Ein "Signal setzten" für die Landratswahl 2014 wollte der Kreisverband der Freien Wähler, als er am Donnerstagabend in Eschenau seinen Kandidaten nominierte. Alle 51 stimmberechtigten Mitglieder stellten sich hinter den vom Kreisvorstand vorgeschlagenen Martin Oberle und quittierten dessen Vorstellung mit lang anhaltendem, stehenden Applaus.

"Ich bin überwältigt", war der erste Kommentar des frisch nominierten Kandidaten und Quereinsteigers in die Kommunalpolitik, als Kreisvorsitzende Irene Häusler das in geheimer Abstimmung ermittelte Ergebnis bekanntgab.

Gerald Brehm, FW-Fraktionssprecher im Kreistag und Höchstadter Bürgermeister, hatte Oberle ins Rennen gebracht und erklärte der Versammlung, die Freien Wähler würden nicht bei der Landratswahl antreten, um Zweiter zu werden - "höchstens im ersten Wahlgang".

Brehm sieht die Freien Wähler als "die kommunalpolitische Kraft im Landkreis Erlangen-Höchstadt", das Herz der Freien Wähler schlage in der Kommunalpolitik. Dafür sei Martin Oberle genau der richtige, auch wenn er nicht als Politiker geboren wurde. Er komme aber aus der Verwaltung, könne repräsentieren und werde Politik von Menschen für Menschen machen.

In seiner Antrittsrede vor der Nominierung hatte Martin Oberle die versammelten Freien Wähler schnell davon überzeugt, dass er für den Kampf um den Chefposten im Landratsamt bereit sei. "Im Innersten habe ich schon länger mit einem politischen Engagement geliebäugelt", sagte der Kandidat. Als "Quereinsteiger mit Verstand und Offenheit" sieht er seinen Platz bei den Freien Wählern genau richtig.

Familie steht zur Kandidatur

Zur Wahrung der Neutralität in seiner Dienststelle sei er bisher nicht politisch aktiv gewesen. Doch jetzt stelle er sich mit ganzem Herzen der Aufgabe, in die Landratswahl zu ziehen. Dabei könne er auf die Unterstützung der Familie bauen, versicherte Lebensgefährtin Shanti Ray-Voigt, die als Rechtsanwältin in Forchheim arbeitet.
Martin Oberle versprach, in den kommenden Wochen alle Ortsverbände zu besuchen. Er sei auch in allen Teilen des Landkreises bereit zu Podiumsdiskussionen mit seinen Gegenkandidaten.

Als zweites von fünf Kindern ist Oberle auf dem elterlichen Hof in Kosbach - damals noch Landkreis Höchstadt - aufgewachsen. Neben Land- und Forst- lag der Schwerpunkt auf der Teichwirtschaft. Nach Abitur, Studium und ersten Stationen ging es zur Promotion zurück an die Uni. Oberle: "Das war zum Glück handfeste naturwissenschaftliche Arbeit und ich konnte dabei von niemandem abschreiben."

Seit vier Jahren lebt er mit seiner Patchwork-Familie im eigenen Haus an einem 600 Jahre alten Karpfenteich in Kieferndorf. 16 Jahre leitet er die Höchstadter Außenstelle, betreibt praxisnahe Forschung, berät Betriebe und Politik, bildet Menschen aus und hat einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Weihenstephan/Triesdorf.

"Jetzt möchte ich Landrat werden", kündigt Oberle an. Als solcher trachte er nach einem ausgewogenen Haushalt, will die Kreisumlage unter 50 Punkten halten und sich dafür einsetzen, dass es den Bürgern möglichst gut geht. Sichere Arbeitsplätze, ein unternehmerfreundliches Umfeld, flexibles und schnelles Handeln der Verwaltung in Genehmigungsverfahren und niedrige bürokratische Hürden seinen weitere seiner Ziele.

Straßen und Fahrradwege möchte er ausbauen; die Stadt-Umland-Bahn nur, wenn sie mit 90 Prozent bezuschusst wird, wie andere Projekte in Bayerns Metropolen. Busverkehr optimieren, Schulen ausbauen, Krankenhaus erhalten, Regionalvermarktung stärken und Tourismus beleben, hat sich Martin Oberle ebenfalls vorgenommen.