Robert Hertel war "noch nie so optimistisch wie im vergangenen Jahr". Der Vorstandsvorsitzende und Gründer der in Adelsdorf sitzenden HempAge AG ist überzeugt, dass der Naturfaser Hanf eine große Zukunft bevorsteht. "Es tut sich was auf dem Markt", stellt Hertel fest und hat für ein neues Betriebsgelände in Adelsdorf ein 10 000 Quadratmeter großes Grundstück von der Gemeinde gekauft.

Seit 1999 produziert die HempAge AG Bekleidung aus Hanf und beliefert damit Einzelhändler, Online-Shops und Versandhäuser. Weil das Geschäft boomt und das Firmengebäude in der Industriestraße aus allen Nähten platzt, zieht der Betrieb demnächst in die frei werdenden Räume eines Dunstabzugshauben-Herstellers um. In drei Jahren möchte Hertel dann am eigenen Neubau Richtfest feiern.

In einem ersten Abschnitt sind 1000 Quadratmeter Lager und darüber 600 bis 800 Quadratmeter Bürofläche geplant. Alle drei bis fünf Jahre soll Zug um Zug erweitert werden. Im Moment beschäftigt die Firma zwölf Mitarbeiter, zwei weitere sollen bald hinzukommen.

Gefertigt wird in China

Fertigen lässt HempAge in China. "Weil nur noch dort aus dem Rohstoff eine hohe textile Faserqualität produziert wird", sagt Hertel. Das soll sich aber künftig ändern. So stellt das Unternehmen nicht nur Kleidung her, sondern erforscht auch Technologien, um die Verarbeitung der Hanffaser zu optimieren. Seit einem Jahr hält die Adelsdorfer Firma 25 Prozent an einer Forschungstochter in den neuen Bundesländern. Hier erforschen Experten, wie man was mit Hanf machen kann.

Die Forschungsergebnisse lassen Hertel euphorisch werden. Neben Rohstoff für Kleidung wird Hanf auch zu einem Verbundwerkstoff für die Automobilindustrie verarbeitet. "Unser Ziel ist es, Rahmen- und Karosserieteile nicht mehr aus Aluminium, sondern aus Hanf zu fertigen", sagt Hertel und freut sich schon über erste Forschungsaufträge in diese Richtung. Für seinen Neubau in Adelsdorf will er Hanfbeton verwenden. Ein Baustoff, der auch für das olympische Dorf in London zum Einsatz kam.

Hanfverarbeitung in Franken

Robert Hertel möchte der Erste sein, der in Franken eine Hanfverarbeitungsanlage in Betrieb nimmt. Mithilfe fränkischer Bauern will er den Rohstoff vor Ort in bester Faserqualität zu produzieren. "Die Landwirte bauen Hanf an, wenn sie einen vernünftigen Preis bekommen", ist der Unternehmer überzeugt. Zumal der Rohstoff Hanf auf dem Weltmarkt immer schwerer zu bekommen ist. Nur weil mit veralteten Techniken gearbeitet werde, sei Stoff aus Hanf noch deutlich teurer als Baumwolle. Das könne sich aber ändern.