Um 6.15 Uhr aufstehen, Kaffee trinken und dazu die Zeitung lesen. Kurz vor acht ins Rathaus und die Mitarbeiter begrüßen. Seit gut 100 Tagen sieht so die morgendliche Routine vom Weisendorfer Bürgermeister Heinrich Süß (UWG) aus. Nach 100 Tagen im Amt fällt seine Zwischenbilanz positiv aus.

Die größte Veränderung in seiner Gemeinderatsarbeit ist für Süß eindeutig: Früher habe er die Unterlagen vor der Sitzung bekommen und sei sie dann durchgegangen. Jetzt bereitet er die Sitzungen vor, stellt die Unterlagen zusammen und leitet dann die Sitzungen. "Was mir besonders gut gefällt, ist, dass es im Gemeinderat viele sachliche Diskussionen gibt." Er stellt auch fest, dass es gefühlt weniger offene Gräben innerhalb des Rats gibt: "Es gibt kein großes Fraktionsdenken und es ist auch üblich, dass jemand mal dagegen stimmt. Da wird man dann auch nicht schräg angeschaut, wenn man die Gegenstimme begründen kann." Außerdem kenne man sich im Rat gut, da es nur ein paar neue Mitglieder gibt.

Bürgermeisteramt gefällt

"Ich wollte noch nie in Fußstapfen treten", sagt Süß auf seinen Amtsvorgänger, den jetzigen Landrat Alexander Tritthart (CSU), angesprochen. "Die Fußstapfen, das ist für mich der Stil, wie man arbeitet. Und da sind wir unterschiedlich." Auch habe er nicht vor, als Landrat zu kandidieren, das Amt als Weisendorfer Bürgermeister gefalle ihm dafür viel zu sehr.

Auch im Privaten gab es für Süß durch das neue Amt Veränderungen. "Ich habe jetzt einen Beruf weniger", sagt Süß. Früher habe er sich neben seinem Job bei Schaeffler als Zweiter Bürgermeister noch um die Arbeit in der Gemeinde gekümmert, nun kann er sich voll auf das Gemeindewohl konzentrieren. "Nur weil ich einen Job weniger habe, heißt das aber nicht, dass ich weniger arbeite", fügt Süß lachend hinzu.

Normalerweise arbeitet Süß als Bürgermeister rund 60 Stunden in der Woche. "Dazu gehören aber auch zehn Stunden am Wochenende, die ich auf Veranstaltungen verbringe und die ich nicht wirklich als Arbeit bezeichnen würde." Trotz der vielen Arbeit kommt Süß noch dazu, seiner großen Leidenschaft, dem Fußball, zu frönen. Das Training am Mittwoch und die Spiele am Samstag in der AH-Mannschaft des ASV Weisendorf sind für ihn Pflichttermine. "Dabei kann ich wirklich gut abschalten, weil ich mich auf das Spiel konzentriere und gar nicht über Arbeitsdinge nachdenken kann. Fußball ist eine seelische Tankstelle für mich."

Außerdem geht er gerne mit seiner Frau walken oder mit seinem Sohn Fahrrad fahren. "Wenn wir mit den Rädern unterwegs sind, werden wir schon auch ab und zu angehalten", sagt Süß. Dabei komme er genauso wie bei seinen regelmäßigen Spaziergängen ins Gespräch mit den Bürgern. "Dabei bekommt man einfach mit, was die Bürger bewegt", sagt Süß. "Spazieren gehen ist gut für den Bürgermeister." So passiert es, dass er auch in seiner Freizeit mit der Arbeit konfrontiert wird. Doch Süß sieht das nicht als Problem: "Ich habe gelernt, nach Hause zu gehen, wenn ich meine Aufgaben erledigt habe", sagt er. "Das ist aber auch kein Problem. Ich kann mich auf meine Verwaltung verlassen."


Zweiter Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein

"Wir kommen gut aus und kennen uns schon lange. Heinrich Süß und ich waren sogar zusammen in einer Klasse. Natürlich ist jeder Stil anders. Jeder hat eine andere Persönlichkeit. Die ersten Sitzungen waren kürzer, genau so, wie er es angekündigt hatte. Wenn es ein Thema aber verlangt, wird natürlich länger diskutiert.


100 Tage im Amt

4 Marktgemeinderatssitzungen bisher

durchschnittlich 60 Arbeitsstunden pro Woche

5 Gratulationen zu Geburtstagen und Jubiläen

mindestens 2 Bürgerkontakte pro Tag, Veranstaltungen nicht eingerechnet.