Die Augen offen halten und die Diskussion suchen, aber einen Mitschüler nicht gleich öffentlich an den Pranger stellen. Das waren Tipps, die die Neuntklässler des Gymnasiums erhielten, als der Projekttag gegen Rassismus begann. Kriminaloberkommissar Stefan Malek gab Hinweise und sprach aus seinen Erfahrungen mit der rechtsextremen Szene. Helge Höppner vom Jugendamt ergänzte das. Mit einem Plenum in der Aula startete der Thementag am Mittwoch am Gymnasium als einer der ersten "Schulen ohne Rassismus" im Landkreis.

Seit sechs Jahren werden hier diese Projekttage durchgeführt, Sie sind ein Bestandteil der Auszeichnung "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Zu den Voraussetzungen zählt auch, dass sich die Jugendlichen im Alltag gegen Rassismus einsetzen und 70 Prozent der Schüler eine Teilnahme ihrer Schule unterschreiben.

Am Herzogenauracher Gymnasium kümmert sich ein Arbeitskreis um das Thema. Die engagierten Schüler hatten den Projekttag mit Unterstützung des Jugendamts des Landkreises vorbereitet und leiteten auch die einzelnen Workshops zum Thema. Leiter des Arbeitskreises (AK) ist Philip Edgar aus der Q 11. Er hatte als Neuntklässler selbst an einem Projekttag teilgenommen und habe da erfahren, wie wertvoll Erfahrungen aus erster Hand zum Thema sind, sagte er im FT-Gespräch. Als sein Sozialpraktikum anstand, entschied er sich für die Mitarbeit im AK. Jetzt ist er dort federführend aktiv.

Der 16-Jährige stand gestern den Schülern der 9e bei deren Gruppenarbeit zur Seite. In vier Bereichen setzten sich die Jugendlichen in allen neunten Klassen mit dem Thema auseinander. Die einen interessierte mehr die Rolle der Frauen in der Nazi-Szene, andere wollten etwas über Musik und Symbole der rechten Szene erfahren. Parteien und Organisationen sowie die Anwerbung von jungen Leuten durch Neonazis waren weitere Schwerpunkte. Zu allen Themen hatte Streetworker Helge Höppner Arbeits- und Informationsmappen mitgebracht.

Auch er appellierte an die jungen Menschen, doch stets wachsam zu sein gegen rechtsextreme Kräfte. Aber es müsse nicht jede entsprechende Verhaltensweise gleich auf einen politischen Hintergrund deuten, sagte er. Manchmal sei es auch nur Provokation, wenn Jugendliche verbotene Symbole verwenden.

Viel Unwissenheit

Dieser Meinung war auch der Kripobeamte Stefan Malek. Oft sei viel Unwissenheit dabei und jemand wisse keine Antwort auf die Frage, warum er denn jetzt ausgerechnet mit diesem T-Shirt herumlaufe. Man solle stets das Gespräch suchen, am besten gemeinsam mit den Eltern.

Helge Höppner unterstrich das. Jemanden vor der Klasse zu konfrontieren, sei eher kontraproduktiv. Der Sozialpädagoge von der mobilen Jugendarbeit am Amt für Kinder, Jugend und Familie bot die Mitarbeit seiner Behörde an. Darauf verwies auch Polizist Stefan Malek. Es gebe viele Einrichtungen, die bei der Lösung eines Problems helfen. Auch die Polizei könne gern Ansprechpartner vermitteln.

Diese findet man auch im Arbeitskreis "Schule ohne Rassismus". Philip Edgar ist sich sicher, dass die dort engagierten Jugendlichen dazu beitragen, dass in Herzogenaurach kein großes Auftreten rechtsextremer Erscheinungen zu verzeichnen seien. Auch der 15-jährige Nico Hadjchrysanthou arbeitet gerne mit. "Es ist schön, auch wirklich etwas zu machen und nicht nur daneben zu stehen."

Dass an der Schule etwas gemacht wird, davon konnte sich Johanna Lang überzeugen. Die junge Frau aus dem Landkreis Forchheim absolviert ein Praktikum am Landratsamt und nahm am Projekttag des Herzogenauracher Gymnasiums teil. Sie selbst besucht zurzeit die Deutsche Schule in Shanghai, wo ihre Mutter unterrichtet und der Vater bei Schaeffler arbeitet.

Fremdenfeindlichkeit habe sie dort nicht kennen gelernt, im Gegenteil. Die Chinesen seien "total lieb, die verehren uns schon fast", sagte die 15-Jährige. In der Schule selbst sei es kritischer. Da werde man von den Mitschülern schon eher mal ausgegrenzt.