Vor 50 Jahren gründete der Ingenieur Hermann Schleicher in Erlangen eine Firma. Er beschäftigte sich mit der Automatisierung von Fertigungsprozessen beim Zuführen, Mechanisieren, Querteilen, Spalten sowie Profilieren von Blechen und gehörte zu den ersten Systemlieferanten am Markt. Im ersten Jahr hatte sein Unternehmen Aufträge über rund eine Million D-Mark. Die Belegschaft wuchs jedoch bald auf 130 Personen an, und 1989 zog das Unternehmen nach Heßdorf um, weil in Erlangen keine geeigneten Flächen für eine Erweiterung gefunden werden konnten.

In Heßdorf wurde gestern auch ein halbes Jahrhundert Firmengeschichte gefeiert, allerdings unter dem Motto "50 Jahre Schuler Automation", denn Hermann Schleicher hatte seine Firma 1990 an den Schuler-Konzern verkauft. Die Schuler Automation GmbH ist heute eine 100-prozentige Tochter der Schuler AG, die 1839 von Louis Schuler in Göppingen gegründet wurde und die sich als Technologie- und Weltmarktführer auf dem Gebiet der Umformtechnik sieht. Weltweit rund 5500 Mitarbeiter produzieren in Deutschland, Tschechien, der Schweiz, in China, Brasilien und den USA. Schuler verfügt zudem über Service-Zentren in Indien, Russland, der Slowakei, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Mexiko, China und den USA.

Das Technologiefeld Automation, zu dem neben Heßdorf auch der Standort Gemmingen zählt, hat seinen Umsatz in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt und hat einen Anteil am Konzernumsatz von rund 15 Prozent. Der mittelfränkische Standort verzeichnet einen hohen Auftragsbestand und sieht angesichts zahlreicher Neuentwicklungen optimistisch in die Zukunft, sagte der für Technik und Vertrieb zuständige Geschäftsführer Stephan Mergner. Man habe sich mit Blick auf das 50. Firmenjubiläum ehrgeizige Ziele gesetzt und wolle auch neue Arbeitsplätze schaffen. An beiden Standorten sind insgesamt 590 Mitarbeiter tätig (davon 340 in Heßdorf), der Umsatz der Sparte soll im laufenden Geschäftsjahr auf 160 Millionen Euro steigen, davon entfallen 85 Millionen Euro auf Heßdorf.

Der Gesamtkonzern sieht sich nach dem ersten Halbjahr auf dem richtigen Weg zu seinen Jahreszielen. "Auf Basis des Auftragsbestands von 1,13 Milliarden Euro hoffen wir, unsere Ziele für das Gesamtjahr erreichen zu können", sagte Vorstandsvorsitzender Stefan Klebert. Im Gesamtjahr will das Unternehmen eine operative Umsatzrendite von knapp zehn Prozent erreichen. Der Umsatz soll bei rund 1,2 Milliarden Euro liegen.

Schuler stellt allerdings eine Beruhigung im Markt fest und verzeichnet in einzelnen Bereichen eine sinkende Auslastung. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Schuler-Konzern einen reduzierten Auftragseingang in der Größenordnung von 1 bis 1,1 Milliarden Euro.

Schuler Automation verzeichnet eine Exportquote von 45 Prozent und beliefert etwa rund 500 Kunden, vornehmlich die Automobilindustrie (unter anderem BMW, Audi, Toyota, Mercedes, Ford, VW, Volvo, Renault und Opel), aber auch Blechverarbeiter und Firmen der Zuliefer-, Elektro- und Hausgeräteindustrie. Das Produktspektrum umfasst unter anderem eigenständige Maschinen sowie Werkzeuge, Stapelanlagen für Platinen und Systeme für alle gängigen Pressentypen. Seit 2006 werden in Heßdorf darüber hinaus 2D- und 3D-Laseranlagen zum Schneiden oder Schweißen gefertigt.

Mit "ZusammenWachsen 2.0" hat Schuler kürzlich ein Zukunftsprogramm gestartet, "um bei konjunkturelle Schwankungen den Wachstumskurs beizubehalten", führte Klebert aus. Er sagte weiter: "Unser verstärktes Engagement in China wird seinen Teil genauso dazu beitragen wie die Erschließung der übrigen Wachstumsmärkte." In China verdreifacht Schuler bis Ende Juli 2013 seine Produktionskapazitäten. Synergien aus der Integration von in der Vergangenheit zugekauften Unternehmen sollen noch besser genutzt werden.

Auch in neuen Werkstoffen wie Carbonfaser-verstärkten Kunststoffen sieht das Unternehmen ein Wachstumsfeld. Hier konnte Schuler im ersten Halbjahr einen weiteren Auftrag für eine Presse zur Herstellung von Verbundwerkstoffen verbuchen. Zugleich gewann der Maschinenbauer im vergangenen Geschäftsjahr mit 18 Millionen Euro den größten Service-Auftrag in der Unternehmensgeschichte.

Die 50 Jahre Schuler Automation bzw. 50 Jahre Firma Hermann Schleicher waren natürlich ein Grund, die Mitarbeiter und rund 500 Kunden sowie politische Vertreter nach Heßdorf einzuladen, um gemeinsam das Jubiläum zu feiern. Mit Interviews, Talkrunden und Musik war der Tag unterhaltsam und kurzweilig. Unter den Gästen waren auch Landrat Eberhard Irlinger (SPD) und Bürgermeister Horst Rehder (BB) sowie ein Teil der Gemeinderäte. Der Landrat zeigte sich sichtlich stolz, ein solch internationales Unternehmen im Landkreis zu haben. Bürgermeister Rehder bezeichnete den damaligen Umzug von Erlangen nach Heßdorf als einen "echten Glücksfall" für die Gemeinde und bestätigte der Geschäftsleitung einer vorzüglichen Zusammenarbeit. "Die Gemeinde wird das Ihrige tun, damit sich die Firma bei uns wohlfühlt", erklärte Rehder und bedankte sich für die Standorttreue.

"Ein Unternehmen, das über so viele Jahre wächst und sich 50 Jahre im internationalen Wettbewerb behauptet, muss sehr viel richtig gemacht haben", sagte Vorstandsvorsitzender Klebert. So stelle Schuler in Heßdorf mit seinen über 340 Mitarbeitern regelmäßig hohe Innovationskraft unter Beweis. "Die Automation macht uns zu einem erfolgreichen Komplettanbieter für die gesamte Metallumformung", erklärte Klebert.

"Als Hermann Schleicher den entscheidenden Schritt in die Selbständigkeit wagte, da besaß er die Eigenschaften, die die meisten erfolgreichen Firmengründer dieser Epoche auszeichneten: Risikobereitschaft sowie verlässliche Begleiter und Weggefährten", würdigte der kaufmännische Geschäftsführer Bernhard Kraus den beliebten "Chef der alten Schule", der 2005 starb. "Heute, zwei Generationen später, verneigen wir uns mit Respekt und Hochachtung vor diesem Mann, der durch sein Wirken und durch seine Schaffenskraft den Grundstein für das gelegt hat, was wir heute feiern können: die erfolgreiche Entwicklung eines Unternehmens über ein halbes Jahrhundert. Und dieses Unternehmen, das sich seit 1990 unter dem Dach von Schuler befindet, wird das Erbe des Gründers nicht nur bewahren, sondern mit Blick in die Zukunft auch ständig weiterentwickeln."