Die Kirche St. Oswald in Lonnerstadt hat eine lange Geschichte. Viele Kriege hat sie mittlerweile überstanden, doch die Glocken, die in dem Turm des Gotteshauses ihren Platz haben, hätten das fast nicht. Schon 1450 konnten die Lonnerstadter erstmals eine Glocke läuten hören, bevor nach der Reformation zwei weitere hinzukamen.
Im Zweiten Weltkrieg wurden diese jedoch abmontiert und 1944 nach Hamburg auf den sogenannten Glockenfriedhof gebracht. Dort stand ihnen dann die Einschmelzung bevor. Doch die Glocken hatten Glück. Der Krieg war 1945 zu Ende und sie konnten nach Lonnerstadt zurückgebracht werden. Dort befestigte man sie mit jeweils einem Stahljoch. Doch der Zahn der Zeit nagte an den Jochen.
Nun steht die Restauration der Glockenanlage an. Die alten Stahljoche, denen Korrosion stark zusetzte, werden durch klassische Eichenjoche ersetzt. Sie bilden ein Grundgerüst für die Glocke und halten diese. "Eiche passt vom Klangkörper her viel besser als Stahl", erklärt dazu Pfarrer Andreas Sauer, der seit April vergangenen Jahres im Amt ist.
Außerdem werden die drei Klöppel, die die Glocken anschlagen, durch weicheren Stahl ersetzt. Das soll ebenfalls zu einem besseren Klang beitragen. "Die Entwicklung geht immer weiter", sagt Pfarrer Sauer. Auch im Glockenbau. Und so wurde bereits im Sommer eine neue elektrische Steuerung für die Glockenantriebe verbaut. Dadurch können die Glocken nun sanfter angezogen und abgebremst werden. Auch die Läuteräder wurden im Zuge der Sanierung erneuert.
Die hat allerdings seinen Preis. Insgesamt rund 16 000 Euro investiert die Kirche in ihr Glockensystem. Finanziert wurde das Projekt ausschließlich aus Spendengeldern der 1650 Gemeindemitglieder. Die Spenden wurden speziell für die Sanierung des Glockensystems gesammelt. Und das in Rekordzeit. Pfarrer Sauer ist begeistert, dass das Geld innerhalb nur eines dreiviertel Jahres zusammenkam. "Die Spendenfreudigkeit ist bei uns sehr hoch", zeigt er sich dankbar. Dabei hat St. Oswald von der Landeskirche keine Zuschüsse bekommen. Demnach sei die Gemeinde für Glocken, Orgel und Friedhof selbst verantwortlich.
Doch das Vorhaben ist durchaus dringend. Bereits 2001 wurde von einem Glockensachverständigen ein erstes Gutachten erstellt, um den Zustand der Glocken einzuschätzen. Das fiel aber nicht gut aus. So stellte der Sachverständige fest, dass eine dringende Notwendigkeit besteht, die Anlage zu sanieren. 2007 wurde das Gutachten der Kirche dann erneut vorgelegt mit der Bitte, die Mängel schnellstmöglich zu beheben. Doch auch das geschah nicht. "Das Gutachten war einer der ersten dienstlichen Vorgänge, die mir vorgelegt wurden", sagt Pfarrer Sauer. Er sollte sich mit Experten beratschlagen und eine Lösung für das Problem finden.
Das hat er. Bevor die restaurierte Anlage aber wieder in Betrieb gehen kann, müssen die drei Handwerker der Firma Dürr aus Rothenburg, die sich auf Kirchenglocken spezialisiert hat, aber erst noch einiges an Arbeit leisten. Sie müssen die schweren Teile den engen Kirchturm von Hand hinauftragen, bevor diese montiert werden können. Doch spätestens am Dienstag nächster Woche sind die Glocken für die Lonnerstadter dann wieder zu hören.