Ministertreffen über der Autobahn: Auf einer Brücke über die A 73 in Erlangen hat Innenminister Joachim Herrmann kürzlich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (beide CSU) die Pläne für einen "Deckel" über den Frankenschnellweg in seiner Heimatstadt vorgestellt. "Wir müssen neue Wege gehen und prüfen, wie eine Einhausung ermöglicht werden kann", erklärte Herrmann.

Christian Lehrmann, CSU-Ortsvorsitzender des Erlanger Stadtteil Bruck, ist bei dem "Gipfel-Treffen" über der Autobahn dabei gewesen. Lehrmann freut sich, dass sich der Bundesverkehrsminister die Problematik angeschaut hat. "Freudensprünge hat Scheuer nicht gemacht. Aber zumindest hat er nicht gesagt: Leute, das könnt ihr sofort vergessen", erklärt Lehrmann auf Anfrage dieses Medienhauses.

Vor dem Hintergrund der immensen Kosten einer Einhausung der A 73 im Stadtgebiet der Universitäts- und Siemensstadt Erlangen in Höhe von rund 350 Millionen Euro sei der Verkehrsminister freilich im Hinblick auf eine rasche Realisierung realistischerweise "sehr zurückhaltend" geblieben. "Noch stehen wir ganz hinten auf der Liste", sagt Lehrmann im Hinblick auf den Projekt-Status der Erlanger Einhausung im Bundesverkehrswegeplan.

"Wir müssen kämpfen, um weiter nach vorne zu kommen", sagt Lehrmann und bringt den Konflikt zwischen Frankenschnellweg und Hugenottenstadt auf einen Punkt. "Der Frankenschnellweg teilt Erlangen in zwei Hälften", betont Lehrmann und verweist darauf, dass sich Innenminister Joachim Herrmann bereits vor 30 Jahren als Erlanger Stadtrat für den Bau eines Deckels über die A 73 eingesetzt habe. Leider sei dieser Vorschlag damals an den zu hohen Kosten gescheitert. Vor einen Jahr hat Herrmann das Thema wieder auf die Tagesordnung gebracht.

Eine "grüne Brücke"

Die Stadträte sind sofort aus dem Häuschen gewesen. Diese Vorstellung von einer rosigen wie ruhigeren Zukunft soll die Erlanger regelrecht in Euphorie versetzt haben.Von einem "Deckel über der Autobahn" träumen sie rund um den Hugenottenplatz schließlich schon seit drei Jahrzehnten. Die Teerdecke über dem Frankenschnellweg könnte nicht nur als "Lärmstöpsel", sondern auch als "grüne Brücke" fungieren. Die "zerschnittene Stadt", so die Hoffnung, könnte wieder zusammenwachsen.

Hintergrund ist nicht nur der wachsende Verkehr. Ausschlaggebend dürften auch die Bauarbeiten des Siemens-Konzerns an der neuen Firmenzentrale sein. Schon heute sei der Verkehr in Erlangen auf dem Frankenschnellweg mit dem Verkehr auf dem Mittleren Ring in München vergleichbar, heißt es aus der Erlanger CSU-Zentrale. Deshalb argumentiert der Innenminister nicht nur mit dem Lärmschutz, den ein Deckel sicherlich deutlich verbessern würde.

Herrmann verweist im nächsten Atemzug auf die "Trennwirkung der A73", die mit einem Deckel über der Autobahn überwunden werden könne. Gleichzeitig rückt Herrmann damit die städtebaulichen Aspekte der Einhausung in den Mittelpunkt der Diskussion. Das Kalkül liegt dabei auf der Hand: Wohnungen sind in Erlangen beinahe so teuer wie in München. Grundstücke sind rar gesät. Schon die gescheiterte Bewerbung der Hugenottenstadt zur Landesgartenschau 2024 wollte Wohnprojekte an der Autobahn realisieren.

Derweil hoffen besonders die Erlanger, die wie Christian Lehrmann im Stadtteil Bruck direkt an der Autobahn leben, darauf, dass die Pläne trotz vieler Fragezeichen weiter vorangetrieben werden. "Ich hoffe nicht, dass es noch mal 30 Jahre dauert, bis der Deckel realisiert wird", sagt Christian Lehrmann und bleibt trotzdem realistisch. Vielleicht, so die Hoffnung, dauert es nur 20 Jahre.