Sascha Müller, Mitglied im Bayerischen Landesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen und ehemaliger Vorsitzender der Grünen in Herzogenaurach, schreibt über Hermine Dickas: "Hermine ist eine echte Wertkonservative und war das schon, als noch niemand Kretschmann kannte. Sozusagen das erste ,gutbürgerliche‘ Gesicht des Herzogenauracher Ortsverbandes."

Die 80-jährige Hermine Dickas ist Gründungsmitglied der Grünen in Herzogenaurach und damit auch das älteste Mitglied des Ortsverbandes. "Ich bin Mitglied Nummer eins", erzählte sie etwas stolz. Dies, aber auch ihre Aktivitäten waren für den Ortsverband Grund genug, sie zum Ehrenmitglied zu ernennen. Bei der Übergabe des Ehrenbriefes durch Ortsverbandssprecherin Uschi Schmidt und Fraktionssprecherin Retta Müller-Schimmel plauderte Hermine Dickas über die Anfangsjahre der Grünen in Herzogenaurach.

"Wenn man etwas oder jemanden unterstützt, dann gehört es dazu, seine Zugehörigkeit auch öffentlich deutlich zu zeigen", erklärte sie. Deswegen habe sie 1987 den Anstoß zur Gründung des Ortsverbandes gegeben. Sie hatte aber anfangs keinen leichten Stand, und sie und ihre Mitstreiter wurden bei Aktionen wie dem "Sit in", bei dem die Einführung eines Stadtbusses gefordert wurde, als Gaukler verspottet. Sie sei im Freundeskreis sogar ausgelacht worden, weil sie zu den Grünen gegangen sei.

Inzwischen könnte man Hermine Dickas als Herzogenauracher "Urgestein" bezeichnen, aber irgendwie passt das nicht so richtig. Sie ist nämlich keine "Laut-Sprecherin", sondern nimmt sich Zeit, um sich eine Meinung zu bilden. Sie besitzt ein tiefes ökologisches Denken, aber ihre Worte sind wohl überlegt, und sie zeichnet sich durch ihr ausgleichendes Wesen aus. Dieses und auch die Sympathien in der Bevölkerung bewirkten, dass sie 2002 in den Stadtrat gewählt wurde. Zusammen mit Bernd Müller und Carola Willwohl vertrat sie die grüne Politik in Herzogenaurach.


Seniorenbeirat und Ökofest

Hermine Dickas arbeitete nach der Schule bei Puma, wo sie von Armin Dassler schon mal als Babysitterin eingesetzt wurde, sie bildete sich in Abendkursen weiter und war dann noch einige Jahre in der Abteilung Betriebswirtschaft bei Schaeffler. "Als die Kinder kamen, vier Söhne haben wir großgezogen, war es mit der Arbeit vorbei", erzählte sie. Nebenbei engagierte sie sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde.

Als 1982 der Allerweltladen gegründet wurde, war sie mit dabei, ebenso beim Seniorenbeirat im früheren Konsumgebäude. "Nach einigem Hin und Her bekamen wir von Manfred Braun (Kunst- und Kulturverein) einen eigenen Raum. Da wurde geschrubbt, und ich habe das erste Mal Fenster gestrichen", erzählte Hermine Dickas schmunzelnd. Natürlich war sie auch beim ersten Ökofest dabei und wurde von Ängsten geplagt, weil sie meinte: "Wer kommt denn schon zu den Grünen?", aber sie wurde schnell vom Gegenteil überzeugt.

Nach sechs Jahren Zugehörigkeit zum Stadtrat trat sie 2008 als 73-jährige nicht mehr an. "Ich fühlte mich eigentlich zu alt", das war es im Grunde aber nicht. Sie wurde als Oma gebraucht und pendelte mit ihrem Mann Christof einige Jahre nach München und passte auf die Enkeltochter auf.

"Wenn ich Zeit habe, komme ich gerne zu den Veranstaltungen der Grünen", erklärte eine rüstige und humorvolle Hermine Dickas der Ortsverbandssprecherin Uschi Schmidt. Aber in erster Linie ist die politisch interessierte Rentnerin erst einmal Oma. Und bekanntlich können Oma und Opa auch nicht immer frei über ihre Zeit verfügen.