Zwischen Suppe und Karpfen musste erst mal das Karpfenlied sowie das Landkreislied gesungen werden, erst dann durften die leckeren "Frankenkarpfen" im Gasthaus Schuh serviert werden. Eigentlich ist es fast wie Wasser in die Aurach schütten, wenn Gast- und Teichwirte mit Fachleuten über Karpfen sprechen. Die Zusammenkunft in Dondörflein, in deren Mittelpunkt natürlich der Karpfen stand, zu der Landrat Eberhard Irlinger (SPD) einlud, hatte aber schon einen ernsteren Hintergrund.

Neben den Referenten hatten sich eine Reihe von Gastwirten, deren Spezialität der Karpfen ist, Karpfenzüchter, Bürgermeister German Hacker (SPD) und der ehemalige Präsident des Fischereiverbandes Mittelfranken Christoph Maier im Gasthaus Schuh eingefunden. Besonders begrüßte der Landrat den Doktoranden David Hlavac von der Universität Budweis und die Mitarbeiters des Landratsamtes, die sich täglich mit Natur und Umwelt sowie Fischerei beschäftigen müssen.


40 Prozent der Jahresproduktion aus Mittelfranken



"Wir leben in einem Landkreis der Besonderheiten, durch seine Sonderkulturen und dem gesamten Angebot. All dies macht den Landkreis zu einem Genußlandkreis", gab sich der Landrat sehr stolz. So werden in den acht Monaten Karpfenzeit rund 1,8 Millionen Portionen Karpfen verzehrt, wobei immer mehr ausgefallene und besondere Arten der Zubereitung bei den Gästen immer mehr an Beliebtheit zunehmen. So kommen rund 40 Prozent der Jahresproduktion an Karpfen aus Mittelfranken und dieser wird demnächst als "Frankenkarpfen" vermarktet.

Die Anerkennung bei der Europäischen Union sei bereits abgeschlossen und Friedrich Loscher-Frühwald (Präsident Fischereiverband Mittelfranken) kündigte bei der offiziellen Patentierung ein Fest an. Der Begriff "Frankenkarpfen" stieß nicht bei allen auf Begeisterung, schließlich seien die Leute den "Aischgründer Karpfen", gewöhnt.

"Bei der Antragstellung vor sieben Jahren konnte nicht anders gehandelt werden, schließlich gehöre der Rest Franken auch dazu", begründete Christoph Maier die noch etwas ungewohnte Bezeichnung. Der Aischgründer Karpfen wird aber ebenfalls ein Begriff bleiben, schließlich sei dies ebenfalls beantragt worden, erklärten Martin Oberle, vom Institut für Karpfenteichwirtschaft, und Fischzüchter Walter Jakob.

Etwa 600 Teichwirte im Landkreis, überwiegend im Nebenerwerb, bewirtschaften in dem flachen Tal zwischen Bad Windsheim und Forchheim, eines der größten Fischzuchtgebiete Europas, der hochrückige Aischgründer Spiegelkarpfen wird bereits über 500 Jahre in Franken gezüchtet.

Irlinger sieht gerade bei den Züchtern im Nebenerwerb einen Gewinn für Natur und Umwelt. "Dies ist eine Wirtschaftsform, die gleichzeitig eine wichtige ökologische Funktion übernimmt, großräumige Biotope vernetzt und wirkt einer Versiegelung der Landschaft entgegen. Gleichzeitig wird Wasser in einer sehr niederschlagsarmen Region zurückgehalten, was die Grundwasserbildung positiv beeinflusst und zusätzlich auch das Kleinklima verbessert. Darüber hinaus bieten die Teiche Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.

Sowohl aus den Worten von Irlinger, aber auch aus den Vorträgen der Referenten waren Sorgen herauszuhören. Durch die enorme Zunahme der Bürokratie, die in Brüssel fabriziert wird, haben die Teichlandwirte Zukunftssorgen. So wird wohl eine Reihe von Betrieben, wegen fehlender Nachfolger, in den nächsten Jahren aufhören. Einen Lichtblick sehen Loscher-Frühwald, Martin Oberle und Walter Jakob aber auch. "Durch die zurückliegenden Lebensmittelskandale hat sich auch das Bewusstsein der Verbraucher geändert", erklären sie unisono.

So wollen sich die Leute bewusster ernähren und legen immer mehr Wert auf saisonale und regionale Produkte. "Unser Karpfen sind Bio - also gesund", meinte Martin Oberle und appellierte an die Züchter, die Nebenfische nicht zu vergessen. "Die Schleie ist ein sehr schmackhafter Fisch und von den Speisekarten nahezu verschwunden", bedauerte Oberle. Auch die zu niedrigen Marktpreise wurden beklagt, nach Aussage von Oberle, die niedrigsten in Europa, trotz einer sehr hohen Qualität.

Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass Züchter ihre Karpfen unter Preis verkaufen nur, um sie rechtzeitig los und die Weiher leer zu haben. Der Falkendorfer Teichwirt Lorenz Jordan hat sich, um die Karpfen stets liefern zu können, große Hälterungen gebaut. Trotzdem ist Jordan über die erzielten Erzeugerpreise nicht sehr glücklich, dies betreffe im Grunde alle Agrarprodukte. Über die Preisgestaltung gingen die Meinungen dann doch etwas auseinander. Jürgen Key von den "Drei Linden" aus Kalchreuth erteilte den Verkaufspreis zwischen acht und neun Euro für einen mittleren Karpfen eine Absage. "In unserem Haus kommt beste Qualität auf den Tisch und da kostet eben so ein Karpfen zwischen elf und zwölf Euro", erklärte der Gastwirt, der damit auch erklärte, dass er damit auch seinen Lieferanten einen besseren Preis zahlen könne.

In einem waren sich alle einig, die Teichlandschaft soll noch stärker touristisch erschlossen werden, wobei Irlinger sehr viel Lob mitnehmen konnte. "Es gibt keinen Landkreis in Mittelfranken, in dem sich ein Landrat so für die Teichwirtschaft einsetzt, wie Landrat Irlinger im Landkreis Erlangen-Höchstadt", erklärte Loscher -Frühwald unter Beifall.