"Der hat vor Hunger die halbe Aisch ausgesoffen!" Hauptmann Peter Lorz war um eine Antwort nicht verlegen, als es darum ging, die Argumente des Rats der Stadt Höchstadt zu widerlegen. Der Zustand der Stadtwache sei doch gar nicht so schlecht, hatte der Bürgermeister (Günter Schulz) dem mit der Prüfung beauftragten Vertreter des Bamberger Bischofs entgegen gehalten und auf einige stattliche Bäuche in der Truppe hingewiesen.

Die "Höchstadter Musketiere" waren am Samstag mit einer Historiendarstellung samt Stammtisch unterwegs. Bei allem Spaß, den die geschichtsbewussten Höchstadter zweifelsohne hatten, basierte das Geschehen auf historischem Hintergrund.

Auf dem Parkplatz an der Steinwegstraße gedachte die Truppe ihrer gefallenen Vorgänger: Dort erinnert eine Tafel an den 10. März 1633, als beim Schwedensturm im Dreißigjährigen Krieg die Stadt in Schutt und Asche gelegt wurde und nahezu alle Höchstadter ums Leben kamen. Im Gedenken an ihre Vorgänger, die einstigen Verteidiger der Stadt, feuerten die Musketiere am Steinweg einen Ehrensalut ab. Dagmar Dittrich und Katharina Heilmann von der Stadtkapelle bliesen zu Ehren der gefallenen Höchstadter das Lied vom "Guten Kameraden".

Landsknechte und Marketenderinnen

Dann marschierte die Truppe, die neben den Musketieren auch Landsknechte und Marketenderinnen samt Nachwuchs mit sich führte, zum Marktplatz des Städtchens, um beim Bürgermeister wegen des miserablen Zustands der Stadtwache vorzusprechen. Groß war das Aufbegehren: Mehr zu essen und zu trinken, mehr Sold wurden gefordert. Günter Schulz als Bürgermeister in vollem Ornat wehrte sich vergebens, um am Ende klein beizugeben. Selbst wenn nach seinen Worten "im Kasten der Boden zu sehen ist", die Geldtruhe also leer sei.
Ohne Probe hätten sie den Dialog aus dem Handgelenk geschüttelt, erklärten Peter Lorz und Günter Schulz hinterher einvernehmlich.

Ihre Zelte hatten die Musketiere bereits am Freitag im Engelgarten aufgeschlagen. Beim Exerzitium ging es dort auch an die Kanonen. "In der Stadt könnten wir das nicht machen. Da würden die Fensterscheiben fliegen", sagte Peter Lorz. Wenn seine Leute "mit 200 Gramm Schwarzpulver unterwegs sind", kracht das tatsächlich ganz ordentlich.

Überhaupt kennt Lorz sich in der Geschichte bestens aus. 63 Familiennamen hätten den Schwedensturm 1633 überlebt, erzählt er. Die Überlebenden hätten sich im Bürgerwald versteckt gehalten. Die Musketiere würden den Dreißigjährigen Krieg darstellen, weil es dabei keinen Uniformzwang gebe und die Truppe nicht einheitlich daherkommen müsse. Auch mit "low budget" könne man als Bauer einsteigen. Wichtig seien eine Hose in Kniebundform, lange Strümpfe, ein Hemd und eine Kopfbedeckung.

Originalgetreue Nachbildungen

Originalgetreue Nachbildungen sind nach Lorz' Worten jedoch die Waffen: Musketen aus dem 17. Jahrhundert, die als Vorderlader von vorne mit Pulver gefüllt und mit der Lunte, einer getränkten Baumwollschnur, gezündet werden.

Vom Historienspiel bis zum gemütlichen Lagerleben war es dann nicht mehr weit. Ein Trommler sollte wegen Meuterei exekutiert werden. Wegen des schlechten Truppenzustands trafen die Schützen jedoch die Falschen und der Delinquent entkam.

"Die Gefechtsdarstellungen machen nur einen kleinen Teil aus", betonte Lorz. Wichtig sei das Lagerleben, zu dem sich die Musketiere in der Regel gute Freunde aus benachbarten Vereinen einladen. Beim "historischen Stammtisch" am Abend gab es dann Kesselfleisch, natürlich frisch aus dem Schlachtkessel. Claudia und Peter Wurm, die für die Verpflegung verantwortlich waren, hatten beizeiten eingeschürt. Bei guter Stimmung - die dürfte sich bei dem herrlichen Wetter von selbst eingestellt haben - werde rings um das Lagerfeuer auch gesungen: "Wir sind des Geyers schwarzer Haufen" ist eines der einschlägigen Lieder, die jeder Geschichtsbegeisterte kennen sollte.

Genau das ist es auch, was Gast Nancy Othma vom Verein "Delitzscher Landsknechte" so schätzt: Das Beisammensein und die Freundschaften sind für die junge Frau aus dem Osten Deutschlands der Ausgleich zum Alltag. "Man ist einfach mal in einer anderen Welt!"