Frauen sagen manchmal ja und meinen nein. Das verwirrt viele Männer. Sie können die Gefühlslagen ihrer Partnerin häufig nicht richtig einschätzen. Dafür gibt es nun eine Lösung. Das Fraunhofer Institut entwickelte eine Software für die Datenbrille "Google Glass", die erkennt, in welcher Stimmung sich das Gegenüber gerade befindet. Die neue Software mit dem Namen "Shore" ist jedoch nicht für weniger empathische Ehemänner, als viel mehr für Menschen mit autistischen Erkrankungen gedacht. Die haben nämlich tatsächlich oft große Schwierigkeiten damit, die Emotionen anderer zu erkennen. Dabei hilft nun das besagte Programm.

Was "Shore" kann


Es ist im Stande vier verschiedene Stimmungen zu deuten: wütend, fröhlich, traurig und überrascht. Mit Hilfe der in der Datenbrille integrierten Kamera analysiert das Programm den jeweiligen Gesichtsausdruck. Die Auswertung wird dann im Gesichtsfeld angezeigt. Das geschieht in Echtzeit, was bedeutet, dass sich die Software ständig auf Veränderungen der Physiognomie einstellt. Aber bringt das die Patienten nicht eher durcheinander? "Diese Möglichkeit besteht natürlich", sagt Jens Garbas, Gruppenleiter für intelligente Systeme am Fraunhofer Institut. Gefühle seien aber generell verwirrend und gingen zuweilen fließend ineinander über.

Erst der Anfang

Zur Zeit arbeite man an einer Valenzerkennung, die sich darauf beschränken soll, eine positive oder negative Tendenz aufzuzeigen. Zusätzlich zur Gefühlserkennung schätzt das Programm anhand der empfangenen Daten das Alter der "Zielpersonen" und erkennt das jeweilige Geschlecht. Das Alter kann bis auf sechs Jahre genau bestimmt werden. Die Erfolgsquote bei der Geschlechtsbestimmung liegt etwa bei 94 Prozent. Die Entwicklung befindet sich allerdings noch in der Anfangsphase. "Wir sind beileibe nicht am Ende der Forschungen", erklärt Garbas, "der Spaß fängt gerade erst an." Auch die Benutzeroberfläche sei noch nicht der letzte Schluss. Für das endgültige Design ist das Institut jedoch nicht zuständig.

Werbe-Branche profitiert


Unabhängig von der Datenbrille ist die Software unter anderem für die Anwendung in der Marktforschung vorgesehen. "Das ist ein wichtiger Treiber in der Entwicklung und wird teilweise schon angewandt", so Garbas. Die erfassten Daten durch "Shore" seien ein Indikator dafür, wie gut oder schlecht eine Werbung gefällt. Zum Beispiel würden freiwilligen Testpersonen Werbefilme gezeigt und deren Gefühls-Reaktionen untersucht. Hier sei die Echtzeit-Erkennung ein großer Vorteil. Denn so entfielen Indikatoren, welche das Ergebnis verfälschen könnten. Zum Beispiel die Sympathie zu einer Person, welche die Testpersonen befragt.

Hier finden sie weitere Informationen zu "Shore".

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