Um "Klima, Konsum und andere Katastrophen" dreht sich eine Ausstellung, mit der die Herzogenauracher Kulturtage am kommenden Freitag eröffnet werden. "Glänzende Aussichten" nennt sich der Titel der Sammlung von teils bitterbösen Karikaturen, die zwar das Lächeln auf den Lippen gefrieren, aber nichtsdestotrotz das Herz eines jeden Freundes schwarzen Humors höher schlagen lassen.

"Da spielt der Bauch eine Rolle", beschreibt es Michael Kleiner vom Referat Weltkirche der Erzdiözese Bamberg. Oder: Wenn man schon nicht lachen kann, so muss man wenigstens schmunzeln. 99 Karikaturen zu Klimawandel und Energiewende sind im Ausstellungskatalog enthalten, 40 bis 50 werden bis zum 8. Oktober im Kunstraum in der Langenzenner Straße zu sehen sein.

Helmut Biehler, der Leiter des Kulturamts im Herzogenauracher Rathaus, freut sich auf den Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, die in diesem Jahr besonders schräg sein sollen. Querdenker erhalten in den kommenden drei Monaten ein Forum (der FT berichtete). Was könnte sich besser zum Start eignen als Karikaturisten, die dem Betrachter in einer vermeintlich humorvollen Zeichnung die bittere Wahrheit vor Augen halten.

Denn der Lebensstil der Wohlstandsgesellschaft sei zur globalen Bedrohung geworden, heißt es in einem Video des Erzbistums über die Ausstellung. Und weil die Heiterkeit die Schwester des Ernstes sind, wie es Erzbischof Ludwig formulierte, muten die Zeichnungen auf den ersten Blick auch durchaus munter an. Helmut Biehler: "Zunächst muss man lachen, das ist ja positiv. Aber dann bleibt's im Halse stecken."

Sein favorisiertes Bild ziert die Rückseite des Katalogs. Man sieht einen Kirchturm, der aus der Sintflut ragt. Ein Pfarrer blickt aus dem Fenster und bedankt sich beim Himmlischen Vater, dass er im Klimawandel so weise für seine Priester vorgesorgt hat und die Kirchtürme so hoch gebaut sind. Nur ein paar Pinselstriche braucht eine inhaltsschwere andere Zeichnung. Da ist die Energiewende dargestellt: Einmal weht der Rauch aus den Schornsteinen in die eine, dann in die andere Richtung.

Die Karikaturen "beleuchten die dunklen Seiten unseres westlichen Lebensstils und konfrontieren uns mit den Zusammenhängen zwischen Weltpolitik und unserem individuellen Verhalten", beschreibt es der Begleittext zur Ausstellung. Da geht es dann auch um Hunger, Menschenrechte oder Globalisierung. In einer Karikatur von Waldemar Mandzel sitzt ein europäischer Grenzschutzpolizist auf seinem Boot und tippt in seinen Laptop. "Wohnort? Beruf? Alter?", fragt er die in Massen in Richtung des Bootes schwimmenden Flüchtlinge noch kurz vor dem Ertrinken. Ihr Fett bekommt die Konsumgesellschaft ab: "Warum weinst du denn, mein Kleiner?", fragt die Großmutter ihren Enkel vor dem Schaufenster des Spielwarengeschäfts. "Ich hab das alles schon!"

Am Freitag um 20 Uhr ist die Vernissage dieser Schau, die von der Stadt gemeinsam mit der Pfarrei St. Magdalena bei freiem Eintritt im Kunstraum an der Langenzenner Straße gezeigt wird. Entstanden ist "Glänzende Aussichten" durch eine Kooperation des Erzbistums Bamberg mit Misereor, dem katholischen Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit. Zuletzt war sie in Düren zu sehen. Am Mittwoch sollen die in sieben Kisten verpackten Exponate in Herzogenaurach eintreffen.


Vernissage (Freitag, 22. September, 20 Uhr)

Zur Einführung in die Ausstellung spricht Roland Baierl (Leiter der Arbeitsstelle "Projektarbeit in der Erzdiözese Bamberg"). Musikalische Beiträge auf Euphonium und Klavier gestalten Norbert Engelmann (Kulturpreisträger der Stadt Herzogenaurach) und Peter Willert.

Die Ausstellung ist bis zum 8. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: Donnerstag von 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr.


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Ein Filmchen zur Ausstellung finden Sie auf:
www.youtube.com/watch?v=3iw7rw2aroI