Bei den Hemhofer Atelier-Tagen waren ganze sechs Künstler zu Gast - passend zur sechsten Wiederholung der Ausstellung: der Drechsler Andreas Dach, Friedel Neupauer (Skulpturen), Barbara Plank (Keramik), Heike Kowohl-Seiß (Gefilztes), Erwin Koch (Skulpturen) und Mea B. Übler (Schmuck).

"In vielen Gegenständen, die andere entsorgen würden, sehe ich etwas und kann es daraus gestalten."

So erklärt Erwin Koch seinen Ansatz für die Entstehung seiner Skulpturen. Seine bevorzugten Materialien sind Stein, Holz und Metall. "Da war dieser Kiwi-Baum, der nach dem Umpflanzen nicht mehr gedeihen wollte. Sein um einen Metallstab gewachsener Stamm sprach mich an. Als ich den Stamm auf den Kopf stellte, ergab der Wurzelballen eine wunderbar wilde Haarmähne einer schönen Frau", erklärt der Mann mit dem Blick für die einzigartigen Schönheiten des Alltags oder der Natur. Das Gesicht hat er aus einer Metallplatte mit dem Protonenbrenner ausgeschnitten und das Ensemble so zu neuem Leben erweckt.

Wohingegen der Mann von Sabine Nein auf die "Hommage an die Endlichkeit" hinweist.

Ein wunderschön geschliffener und mit Sand gestrahlter gläserner Deckel auf der hölzernen Radnabe eines alten Kutschenrades darf geöffnet werden. "Schauen Sie hinein", lädt er freundlich ein. Der Blick ins Innere offenbart die eigene Person, denn ein Spiegel ist gleich unter dem Deckel angebracht. "Diese Nabe sieht in meinen Augen wie eine Urne aus und ich mag durchaus an meine Endlichkeit erinnert werden. Die Kutschenradnabe steht hier in der Kutschergasse immer am Hauseingang."

Lebensläufe mit Höhen und Tiefen, mit Ereignissen, die intensiv wahrgenommen und verarbeitet werden, sind den Künstlern dieser Ausstellung gemein. Sie leben ihr Leben mit sehr viel Bewusstheit und Hingabe. Entschlossenheit und Ausdrucksstärke spiegeln sich in vielen Werken wieder.

Mea B. Übler, die sich auch schon als Diseuse und Chansonette einen Namen gemacht hat, zeigte in ihrer Ausstellung leuchtende Perlen, die die Sinne des Betrachters in jedem Fall auch tief erreichen. Ihre Musik und Lyrik umschrieb sie mit "Herz und Biss". Für ihre gedrehten Perlen dürfen wohl Attribute wie "strahlende Stärke" oder "wärmendes Glas" gefunden werden.

Barbara Plank stellt Keramik aus.

Das zunächst kühle, harte Material zeigt sich unter ihren Händen geschmeidig und findet in der Vollendung zu runden, harmonischen Formen. Eine erstaunliche Metamorphose.

"Ich bin Wagner-Fan. Die Walküren haben mich in ihren Bann gezogen", erklärt Gerti Koch ihre Hingabe zu dem schier endlosen Themenkomplex aus der zunächst nordischen Mythologie. Denn hier taucht die Walküre als weibliches Geisterwesen aus dem Gefolge des Göttervaters Odin auf. Doch Wagner erfand in seinem Ring des Nibelungen die Walküren als neun Schwestern, allesamt als Töchter des Gottes Wotan mit verschiedenen Müttern. Die Möglichkeit der Schicksalsfügungen und die düsteren Elemente des Todes finden in Gerti Kochs Bildern tiefen Ausdruck.

Farbenfrohe Bilder und Skulpturen zeigen eine andere Seite der lebensfrohen Künstlerin, die gerne lacht und für ihre bunten, leuchtenden Hausschilder weit über Hemhofen hinaus bekannt ist.

"Endlich Sommer", jauchzt Heike Kowohl-Seiß.

"Darum habe ich heute viele Blüten mitgebracht." Erdbeeren, Pflaumen und blumige Leuchter vervollständigen ihr sommerlich Gefilztes. Auch ein täuschend echt aussehender Riesen-Kiesel ist dabei. "Das ist ein Kirschkernkissen und gehört eher zu meinen Arbeiten in der Herbstzeit", erklärt die herzliche Frau aus Adelsdorf.

"Neupauer - Friedel Neupauer", stellt sich die international tätige, Skulpturen schaffende Künstlerin aus Röttenbach vor. "Wenn ich im Englischen als ,Neupower' angesprochen werde, nehme ich das gerne hin", erklärt die weltoffene Frau. "Die Grundidee meiner Skulpturen sind ,Die Paare'. Im Leben ist man doch immer gerne mit jemand zusammen."

Eine Vielzahl von Figuren ziert den Garten von Sabine Nein und es ist spannend, sich in den Details zu verlieren.

"Unwiderstehlich" nennt sie eine kräftige Paardarstellung. "Er ist der Balzende, er findet sich unwiderstehlich. Wie wird sie auf ihn eingehen?"

"Eine Auszeit meines Lebens hat mich zum Drechseln gebracht", erklärt der gelernte Schreinermeister Andreas Dachs. "Was zunächst als ein Prozess des Suchens und Ausprobierens begann, wurde nach meiner Frau und meiner Tochter zur großen Liebe meines Lebens", bekennt der große Mann sehr erfüllt. Ähnlich stellen sich seine Arbeiten dar: Zentriert, ruhig, durchdacht, aber mit Charme und Witz für das Detail. Sei es, dass er eine Schale mit dem Sandstrahler von Sabine Nein behandelt oder eine andere wie einen Schweizer Käse mit Löchern versieht, eine nackte Schönheit platziert und das ganze erst ab 18 Jahren freigibt - immerhin handelt es sich hier um eine "Peepschale".

"In Zwiesel habe ich das Glas-Handwerk gelernt."

Das berichtet Sabine Nein, die seit mittlerweile sechs Jahren im Hemhofen lebt. "Meine Profession der Glasbearbeitung sind das Sandstrahlen und Schleifen. Mit dem Sandstrahler kann ich einzigartige Nuancen in das Glas einarbeiten, Glasschleifen macht es edel." Riesige Bocksbeutel wurden kurzerhand aufgeschnitten und mit Sand mattiert oder anders verfremdet. Beeindruckend stellt sich die Vielzahl der leuchtenden und sich stets dem Tageslicht anpassenden Glasvariationen in ihrem Garten dar. Das Glas wirkt für sich. Gläserne Hühner, Fische, das Einhorn oder "Die schöne Nachbarin" tummeln sich elegant und zeitlos schön in ihrem Garten.

Neben dem künstlerischem Genuss hatten die Ausstellenden auch an die Stärkung des Leibes gedacht. Ihre wildromantischen Gärten luden bei dem Wetter ganz selbstverständlich zum Verweilen ein.

Die Künstler freuen sich über weitere Besucher auch außerhalb dieser Ausstellung und wollen die Atelier-Tage auf alle Fälle zu einer festen Größe in Hemhofen etablieren.