Julia Leitenmeier ist Hebamme aus Leidenschaft - und hat im Erlanger Geburtshaus ihren Traumarbeitsplatz gefunden. "Hier kann ich richtig in meinem Beruf aufgehen."
Die gebürtige Straubingerin kam nach Ausbildung und Studium wegen des Geburtshauses nach Erlangen und ist seit gut drei Monaten Teil des Teams. Sie ist mit Feuer und Flamme dabei: "Wir alle brennen für schöne Geburten, bei denen Mutter und Kind ihr eigener Rhythmus gelassen wird", bringt sie die Philosophie des Hauses auf den Punkt.


Arbeit muss sich auch rentieren

Angezogen hat sie aber nicht nur dieses Idealbild: Mit dem Wissen, die Kolleginnen als Stützen und Vertretung zu haben, lässt sich auch die wenige Freizeit besser planen - trotz Freiberuflichkeit. "Ich habe die Möglichkeit, geregelte freie Tage und Urlaub zu machen. So kann man auch mal weg, ohne das Gefühl zu haben, seine Frauen im Stich zu lassen."

Nicht zuletzt soll sich die Arbeit für Hebammen auch rentieren und das Geburtshaus ist laut Leitenmeier ein System, das es ermöglicht, Geld mit dem Beruf zu verdienen. "Nach Abzug der Ausgaben ist es zwar oft weniger als Beleghebammen oder Angestellte verdienen, aber dafür ist man schließlich auch freiberuflich und genießt die Vorteile dieser Art des Arbeitens."

Sie findet, angestellte Hebammen verdienen für ihr Arbeitspensum und die große Verantwortung "superwenig" und haben dazu die in ihren Augen oft unbefriedigende Aufgabe, mehrere Frauen auf einmal betreuen zu müssen. "Bei Schichtwechsel muss man die Frauen dann auch noch abgeben! Wenn ich sie die ersten acht Stunden begleitet habe, will ich auch das Kind auf die Welt holen!" Sie betont, dass sie trotz der größeren persönlichen Sicherheit nie wieder fest angestellt sein möchte. Die freiberufliche Arbeit im Geburtshaus empfindet die erst 25-Jährige als erfüllender. Früher habe sie oft das Gefühl gehabt, am Ende des Tages niemandem wirklich gerecht geworden zu sein.


Oft unbefriedigende Bedingungen

Dies sieht sie auch als eines der Probleme an, warum ein "absoluter Hebammenmangel" herrsche: Viele würden ihren Beruf nur sehr kurz ausüben oder bald in Teilzeit wechseln, was bei den hohen Kosten aber unrentabel sei. Ein Grund dafür seien eben die oft unbefriedigenden Arbeitsbedingungen. Weitere der Wunsch nach eigenen Kindern, die hohe Belastung und Verantwortung oder die enorme Flexibilität, die gefordert ist. "Die meisten verfolgen ein hohes Idealbild - und wenn man merkt, dass man dem nicht gerecht werden kann, zermürbt das."
Zudem würde es den Hebammen zunehmend schwieriger gemacht "und damit meine ich gar nicht die hohe Haftpflichtsumme". Ständig gebe es neue Änderungen, so dass sich die Freiberuflerinnen viele Leistungen sogar erst erstreiten müssen. Zudem koste die Bürokratie viel Kraft, die man eigentlich für den sowieso schon kräftezehrenden Berufsalltag brauche.

Als Lösung wären für die 25-Jährige verschiedene Anreize denkbar. Zum Beispiel die Übernahme der Haftpflicht vom Staat oder eine Bezahlung, "mit der man mit 40 Stunden pro Woche über die Runden kommt, statt 60 oder 80 arbeiten zu müssen." Je leichter man es der Einzelnen mache, ihren Beruf auszuüben, desto mehr würden dabei bleiben. "Aber ich persönlich glaube, dass wir über kurz oder lang Support von der Politik kriegen. Einfach weil wir wichtig sind für Familien", blickt die junge Frau positiv in die Zukunft.


Weitere Details zum Geburtshaus:
Leistungen: Low- oder No-Risk-Geburten, keine Zwillings- und Risikogeburten. Leitenmeiner: "Wir überreden niemanden, zu uns zu kommen, anstatt ins Krankenhaus zu gehen. Jeder sollte das tun, womit er sich wohl fühlt."

Sicherheit: Intensive Eins-zu-eins-Betreuung. Sobald sich die Hebamme nicht mehr sicher ist, ob medizinische Hilfe doch gebraucht werden könnte, wird verlegt - und zwar in der Regel so bald, dass es in Ruhe geschehen kann. Nur 1 Prozent waren bisher Notfallverlegungen.

Kaiserschnitt: Sollte ein Kaiserschnitt nötig sein, wird die Frau dafür ebenfalls verlegt. Aber die Rate ist mit 6 Prozent wesentlich niedriger als in Krankenhäusern mit 30 Prozent.

Infos: Weitere Infos auf der Seite des Geburtshauses sowie bei der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e.V.