Zuerst hatte Pablo Dibildox noch ein wenig Angst, dass er "spricht wie ein Opa". In seiner Schule in Mexiko lernt er schließlich keine Jugendsprache oder den fränkischen Dialekt. Nach fast fünf Monaten in Deutschland haben sich diese Bedenken gelegt: Seit Ende Januar wohnt der 17 Jahre alte Mexikaner bei seiner Austauschfamilie Kobiela in Weisendorf. Von dort besucht er das Gymnasium in Herzogenaurach.

Auf die Frage, wie das erste Aufeinandertreffen war, antwortet Gastbruder Finn sofort:"Gut". Besonders gefreut hat sich Pablo, als ihn Familie Kobiela am Bahnhof begrüßt hat: mit einer deutschen und einer mexikanischen Flagge haben sie ihn empfangen. "Das war sehr nett", sagt der 17-Jährige, der sehr gut Deutsch spricht.

Vor dem ersten Treffen war die Aufregung natürlich groß, sowohl bei Pablo als auch bei Gastfamilie Kobiela. Mit wem wird man das nächste halbe Jahr zusammen leben, funktioniert alles? Die Neugierde sei groß gewesen. "Es treffen zwei Kulturen aufeinander", sagt Sonja Kobiela.


Schweizer Schule in Mexiko

Pablo besucht in Mexiko eine schweizer Schule, das haben seine Eltern entschieden. Nach Deutschland wollte er deshalb bewusst, um seine Sprache zu verbessern. Außerdem möchte der 17-Jährige in Deutschland Physik studieren.

Sein Austausch hat ihn darin bestärkt: "Ich bin mir jetzt sicher, dass ich hier studieren will", betont Pablo. Das Schulsystem an seiner schweizer Schule sei ähnlich wie das in Deutschland. Er besucht die zehnte Klasse, zwölf Klassen gibt es insgesamt.

Für Pablo, der in der Weltmetropole Mexiko-Stadt lebt, ist Deutschland, besonders das beschauliche Weisendorf, erst einmal eine große Umgewöhnung. "Die Geschäfte sehen nicht aus, wie Geschäfte", findet der 17-Jährige und grinst. Oft erkenne man von außen nicht, ob sich im Inneren des Hauses beispielsweise ein Restaurant befindet. Nürnberg habe ihm gut gefallen. "Es gibt nicht so viele Hochhäuser. Die Altstadt ist schön erhalten."


Jede Familie tickt anders

Das schönste Erlebnis für Pablo: Dass er so schnell Freunde gefunden hat. Und eine Familie, die ihn behandelt, als wäre er ein Teil von ihr. "Das sind richtige Freunde geworden", betont Pablo. Man werde immer in Kontakt bleiben.

Über Whats-App hatten die Kobielas und Pablo schon vor dem ersten Treffen Kontakt miteinander. Schnell haben sie sich aneinander gewöhnt. "Jede Familie hat so ein bisschen ihre eigenen Regeln", sagt Sonja Kobiela. Gemeinsame Mahlzeiten oder eine gewisse Ordnung im Haus - darauf lege die Familie Wert. "Wir wollen uns nicht verstellen", sagt Mirko Kobiela. Dass Jugendliche in diesem Alter andere Dinge lieber machen als Zimmeraufräumen, war für Sonja Kobiela nichts neues: "Da sind alle Jugendlichen auf der Welt gleich", sagt sie und lacht.

Für Sonja und Mirko Kobiela war der Austausch auch ein Wagnis, schließlich tragen sie die Verantwortung für Pablo. Außerdem sehen sie ihren eigenen Sohn Niklas fast ein dreiviertel Jahr nicht. Der ist nämlich seit September bei einer Austauschfamilie in Kanada. "Der Abschied war schon schwer. Klar, auf einmal ist das Kind weg", erzählt Sonja Kobiela. Natürlich haben sie sich für ihren Sohn gefreut und ihn ermutigt, der Austausch sei schließlich eine Chance für ihn. Sonja und Mirko Kobiela lebten selbst vier Jahre lang in Hongkong.

Die Familie hat durch den Austausch auch einiges über sich selbst gelernt. Oder wie es in anderen Familien zugeht: "Wir haben bemerkt, dass wir keine Servietten benutzen", sagt Mirko Kobiela und lacht. Bei Pablo zuhause gebe es die meist am Essenstisch.

Ein Austausch mit dem YFU-Gastfamilienprogramm
Austausch Jährlich kommen rund 550 Austauschschüler aus über 50 Ländern weltweit mit der gemeinnützigen Austauschorganisation Youth For Understanding (YFU) nach Deutschland, um ein Schuljahr lang Land, Leute und die deutsche Sprache kennenzulernen. In dieser Zeit besuchen sie regelmäßig die Schule und leben in Gastfamilien, die die Jugendlichen ehrenamtlich bei sich aufnehmen.

Suche Aktuell sucht YFU weltoffene Familien für über 500 Jugendliche aus der ganzen Welt, die im August und September 2018 nach Deutschland reisen werden. Mehr Informationen gibt es im Internet unter: www.yfu.de/gastfamilien

Die Organisation YFU organisiert Jugendaustauschprogramme weltweit. Seit der Gründung im Jahr 1957 haben insgesamt rund 60.000 Jugendliche und 20.000 Gastfamilien in Deutschland an den Austauschprogrammen teilgenommen. YFU ist ein gemeinnütziger Verein und als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. fr