Es war im Jahr 1963, als Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrag unterschrieben. Der sollte zwei Völker verbinden und in friedlicher Absicht zusammenführen. Ganz so lang her ist es noch nicht, dass sich auch die beiden Kommunen Sainte Luce sur Loire aus Frankreich und Herzogenaurach aus Franken (Deutschland) näher kamen und ihre eigene Freundschaft besiegelten. Die Partnerschaftsurkunde wurde vor 30 Jahren unterzeichnet. Aber auch das geschah auf dem Grundgedanken der beiden Regierungschefs von 1963.
Und dieser Gedanke wird weiter fortgesetzt. Wenn die Gäste aus der Partnerstadt am morgigen Donnerstag zur Feier des Jubiläums an der Aurach erwartet werden, spielt der europäische Gedanke eine tragende Rolle. Ist am heutigen Mittwoch, also fast zeitgleich, doch auch der Europatag. Beim Empfang auf dem Platz am Realschulbrunnen soll ein Baum der Freundschaft gepflanzt werden.
Von Donnerstag bis Sonntag befindet sich eine Besuchergruppe von fast hundert Menschen aus der Partnerstadt zu Gast in Herzogenaurach. 31 Teilnehmer zählen zur offiziellen Delegation, die von Bürgermeister Jean Guy Alix angeführt wird. Des Weiteren empfängt der Freundeskreis Herzogenaurach - Sainte Luce sur Loire 67 Mitglieder des Cercle d'Amis. Im Mittelpunkt steht der Festakt am Freitagabend im Vereinshaus, aber es gibt auch eine Veranstaltung im Festzelt der Feuerwehr, die ja in diesen Tagen ihren 150. Geburtstag feiert.
Als im Oktober vor zehn Jahren im Vereinshaus der 20. Geburtstag gefeiert wurde, stellte der damals neu gewählte Bürgermeister German Hacker fest, dass es inzwischen bereits "fast nicht mehr zählbare Begegnungen und Freundschaften" gebe. Man baue gemeinsam an einer friedlichen Zukunft für die Kinder, Sprachbarrieren seien kein Hindernis. Und auch nicht die 1150 Kilometer Distanz, die zwischen beiden Städten liegt.


Freundschaft ohne Risse

Auch Hackers damaliger Amtskollege Bernard Aunette erinnerte daran, dass Jahrzehnte nach schrecklichem Leid eine geschichtliche Wandlung stattgefunden haben. Die Menschen beider Länder seien Freunde geworden. Und der jeweilige Partner, so Aunette, habe einen festen Platz im Herzen der Bürger beider Städte. Der FT titelte damals: "Eine echte Freundschaft ohne Risse."
German Hacker sagte beim Gegenbesuch in Frankreich im November 2008: "Mit Freunden etwas gemeinsames erleben und aufbauen, das macht eine Städtepartnerschaft aus." Auch in Zeiten des Friedens müsse am Frieden gearbeitet werden. Die damalige Feier bezeichneten Aunette und Hacker als ein neues Kapitel. Jetzt, zehn Jahre später, folgt ein weiteres.
Die Gäste treffen am morgigen Donnerstag gegen Nachmittag in Herzogenaurach ein. Es sind gleich zwei Programmpunkte vorgesehen, an denen die Bevölkerung teilhaben soll. Das gilt für die Begrüßung der französischen Gäste um 16 Uhr am "Place de l'Amitié" am Brunnen neben der Realschule. Und für das Konzert im Festzelt der Feuerwehr um 19.30 Uhr. Dazwischen liegt eine Stadtführung für die offizielle Delegation mit dem Vorsitzenden des Herzogenauracher Heimatvereins, Klaus-Peter Gäbelein.


Baum der Freundschaft

Bei der Begrüßung um 16 Uhr sollen Grußworte zum Europatag gesprochen und ein Baum der Freundschaft gepflanzt werden. "Ab 19.30 Uhr finden sich unsere Gäste im Festzelt der Feuerwehr Herzogenaurach ein", berichtet Rosa Abel, die Partnerschaftsbeauftragte im Rathaus, in einer Pressemitteilung. Im Festzelt wird das lucéen Saxophon- und Querflöten-Ensemble der Musikschule Sinfonia unter der Leitung von Vianney Paviot auftreten. Martin Kainbacher wird als Schüler der Musikschule Herzogenaurach die Gruppe am Schlagzeug begleiten.
Am Freitag unternimmt Bürgermeister Hacker eine Rundfahrt mit den Gästen durch die Stadtteile Herzogenaurachs. Auch werden städtische Einrichtungen wie das Generationen-Zentrum und das Jugendhaus Rabatz besucht. Am Abend begehen die Freunde den Festakt zu 30 Jahren Städtepartnerschaft im Vereinshaus gemeinsam mit dem Freundeskreis und Cercle d'Amis.
Am Samstag steht "für unsere französischen Freunde", so die Französin Rosa Abel, ein Ausflug nach Würzburg an. Einige Gäste werden am Abend das Fest zum 150. Jubiläum der Feuerwehr besuchen. Am Sonntagmorgen ist dann der Abschied gekommen.
Die Begründer der Partnerschaft waren 1988 die Bürgermeister Hans Ort und Pierre Brasselet. Der überzeugte Europäer aus Sainte Luce war erst wenige Wochen vor der 20-Jahr-Feier 2008 gestorben.