Wann liegt eine Kindeswohlgefährdung vor? Spielt dabei nur die körperliche Verfassung der Kinder eine Rolle oder auch der seelische Zustand?

Petra Schuster: Gefährdet sein kann das körperliche, geistige und seelische Wohl des Kindes. Im übrigen auch sein Vermögen. Auch eine emotionale Vernachlässigung eines Kindes führt zur Kindeswohlgefährdung. Wenn die Eltern nicht willens oder in der Lage sind, Abhilfe zu schaffen, ist das Familiengericht berufen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Welche Möglichkeiten gibt es für die Behörden, bei einer Kindeswohlgefährdung einzugreifen?

Petra Schuster: Das Familiengericht bekommt in der Regel durch die Jugendämter Kenntnis vom Handlungsbedarf. Die Mitarbeiter des Jugendamtes müssen zunächst situativ entscheiden. Ist das Kindeswohl akut gefährdet, zum Beispiel bei körperlicher Misshandlung oder Erkrankung, muss das Kind sofort aus der Familie heraus genommen werden und in eine Pflegefamilie gegeben werden. Liegt keine akute Gefährdung vor, muss mit weniger eingreifenden Maßnahmen gearbeitet werden. Es kann zum Beispiel eine Erziehungsberatung, eine Erziehungsbeistandschaft oder eine sozialpädagogische Erziehungshilfe angeboten bzw. beigeordnet werden. In der Regel werden solche Maßnahmen von einem Hilfeplan begleitet. Die Behörden verabreden Zwischenziele mit den Betroffenen und der Familienhelferin und überwachen die Umsetzung im Alltag der Kinder.

Wer entscheidet letztendlich aufgrund von wem ermittelter Fakten?

Petra Schuster: Jede Maßnahme, die nicht mit der betroffenen Familie verabredet werden kann, muss vom Familiengericht entschieden werden. Das Familiengericht bekommt dann Kenntnis vom Sachverhalt durch Antragstellung seitens der betroffenen Familie oder eher vom Landratsamt und muss in einem ganz normalen gerichtlichen Verfahren abwägen, wie dem Kindeswohl am besten gedient ist. Bei drohendem Verlust des Sorgerechts für ein Kind wird das Familiengericht nicht um die Einholung eines Sachverständigengutachtens herum kommen.