"Die nehm' ich mit heim", sagte der fünfjährige Emil, durchaus selbstbewusster Vampirnachwuchs aus dem Publikum, über Lisa-Marie Holzmann. Ganz gerne hätten dies wohl auch etliche Besucher im Zuschauerraum getan. Aber die junge Röttenbacherin war ja schon zu Hause. Der Galaabend, eine tolle Mischung unsterblicher Lieder und weltbekannter Hits aus Musicals und Operetten, war für die 16-Jährige praktisch ein Heimspiel. Ein grandioses noch dazu. Der Live-Gesang und die starken Stimmen der Solisten entfachten Begeisterungsstürme im Publikum.

Die von Armin Stöckl präsentierte Musikgala war genau das, was die rund 350 Besucher in der Röttenbacher Lohmühlhalle erwartet hatten: Eine fantastische Show mit großartigen Stimmen und den beliebtesten Melodien der Musikliteratur. Stöckl, Träger bedeutender Musikpreise, hat auf vielen Konzertreisen innerhalb Europas und sogar in Übersee Erfahrung gesammelt. Mit zauberhaften Melodien, die zum Träumen verführen, entführte er sein Publikum in eine andere Welt - märchenhaft romantisch und fernab vom grauen Alltag.

Wohliges Gruseln

Das begann schon mit "Komm Zigan" aus der "Gräfin Mariza". Der Zauber und die Weite der Puszta schwangen in der Melancholie seiner Stimme mit. Als blutrünstige Nachtgestalt im "Tanz der Vampire" verbreitete Stöckl wohliges Gruseln. Allerdings nicht so ernsthaft, dass ihm nicht ein Scherz über das Gebiss über die Lippen käme.

Neben seiner ausdrucksstarken Stimme trugen wohl auch der Charme und Witz zum Erfolg des auch als TV-Moderator bekannt gewordenen Sängers bei. Er scheut den Kontakt mit dem Publikum nicht. Röttenbachs Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) hüllte er in seinen schwarzen Mantel, als tollpatschiger Ober Leopold aus dem "Weißen Rössl" verschenkte er rote Rosen an Damen in der ersten Reihe.

Bis zum letzten Biss bewies Lisa Marie Holzmann, dass sie der Sarah aus dem erfolgreichen Vampir-Musical gewachsen ist. Die ausgebildete Sängerin gehört seit einem Jahr zur Stammbesetzung der Musical- und Operettengala und zeigte sich nicht nur sängerisch, sondern auch als Schauspielerin äußerst wandlungsfähig. Auf der Bühne war sie in vielen Rollen, unter anderem als Sissi, zu erleben. Oder märchenhaft im schneeweißen Umhang mit der berühmten Aschenputtel-Melodie.

Bühnenprofi Jennifer Eder wirbelte temperamentvoll und souverän über die Bühne. Mit "Tanzen möchte ich" aus der "Csardasfürstin" oder "Ich hab getanzt heut Nacht" aus "My fair Lady" trieb sie das Publikum zu Beifallsstürmen. Ihr glockenreiner strahlender Sopran füllte die Halle. Selbst ein lautstarker Crash in der Tonanlage warf sie nicht aus der Bahn.

Profi eben, das wurde auch deutlich bei "Memory", dem absoluten Hit aus "Cats", einem der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten. Obwohl die Zeit für sie nicht reichte, um in das richtige Kostüm zu schlüpfen: Man musste nur die Augen schließen und sah die Katze Grizabella nachts auf dem Müllplatz umherstreifen.