech" und der Kapelle aus Ulsenheim, seinem Heimatort, zusammengestellt.

Die Tuba geht im Handgepäck

24 Musiker mit Instrumenten über den großen Teich zu bringen, sei ein erheblicher Organisationsaufwand. Hotels buchen, Autos mieten, Flüge umbuchen: "Ich hab schon einen dicken Aktenordner voll mit Papieren", sagt Geuder. Trotz allem Stress vor dem Flug freue er sich schon sehr. Er hat sich extra eine Reise-Tuba, eine kleinere Version des Instruments, angeschafft. Für die Übergröße im Fluggepäck wären ansonsten schlappe 350 Dollar angefallen. Fünf Meilen, also etwa drei Kilometer, wird die Höchstadter Gruppe am Sonntagabend rund zwei Stunden bei einer Parade mitmarschieren. Die Route führt durch die Straßen des nördlichen "French Quarter", dem historischen Altstadt-Viertel.

Jazzig wird es bei Geuder und seiner Truppe beim Mardi Gras nicht. Zwar hätte man auch Modernes im Repertoire. Aber Dixieland und Beswingtes zu spielen sei ja "wie Eulen nach Athen tragen", meint Geuder.

Marschmusik "German Style"

"Wir spielen vor allem klassische Blas- und Marschmusik. Als Exoten müssen wir genau das machen, was sie drüben in den Staaten nicht zu bieten haben." Damit der Exotenbonus der "Franconian Blasmusic" auch so richtig zum Zuge kommt, hat sich die Gruppe entschlossen ihre Formationen in Dirndl und Lederhose zu laufen. Wennschon, dennschon.

Die Trompeterin ist schon gespannt, wie die Amerikaner Tracht und Blasmusik aufnehmen: "Drüben gelten ja alle Deutsche quasi als Bayern mit Lederhose." Mit Fahrten ins Ausland haben die zwei Musi kerinnen Erfahrung: Italien, Irland, La Palma. Mit der Stadtkapelle, wo sie früher gespielt haben, kommt man rum. Jetzt also "big party" in New Orleans. Im Anschluss bleibt die Gruppe noch eine Woche in der Region.

Eine Fahrt mit dem Mississippi-Dampfer und eine Alligatorenfarm (mit Krokodilfleisch-Probe) stehen auf dem Plan. Nach der Parade am Sonntag werden sie durch die Kneipen ziehen und viele andere Musiker treffen. Ihre Instrumente haben sie dann dabei.

"Gut möglich, dass auch das ein oder andere Kerwasliedla zu hören sein wird", sagt Gitti Tohol, die ihr Dirndl schon wieder in den Koffer gepackt hat. Weil um fünf Uhr früh geht´s ja los.

Mardi Gras - der "Fette Dienstag" in New Orleans:

Geschichte: "Mardi Gras" (sprich: Mardi Gra"), wörtlich "Fetter Dienstag", ist der Faschingsdienstag in Frankreich. Danach beginnt die Fastenzeit. Der berühmte Karnevalsumzug in New Orleans stammt von französischen Einwanderern ab und ist eine katholische Tradition. Seit den 1730er Jahren wird in der Stadt im Süden der USA Karneval gefeiert. Gut hundert Jahre später dann mit den ersten Straßenumzügen.

Publikumsmagnet: Heute ist der Umzug ein beliebtes Ziel für tausende Touristen aus aller Welt. Zwei Wochen vor dem "Fetten Dienstag" geht es schon rund: Musik-Paraden, die "parades", marschieren durch die Stadtviertel. Ähnlich wie in Köln und Rio gib es etliche Karnevals-Vereine, die "krewes" genannt werden. Die bunten Wagen beim Umzug heißen "floats". In den Bars und Clubs wird bis in die Puppen gefeiert.