Er hat sich im Laufe von mehr als 40 Jahren Betriebszugehörigkeit zur Legende entwickelt. Insider behaupten sogar: Er weiß alles und er kennt alle und alles, was im Hause Puma vor sich gegangen ist und vor sich geht. Seine Meinung ist gefragt, wenn es um Schuhmodelle oder um Vereinszugehörigkeiten bei Fußballern geht, und vor allem ist er das lebende Gewissen der Marke mit der springenden Raubkatze. Die Rede ist von Helmut Fischer - Herzogenauracher mit Leib und Seele, Urgestein und heimatverbunden und dazu noch leidenschaftlicher Sammler und begeisterter Fotograf.

70 Jahre wird er alt, am heutigen Samstag, drei Tage vor dem Heiligen Abend. Der "Bu", der im "Dreiländereck" in Herzogenaurach in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist: an der Kreuzung Cyprianstraße/Störcherstraße. Mit den Nachbarsbuben wurde auf der Straße gekickt und fußballerisch gezaubert. Zum Glück waren einzelne Väter in "Schuhbuden", wie man die Schuhfabriken früher nannte, beschäftigt und konnten die "Schlappen" (verächtlich für einfache Fußballschuhe) der wilden Kicker "flicken", also wieder ausbessern.

Sammelleidenschaft

Über die Zwischenstationen (Automechaniker und "bei Siemens") fand Helmut Fischer Ende der 70er Jahre seine Erfüllung bei der Firma mit der Raubkatze, bei Puma in der Würzburger Straße. Selbst kickte er in Herzogenaurach ab seinem zehnten Lebensjahr beim FC in Schüler- und Jugendmannschaften und bekam damals sogar einen Vertrag im "Ausland": Beim Niederndorfer ASV stand er im Tor, körperlich zwar nicht der Größte, aber sprunggewaltig wie eben ein Puma, so hielt er seinen "Kasten" samt dem Strafraum meist frei.

Seinem obersten Chef, Rudolf Dassler, stand er bald mit Rat und Tat zur Seite und er begann bereits in den 80er Jahren mit einer ungeheuren Sammelleidenschaft, einzelne Schuhmodelle zu horten und zu archivieren: die ausgetretenen Spikes von Armin Harry (Olympiasieger über 100 Meter) oder die legendären Kickstiefel vom Wunderknaben der 50er und 60er Jahre: Pele. Helmut Fischer sammelte und archivierte und die Puma-Ausstellung zum 70-jährigen Firmenbestehen konnte nur dank seiner Sammelleidenschaft und Liebe zur Firma perfekt gestaltet werden.

Heute ist Fischer als "Senior Adviser" in der Geschäftsleitung noch immer ganz nah am Puls seines einstigen Arbeitgebers, auch wenn er das Rentenalter längst erreicht hat. Im Wesentlichen war er zuletzt beteiligt, die Traditionsvereine der ersten Bundesliga, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach (einmal Puma - immer Puma) ins Boot zu holen und zu betreuen. Kaum ein Wochenende vergeht, an dem er nicht im im Iduna-Stadion oder im Borussen Park auf der Ehrentribüne sitzt.

Doch Fußball und Sport sind und waren für den bekennenden Herzogenauracher längst nicht alles. Viele weitere Leidenschaften machen ihn aus: Da ist einmal die Liebe zu seiner Heimatstadt und deren Umgebung und die Fotografie. Drei wunderbare Bildbände wurden unter seiner Regie verlegt: "Franken. Bilder einer Landschaft" sind sie betitelt. Dazu kommen noch ein Bildband über Herzogenaurach sowie beeindruckende Aufnahmen für einen Herzogenauracher Stadtführer.

Träger der Stadtmedaille

Fischer hat vor mehr als 30 Jahren die Herzogenauracher Fußwallfahrten nach Veitsbronn und Dettelbach wiederbelebt, ist Mitglied in der Deutschen Steinkreuzforschung und Mitinitiator des Schusterbrunnens. Auch ist der Träger der Stadtmedaille Besitzer eines riesigen Archivs alter Aufnahmen aus Herzogenaurach. Der Heimatverein profitiert jährlich davon, wenn er seinen Jahreskalender auflegt. Und bei all den Tätigkeiten findet er hin und wieder auch noch Zeit, eines seiner Fahrräder zu strapazieren.