"Sie ist mit mir gekommen und wird mit mir gehen", sagt Rainer Scheckenbach und streicht über den Ärmel seiner Uniform. Der Höchstadter Polizeihauptkommissar wird Ende 2015 in Rente gehen. Seit 1976, also genau so lang wie die aktuelle Uniform, hat er dann Dienst bei der bayerischen Polizei gemacht. Immer in Grün.

Nach fast 50 Jahren soll sich im Freistaat aber nun die Polizeiuniform ändern. Anscheinend geht auch das Innenministerium mit der Mode und hat eine Projektgruppe "Neue Dienstkleidung der Bayerischen Polizei" eingerichtet. Seit letztem Jahr werden unter den 26 000 uniformierten Polizeibeamten in Bayern Umfragen durchgeführt. Ziel: Die neue Uniform soll nicht nur passen, sondern auch gefallen. Ein bisschen Chic kann schließlich auch der Dienstalltag vertragen. 2016 soll die neue Uniform eingeführt werden.

Eine aktuelle Abstimmung unter 550 Beamten weist geschmacklich ins Ausland: Die Dienstkleidung aus Österreich hat mit Abstand am besten abgeschnitten. Auf Rang zwei liegt die der baden-württembergischen Polizei. "Von uns hat keiner an der Abstimmung teilgenommen", sagt Jürgen Schmeißer, Dienststellenleiter der Höchstadter Polizei. Das österreichische Modell kenne er nur von Fotos und vertraue der Meinung der befragten Kollegen.

"Unempfindlich und bequem"

Dennoch macht man sich auch unter den Höchstadter Kollegen Gedanken über die neue Uniform. "Unempfindlich und bequem" solle sie sein, meint Gerhard Backert, stellvertretender Dienststellenleiter. Auch er trägt schon seit den Siebzigern die grüne Jacke. Die braune Bügelfaltenhose sei jedoch nicht besonders praktikabel. Er und sein Kollege Scheckenbach greifen daher lieber zur gleichfarbigen Dienst-Jeans.

Etwas, das beide unbedingt übernehmen würden. Jüngere Kollegen würden dagegen lieber Cargo-Hosen, also Hosen mit Taschen an der Beinseite, anziehen. "Das ist eine reine Gewohnheitssache", sagt Scheckenbach. Bei der Wahl der Dienstkleidung darf frei entschieden werden. Hauptsache die Kleidung ist zugelassen. Viele Polizisten bestellen von ihrem Kleidergeld nach eigenen Wünschen in einem Katalog.

In Nürnberg gibt es auch ein Spezialgeschäft - Ware von der Stange für den Freund und Helfer sozusagen. Scheckenbach hat für die neue Kluft aber auch Verbesserungsvorschläge: Bisher hat jedes Oberteil Schulterklappen für die Abzeichen. "Im Winter, bei drei Schichten, kommt da ein ganz schöner Berg auf den Schultern zusammen." Vor allem beim Angurten im Auto eher unbequem. Weglassen gehe natürlich auch nicht. Vorschrift ist Vorschrift. Eine mögliche Lösung: Die Abzeichen könnten auch am Kragen getragen werden.

Polizei in Bayern: blau oder grün?

Eine Gretchenfrage bei der neuen Polizeiuniform: Das alte Grün, oder doch ein schickes Blau, so wie in den anderen Bundesländern schon Alltag? "Blau war für mich immer die Uniform vom Zoll", sagt Scheckenbach. Hauptsache nicht schwarz, wie die Uniform in Hamburg, da ist er sich mit seinem Kollegen einig.

Einvernehmen herrscht bei den Höchstadter Polizisten auch, dass die Funktionalität wichtiger ist als Farbe oder Zuschnitt. Ab August führt das Innenministerium, das sich die Neueinkleidung rund 30 Millionen Euro kosten lässt, einen "Trageversuch" durch. Eine Bewährungsprobe im Alltag: Nässe, Hitze, Kälte. Polizisten sind aber nicht nur der Witterung ausgesetzt. Wenn es in Auseinandersetzungen heiß her geht, schütze die Lederjacke am besten, sagt Scheckenbach. "Wir haben es ja nicht nur mit freundlich gesinnten Mitbürgern zu tun." Dafür habe die Jacke aber auch ein ordentliches Gewicht.

Besonders stolz ist der 58-Jährige auf seine Lederjacke. 35 Jahre Dienst hat sie schon auf dem Buckel und sieht immer noch ansehnlich aus. "Wenn ich in Pension gehe, lasse ich sie mir mit silbernem Filzstift von allen Kollegen unterschreiben", sagt er mit ein bisschen Wehmut im Unterton.

Vielleicht haben die Jüngeren dann ja schon die neue Uniform an. Vielleicht blau, vielleicht grün, vielleicht auch österreichischer Schnitt.