"Dank Halma hab ich mein Leben wieder in den Griff gekriegt", erzählt Martina Geiger aus Falkendorf, ehemalige Projekteilnehmerin. "Mir ging es damals sehr schlecht. Ich war gerade aus der Psychiatrie entlassen worden, ich war am Boden. Ich wollte einen Neuanfang. Das Arbeitsamt hat mir dann vorgeschlagen, bei Halma mitzumachen." Das war vor über vier Jahren. "Halma hat mir wieder Kraft gegeben. Und ich habe mir einen Traum erfüllt: Nach einem Praktikum konnte ich eine Ausbildung zur Fahrradmonteurin machen. Heute bin ich seit ziemlich genau einem Jahr Gesellin, hab' eine Festanstellung."

Halma steht für "Handeln-Lernen-Mitmachen-Aktivieren", ein Konzept, das Mitarbeiter der Laufer Mühle erarbeitet haben. Es sieht theoretische und praktische Kurse in den Bereichen Gastronomie oder Möbelaufbau vor, sorgt für einen geregelten Tagesablauf und beinhaltet intensive individuelle Betreuung der Teilnehmer. Zielgruppe waren langzeitarbeitslose Menschen mit psychischer Erkrankung oder Suchtproblemen. Durch "Halma" sollten sie die Möglichkeit erhalten, ein selbstständiges, eigenverantwortliches Leben zu führen und in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Kooperationspartner waren die Jobcenter Erlangen-Höchstadt und Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim und die Drogen- und Suchtberatungsstelle des Landratsamts.

24 Teilnehmer fanden Arbeit

"Unser Konzept hat sich als sehr erfolgreich erwiesen", erklärt Projektleiterin Carmen Schramm. In vier Jahren betreuten sie und die anderen Mitarbeiter der Laufer Mühle insgesamt 80 Teilnehmer. "24 davon konnten in den regulären Arbeitsmarkt vermittelt werden, 25 haben an weiterführenden Maßnahmen teilgenommen." Das Besondere an "Halma" sei gewesen, dass die Teilnehmer bis zu einem Jahr bei dem Projekt dabei waren. "Die meisten anderen Projekte dieser Art dauern maximal sechs Monate. Oft geht es da hauptsächlich darum. die Teilnehmer möglichst schnell irgendwo unterzubringen, damit sie aus der Statistik raus sind", erklärt Schramm. "Bei uns ging es aber vielmehr darum, zusammen mit den Teilnehmern herauszufinden, was sie möchten und können, und für jeden seinen individuellen Weg zu finden." Zudem wurden die Teilnehmer täglich von einem Fahrdienst abgeholt. "Das hat Verbindlichkeit geschaffen. Und es gab jeden Tag ein gemeinsames Mittagessen, das sorgte für ein Gemeinschaftsgefühl."

Gefördert wurde das Projekt vom Europäischen Sozialfonds. Da die maximale Förderdauer erreicht ist, kann das Projekt in dieser Form nun nicht mehr weiter geführt werden. "Das finde ich wirklich schade", sagt Tobias Müller (Name geändert) aus Höchstadt, ebenfalls ehemaliger Projektteilnehmer. "Halma hat mein Leben verändert. Durch das Projekt hab' ich es geschafft, mit meiner schlimmen Vergangenheit umzugehen." Sein Vater verprügelte ihn regelmäßig, seine Mutter war schwer krank. "Es war nicht einfach für mich, im normalen Leben Fuß zu fassen." Seine Ausbildung zum Mediengestalter brach er ab, wurde arbeitslos. "Ich dachte, ich schaff' das nie mehr. Aber mein Berater im Jobcenter hat mir dann Halma vorgeschlagen. Jetzt habe ich einen Betrieb gefunden, wo ich meine Ausbildung abschließen kann. Sonst wäre ich wahrscheinlich auf der Straße gelandet." Auch Martina Geiger bedauert, dass das Projekt ausläuft. "Mir hat Halma sehr geholfen. Auch jetzt noch, wenn es mir schlecht geht, kann ich mich an Carmen Schramm wenden."

Die große Verbundenheit der ehemaligen Teilnehmer, von denen viele zu Abschlussveranstaltung gekommen waren, sei ein weiterer Beweis für den Erfolg des Projekts, sagt Schramm. "Derzeit laufen Gespräche zwischen der Laufer Mühle und dem Jobcenter, um was ähnliches auf die Beine zu stellen."