Wenn alle anderen schlafen und sich noch einmal müde im Bett herumdrehen, ist Herbert Kaiser schon auf den Beinen. Die Stadt hat er dann fast für sich ganz alleine: kaum Verkehr, kaum Fußgänger. Alle noch im Tiefschlaf. Bis sie aus den Federn kommen, ist der Bauhofmitarbeiter mit seiner Arbeit vielleicht schon fast fertig und entfernt die Spuren der langen Silvesternacht. Wenn er Glück hat, erst ab 8 Uhr morgens. Wenn er Pech hat, und die Straßen sind glatt oder voller Schnee, beginnt sein Dienst bereits um 4 Uhr. "Es gibt natürlich schönere Tage, um zu arbeiten. Aber einer muss es machen. Man gewöhnt sich dran", sagt Kaiser.

Zu viert statt zu zweit

Innerhalb von wenigen Stunden - meistens bis zur Mittagszeit - bringen die Straßenreiniger des städtischen Bauhofs die Stadt wieder auf Hochglanz, entfernen Kracher, Böller und Feuerwerkskörper. "Es sind auch immer viele Flaschen, die teilweise zerbrochen sind. Deshalb fahren wir vor allem Rad- und Fußwege ab", erklärt Kaiser. Entsorgt wird der Müll im Container des städtischen Bauhofs. In den letzten Jahren gab es davon immer mehr. "Ich erinnere mich vor allem an das Silvester vor zwei Jahren. Da sah die Stadt aus wie Sau," sagt der 48-Jährige aus Höchstadt. Die Konsequenz: Seitdem reinigen sie die Stadt an Neujahr zu viert, vorher haben sie den Job noch zu zweit erledigt.

Aber ob zu zweit oder zu viert - an Neujahr muss fast jeder der Bauhofmitarbeiter mal ran. Ein paar Tage vorher wird der Dienst gemeinsam festgelegt. Unterwegs sind die Mitarbeiter dann sowohl zu Fuß mit Besen und Schaufel als auch mit der Kehrmaschine. "Sie darf aber nur eingesetzt werden, wenn es über null Grad hat. Sonst gefriert das Wasser, mit dem gereinigt wird", sagt Herbert Sucker, Leiter des städtischen Bauhofs.

Der Bauhof reinigt ausschließlich städtische Gebäude und Grundstücke wie den Marktplatz, das Vogelseck oder verschiedene Parkplätze. Ansonsten muss jeder Anwohner - laut Straßenreinigungssatzung - sein eigenes Anwesen selbst säubern. "95 Prozent der Leute machen das gleich vormittags, andere etwas später, und bei ganz wenigen liegt der Müll noch eine Woche später vor der Tür", weiß Sucker aus Erfahrung. Der Bauhof macht es gleich morgens, sobald es hell wird: "Sonst schaut es blöd aus, wenn ein Fremder oder so kommt."

Wach bis 2 Uhr

Und obwohl er so früh raus muss, Herbert Kaiser feiert trotzdem Silvester. Das will er sich nicht nehmen lassen. Mit seiner Frau und seiner Schwägerin begrüßt er das neue Jahr bei sich zuhause in gemütlicher Runde. Auch wenn es dann eine eher kurze Nacht für ihn wird. "Ungefähr bis 2 Uhr bleibe ich auf, dann muss ich aber ins Bett", sagt Kaiser. Und dann ist er derjenige, der schläft und sich noch einmal im Bett herumdreht.