Die Gemeinde wisse wohl, "was los ist", meint Michael Klar. Das bedeutet, die evangelischen Christen Lonnerstadts wüssten, weshalb der Vertrauensmann im Kirchenvorstand von Lonnerstadt vorerst alle seine Ehrenämter niedergelegt habe, beziehungsweise sie erst einmal ruhen lasse. Seine Entscheidung hat Klar durch einen offenen Brief im Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft öffentlich gemacht.

Er könne die Art und Weise, wie die Kirchengemeinde "von hauptamtlicher Seite" geführt werde, derzeit nicht weiter unterstützen, schreibt er. Was im Klartext bedeutet, dass Klar Probleme mit Pfarrer Martin Müller hat. Den zuständigen Dekan in Bamberg, Hans Martin Lechner, und das Kirchenvors tandsgremium hat Klar bereits über seinen Schritt informiert.

Details der Dissonanzen will Klar am Telefon nicht preisgeben. Er spricht allerdings von einem Informationsdefizit dadurch, dass der Pfarrer ihm Informationen gar nicht oder zu spät zukommen lassen habe. Dass es im Oktober einen Konflikt "im Umfeld der Jugendarbeit" gegeben hat, verschweigen sowohl Pfarrer Müller als auch Michael Klar nicht.


Auslöser der Unstimmigkeiten

Nach Meinung des Pfarrers war das überhaupt der Auslöser der Unstimmigkeiten. Er und seine Frau hätten versucht, zu vermitteln, erklärt der Pfarrer. Was jedoch gescheitert sei.

Michael Klar scheint hingegen enttäuscht darüber, "wie von kirchlicher Seite mit dieser Angelegenheit umgegangen wurde". Der 45-jährige Unternehmer Klar engagiert sich seit vielen Jahren intensiv in der Jugendarbeit, die er in Lonnerstadt zusammen mit einer Jugendreferentin geleitet hat. Nach eigener Schätzung wandte Klar wöchentlich mehr als zehn Stunden für die ehrenamtliche Arbeit im Kirchenvorstand, in der Jugendarbeit und für Jugendfreizeiten auf.

"Ich will eine Arbeit machen, bei der es um den Menschen geht", sagt Klar. Und diese solle man aus dem christlichen Aspekt und nicht politisch sehen, "andernfalls kann ich auch gleich in die Politik gehen".

In den letzten zehn Jahren hätten immer mehr Ehrenamtliche ihre Arbeit niedergelegt oder auf ein Minimum reduziert, schreibt Klar. Bei der Wahl des Kirchenvorstands 2012 hätten - bis auf drei - alle Mitglieder nicht mehr kandidiert.

Zwischendrin sei noch ein Kirchenpfleger zurückgetreten.

In der Vergangenheit sei jedoch vieles unter den Tisch gekehrt worden. Dabei sei das Ehrenamt das "Rückgrat der kirchlichen Arbeit".

Ohne dieses Engagement sei die Kirche nicht denkbar und nicht finanzierbar. "Wir hatten immer eine gute Zusammenarbeit, ja sogar einen ziemlich kurzen Draht zueinander", sagt hingegen Pfarrer Müller im Telefongespräch. Er sei Klar für seine konstruktive Zusammenarbeit dankbar.

Die Kritik, den Kirchenvorstand und Vertrauensmann nicht informiert zu haben, weist Müller zurück: In diesem Punkt sei es um Dinge gegangen, bei denen Klar als "persönlich betroffen" anzusehen gewesen sei, weshalb er "kirchengesetzlich" habe ausgeschlossen werden müssen. Als "Betroffener" könne er sich nicht auf sein Amt berufen, erklärt Müller. Sehr verschieden sind die Meinungen von Michael Klar und Pfarrer Müller, was die Gemeinde anbelangt.

Klar sorgt sich um die immer leerer werdende Kirche. Pfarrer Müller hat hingegen veröffentlicht, die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter sei gegenüber dem Vorjahr sogar gestiegen.

"Ja, es gibt dort einen Konflikt zwischen Herrn Klar und Pfarrer Müller, der im offenen Brief auch angesprochen ist", bestätigte inzwischen Dekan Lechner. Dieser Konflikt werde mit professioneller Begleitung in einer Mediation aufgearbeitet. "Im Übrigen kann ich zu dem Konflikt nichts weiter sagen, da es sich dabei auch um Personalangelegenheiten handelt", erklärte Lechner.

Der Dekan betont aber auch, "dass das Pfarrersehepaar Müller/Rakutt nach meiner Einschätzung grundsätzlich eine gute Gemeindearbeit leistet und dass mir über den erwähnten Konflikt hinaus keinerlei aktuelle und konkrete Beschwerden über das Pfarrersehepaar vorliegen".