Die meisten betraten wohl Neuland und gaben das auch zu. Bei nicht wenigen wurde das Interesse an der Politik geweckt und nur ein paar lässt die Bundestagswahl am Sonntag völlig kalt. So könnte die erste Hochrechnung nach der Juniorwahl am Donnerstag an der Mittelschule lauten. Bei diesem Projekt durften die Jugendlichen eine echte Wahl nachstellen - ganz so als wären sie wirklich schon mit dabei. Und wie kam es an? Corinna Brendel aus der Klasse 10 a sprach es aus: "Gut, dass wir da auch mal mitmachen dürfen."

Um die Aktion möglichst realitätsnah zu gestalten, lief alles ab wie bei der richtigen Bundestagswahl. Die Mensa wurde zum Wahllokal, die Stimmzettel sahen nicht nur so aus wie die am Sonntag, sie trugen auch die Namen der echten Kandidaten im Wahlkreis Erlangen. Und gewählt wurde geheim in der Wahlkabine. Selbstredend, dass die Wahlurne nach dem Auszählen versiegelt wurde. Die Ergebnisse werden erst am Sonntagabend ab 18 Uhr gemeinsam mit den ersten Bundestagshoch rechnungen im Internet veröffentlicht .

"Wähler" aus drei M-Klassen

Andrea Düthorn ist Lehrerin einer neunten Klasse und fungierte gestern gewissermaßen als Wahlleiterin. Drei M-Klassen (Mittlere Reife) aus den Jahrgängen neun und zehn nahmen teil, so wie aus 1500 Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet. An der Mittelschule Herzogenaurach waren Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren ausgesucht worden, also die nächsten Erstwähler, wie Düthorn feststellte. Ein Ziel der Aktion ist es auch, der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken und den jungen Menschen die Wahlen als wichtiges Grundelement der Demokratie näher zu bringen, berichtet ihre Kollegin Manuela Janisch, an der Mittelschule Herzogenaurach zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Umsetzen wollten die Lehrer der drei Klassen das durch gezielten Unterricht. "Wir haben auch die Wahlprogramme der einzelnen Parteien angesprochen", sagt Andrea Düthorn. Besonders Themen wie Familie, Bildung, Schulden seien da angepackt worden - also Dinge, die die Jugend interessieren sollten. Es habe sich auch gezeigt, dass die Schüler mit der Politik großteils noch nicht viel anfangen konnten. Als sie sich im Unterricht damit auseinander setzten, sei das Interesse geweckt worden. "Sie schauten auch in die Zeitung rein", sagte Düthorn. Eines habe man auf jeden Fall erreicht: "Die Berührungsängste konnten wir abbauen".

Vorbereitung am "Wahl-O-Mat"

Das kann die 16-jährige Talissa Vieira bestätigen. Bei ihr wurde die Neugier geweckt. "Ich hab abends mit Papa diskutiert", sagte sie. Und der habe sich ganz verwundert gezeigt: "Seit wann interessierst du dich denn für Politik?" Aber er habe dann gewisse Zusammenhänge auch ganz stolz erklärt.

Bildungshungrig wurde auch Nils Steinbrich. Er ging ins Internet, setzte den "Wahl-O-Maten" ein. Da habe er tatsächlich eine Partei gefunden, die ihm entspricht, erklärte er. Sein Kreuzchen war also festgelegt. Und wen hat er da gewählt? Kein Kommentar - Wahlgeheimnis! Auch Celine Wölfle hat sich von der Politik anstecken lassen. Einschließlich des Wahlkampfs der Parteien. Aber jetzt schon tatsächlich die Stimme abgeben?

Nein, das wäre noch zu früh, war mehrfach zu hören. Denn: "Wir haben noch nicht so viel Ahnung von den Parteien", räumte Jessica Monastiriotis (15) ein. Die zu verstehen, "das ist ganz schön schwer." Aber cool sei Politik trotzdem, ergänzte die gleichaltrige Noreen Mc Guinness. Den Klassenkameraden Fabio Sandel hingegen ließen Wahl und Politik kalt. "Ich finde die Leute komisch", sagte er. "Ich spiel lieber Fußball."