Als ein "gefährliches Werkzeug" bezeichnete Richter Hagen Förster den Fußballschuh, mit dem ein 32-Jähriger einem Gegenspieler ins Gesicht getreten hatte. Für diese Tat musste sich der Erlanger deshalb vor Gericht verantworten.

Im November vergangenen Jahres kam es auf dem Gelände der Spielvereinigung Erlangen zu Tumulten unmittelbar nach dem Ende des Spiels, da Spieler beider Mannschaften aneinander gerieten. Abseits vom Rasen soll der Angeklagte einem Gegenspieler im Zuge der Rangelei absichtlich ins Gesicht getreten haben. Da der 32-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch Fußballschuhe mit Hartplastikstollen trug, erlitt der geschädigte Gegenspieler Verletzungen und Schürfungen auf der rechten Gesichtshälfte sowie im Mund.

Aufgeheizte Stimmung

Bereits im Vorfeld seien während des Spiels andauernde beleidigende Worte gegen ihn geäußert worden, wie das Opfer aussagte. Die Stimmung sei somit schon aufgeheizt gewesen, als es nach Abpfiff zu einer Rangelei unter einem Teil der Spieler gekommen war. Nach eigener Aussage wollte das Opfer helfen, die Situation zu deeskalieren, als er vom Angeklagten mit dem Tritt verletzt wurde.

Wie sich der Vorfall im Detail abgespielt hatte, konnte zwar nicht mit voller Klarheit festgestellt werden. So ist unklar, ob der Angeklagte aus dem Stand zugetreten oder in "Kung-Fu-Manie", wie der Verteidiger es bezeichnete, ausgeholt hatte. Hier relativierte Richter Förster aber, dass dies einem solchen Tumult mit mehreren Beteiligten geschuldet sei.

Der Angeklagte räumte den Sachverhalt dann mit großem Bedauern auch ein. Er wurde deshalb zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt, die Bewährungszeit beläuft sich auf fünf Jahre.

Fußball als aggressive Sportart

Als eine Sportart, die "irrationale Emotionen" nur befördere, bezeichnete der Verteidiger den Fußball. Das wirke sich insofern ungünstig für den Angeklagten aus, da dieser bereits mehrere Vorstrafen aufzuweisen hatte. "Ich rate Ihnen zu einer anderen Sportart", so der Verteidiger.

Diese Eigenart des Fußballs floss anschließend ebenfalls in die Urteilsentscheidung mit ein. "Ein Tumult entsteht nicht aus heiterem Himmel", räumte Richter Förster ein.

Trotzdem sei die Körperverletzung eine gefährliche, da die Gefährdung des Opfers sehr hoch gewesen sei, so Förster. Nur dem Zufall sei es zu verdanken gewesen, dass dem Spieler aus der gegnerischen Mannschaft nicht mehr passiert sei. "Er hätte sich nur einmal anders bewegen müssen und Sie hätten es nicht mehr in der Hand gehabt", mahnte Förster den Angeklagten in Bezug auf die äußeren Verletzungen des Opfers.

Im Rahmen der Verhandlung erkundigte sich der Verteidiger des Angeklagten zudem, ob Beleidigungen während eines Spieles gang und gäbe seien. "Mittlerweile ist es in der Amateurliga echt schlimm", äußerte sich dazu ein Zeuge.