Georg Dengler ist zufrieden. "Neun Zentner Karpfen, das ist für den Weiher enorm." Der 77-Jährige grinst. "Was der genau bringt, weiß ich gar nicht." Karpfenzucht ist eben mehr als "nur" ein Wirtschaftsunternehmen - es ist Leidenschaft, die von den Karpfenbauern ausgelebt wird.

Diese Leidenschaft springt schnell über. Der siebenjährige Felix war erstmals beim Abfischen eines Karpfenweihers dabei. Da wird nicht lange diskutiert, ob "man mal zuschauen darf". Da wird der Käscher gleich in die Hand gedrückt und der Hinweis gegeben: "Probier's halt aus!" Gut, die "Profis" haben mit einem Korb gleich zehn der prächtigen Fische eingelesen. Bei Felix sind es knapp vier, was dennoch einem guten Kilogramm entspricht. Der Bruder des Weiherbesitzers, Stefan Dengler, erklärt, dass diese Karpfenideal sind. "250 Gramm - nicht zu groß, nicht zu klein - das passt."

Es ist ein Knochenjob, den Georg Dengler dort absolviert. Das einfachste sei noch, die Helfer zu finden. Es geht wieder um das Thema "Leidenschaft". Doch die knappe Stunde, in der die Tiere gefangen werden, umgesetzt zum Entschlammen, abgewogen und verkauft, ist eine harte Stunde - körperlich. Es wird wenig geredet, es wird gearbeitet.

Ab und zu erschallt der Hinweis, wo im Schlamm noch ein Karpfen liegt. Oder, dass einer der fischfressenden Vögel zu dreist ist.

Günter Dengler, der Neffe des Weiherchefs, ist seit Jahren dabei. Er grinst zu Felix hinüber. "So bin ich auch dazu gekommen." Er erklärt aber auch, dass die ersten Fänge die schwierigeren Unternehmungen sind. "Wenn es warm ist, ist der Karpfen sehr agil." Später im Jahr, Oktober und November, ist es zwar kälter, aber genau das macht den Fisch auch unbeweglicher. Die Männer im Weiher sind von oben bis unten mit Schlamm bespritzt, Felix ist keine Ausnahme.

Ungewohntes Bild für viele Städter

Vorbeifahrende Städter schauen skeptisch auf den Fang und die lebenden Karpfen. Die Männer wissen, dass so mancher Betrachter mit dem Bild nichts anfangen kann. "Früher haben uns die Kinder mit dem Kindergarten und der Schule besucht. Heute wollen das die Betreuer nicht mehr, da das hier alles grausam sei", erzählen die Fischbauern.

Die Alten sagen, dass es dazugehört. "Wir wachsen hier alle auf. Hier sind überall Weiher." Und spätestens wenn der Karpfen gebacken auf dem Teller liegt, finden die meisten Menschen nichts mehr dabei. "Die sollten sich mal überlegen, wo die Tiere herkommen", sagt Dengler. "Aus der Tiefkühltruhe", schallt es vom Weiher herauf auf den Damm. Gelächter.

Wenn die Karpfen erst einmal umgesetzt sind, wird kurz entspannt. Lediglich der Chef, Georg Dengler, mag sich bei der gemeinsamen Brotzeit nicht richtig entspannen, es steht noch der Verkauf an. Die anderen loben den Hendls-Konrad, der gerne als der wichtigste Mann am Ort bezeichnet wird - er organisiert die Brotzeit.
"Nur am Essen", schimpft Norbert Ratzka, "arbeiten sollt ihr!" Die Gruppe grinst den Käufer der rund neun Zentner Fisch an. Abwiegen, prüfen, kleine Karpfen zurück ins Wasser - Ratzka möchte nur den besten Fisch weitergeben. Er hält die Verbindung zwischen den Endabnehmern und den Fischwirten. Ein Fisch-Makler sozusagen.

Der ist auch zufrieden, findet lobende Worte für den Nachwuchs. "Felix, aus dir wird was!" Der wiederum beschäftigt sich immer noch mit den Karpfen und fragt brav nach: "Darf ich einen mit nach Hause nehmen für die Badewanne?" Und in den Augen blitzt es ein wenig. Es könnte die Leidenschaft sein.