80 000 Fahrzeuge schlängeln sich pro Tag im Bereich des Autobahnkreuzes Fürth/Erlangen die A 73 entlang. Auf der A 3 sind es noch einmal 10 000 Fahrzeuge mehr. Zu Stoßzeiten drängen sich Lkw und Autos dicht an dicht, der Rückstau auf der A 3 reicht manchmal bis nach Höchstadt. Bis zum Jahr 2025 erwartet die Autobahndirektion für die A 3 im Bereich des Kreuzes einen Anstieg auf bis zu 104 000 Fahrzeuge am Tag.

Seit März 2017 läuft das Bauprojekt am Autobahnkreuz Fürth/Erlangen. Es ist Teil des sechsstreifigen Ausbaus der A 3 zwischen dem Kreuz Biebelried und Fürth/Erlangen. Bis zu 200 Arbeiter werkeln täglich auf der Baustelle. Bis zum geplanten Bauende 2021 asphaltieren sie insgesamt 110 000 Quadratmeter, das sind mehr als 15 Fußballfelder, und bewegen 250 000 Kubikmeter Erdmaterial, erklärt Markus Bindnagel, Sachgebietsleiter der Autobahndirektion Nordbayern.

3,4 Kilometer der A 3 werden sechsstreifig ausgebaut, auf der A 73 wird auf einer Länge von 2,6 Kilometern gebaut. Rund 200 Millionen Euro investiert zum größten Teil der Bund in das Großprojekt am Autobahnkreuz. Insgesamt sechs Firmen, inklusive der Verkehrssicherung, sind für das Projekt beauftragt. Die Sub-Unternehmen sind da noch nicht eingerechnet. Die Firmengruppe Max Bögl trägt den Hauptauftrag.

In den rund 60 Bauphasen wird die Verkehrsführung am Kreuz ständig geändert, sagt Bindnagel. Bis 2021 müssen sich Verkehrsteilnehmer also weiterhin auf Behinderungen und Staus einstellen.

Der "Overfly": Autos, die künftig auf der A 73 von Bamberg in Richtung Regensburg (A 3) unterwegs sind, müssen sich am Autobahnkreuz nicht mehr einfädeln und nach dem Befahren einer schneckenförmigen Überleitung wieder auf der neuen Autobahn einfädeln. Stattdessen soll ein "Overfly", eine direkte Rampe von der A 73 zur A 3 einen reibungslosen Wechsel ermöglichen. Der "Overfly" führt über die A 3, unterquert die A73 mit einem "Underfly" und vereint sich dann mit der A 3. Die Überleitungen von der A 3 auf die A  3 werden breiter und bekommen zwei Spuren.

Verkehrsführung: Während der Bauzeit bleibt die Anzahl der Fahrstreifen auf der A 3 und auf der A 73 weitestgehend erhalten. "Das ist vergleichbar mit einer Operation am offenen Herzen. Schließlich wird im laufenden Betrieb ausgebaut", sagt Bindnagel. Auf der A 73 gibt es eine sogenannte 4+0 Verkehrsführung: Vier Streifen sind auf der A 73 in Betrieb, alle vier wurden auf die Richtungsfahrbahn Fürth gelegt. Auf der ursprünglichen Fahrbahn Richtung Bamberg wird gebaut. Auf der A 3 fahren Autos und Lkws auf der Fahrbahnseite Richtung Regensburg.

Regenrückhaltebecken: Eine rund zehn Kilometer lange Entwässerungsleitung haben die Arbeiter bisher verlegt. Die Rohre mit einem Durchmesser von rund 120 Zentimeter enden in einem großen Rückhaltebecken "mit olympischen Maßen", so Bindnagel (im Foto): 55 Meter lang, 20 Meter breit und sechs Meter tief. Das Becken erfülle eine Vorklär-Funktion, bei Unfällen soll dort das Öl zurückgehalten und dann abgeschöpft werden.

Lärmschutzwände: Mit dem Ausbau der A 3 auf einer Länge von 3,4 Kilometern ist ein Lärmschutz für die Erlanger Stadtteile Eltersdorf und Bruck verbunden. Bis zu 13 Meter hohe gestufte Wälle und Lärmschutzwände umschließen das Autobahnkreuz sowie die A 3 und die A 73 auf einer Länge von fast sechs Kilometern. Außerdem wird auf insgesamt 2,4 Kilometern ein lärmmindernder Flüsterasphalt aufgebracht.

ÖPP-Angebote sollen Mängel aufweisen: Privater A 3-Ausbau verzögert sich um ein Jahr

Der sechsstreifige Ausbau der A3 zwischen den Autobahnkreuzen Biebelried und Fürth/Erlangen verzögert sich um rund ein Jahr. Das teilt die Pressestelle der Autobahndirektion Nordbayern auf Nachfrage mit. Ursprünglich sollte das 2,4 Milliarden Euro teure Großprojekt im Mai beginnen. Der sechsstreifige Ausbau der A 3 ist größtenteils ein ÖPP-Projekt (Öffentlich-Private Partnerschaft), das heißt, ein privater Betreiber baut die A 3 aus.

Im Oktober 2018 wurden die beiden bestgereihten Bieter zur Abgabe eines endgültigen Angebotes aufgefordert. Die Submission fand im Januar 2019 statt. "Im Zuge der Prüfung der Angebote stellte die Autobahndirektion fest, dass beide Angebote Mängel aufwiesen, die zwingende Ausschlussgründe darstellen", erklärt eine Sprecherin.

Daraufhin habe die Autobahndirektion beiden Bietern den Ausschluss ihrer Angebote mitgeteilt. Den Ausschluss haben die Bieter bei der Vergabekammer Nordbayern mit Vergabenachprüfungsanträgen angegriffen. Mit dem ersten der beiden Vergabenachprüfungsanträge im März 2019 geriet der geplante Baubeginn in Gefahr. "Nach der Verhandlung des ersten Vergabenachprüfungsantrages war klar, dass der geplante Baubeginn nicht mehr zu halten ist", heißt es von der Autobahndirektion.

Um einen Baubeginn zumindest 2020 zu ermöglichen, hat die Autobahndirektion das laufende Vergabeverfahren in das Stadium vor Abgabe der endgültigen Angebote zurückversetzt. Die beiden Bieter können noch einmal endgültige Angebote abgeben. Der Baubeginn ist jetzt für Frühjahr 2020 vorgesehen. Die Verzögerung hat erhebliche Auswirkungen auf die Kosten. So werden im Winter 2019/20 auf den Flächen, die bereits abgeholzt wurden, nochmals die Nachtriebe geholzt.

Für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit des ÖPP-Streckenabschnittes bis zur Übergabe an den Auftragnehmer im Frühjahr 2020 müssen 2019 in Teilbereichen die Asphaltdeckschichten der Richtungsfahrbahnen instandgesetzt werden. Dafür fallen bis zu zwei Millionen Euro an. Der sechsstreifige Ausbau der rund 76 Kilometer langen Strecke soll dann im Herbst 2025 fertiggestellt sein, heißt es von der Pressestelle.