Der britische Komponist Karl Jenkins hat mit seinem "Requiem" der Totenmesse ein Stück der Schwere genommen und sie neu interpretiert. Der Cäcilia-Chor aus Großenseebach und Viva Musica Neunkirchen am Brand sowie das Claus-Raumberger-Ensemble gestalteten in der Kirche St. Michael in Großenseebach einen unvergesslichen und faszinierenden Konzertabend. Das Requiem von Jenkins ist wahrlich keine Kleinigkeit. Mit großer Empathie, exakten Einsätzen und ausgefeilter Technik führten Chor und Orchester die Zuhörer durch das Konzert.
"Das moderne und besondere Requiem soll einladen, sich Gedanken über den Tod und vor allem über das Leben zu machen, und in Verbindung mit Klezmer möchten wir dieses Konzert als Ruf des Friedens verstehen", erklärte Ortrud Günther in ihrer Einführung.
Auf den eindrucksvollen und bewegenden Abend in der Kirche stimmte das Claus-Raumberger-Ensemble ein. Die Klezmermusik, die in der Tradition jüdischer Musik steht, soll die Verbundenheit von Christen mit Menschen jüdischen Glaubens betonen. In Erinnerung an die "Reichskristallnacht" 1938 spielte das fünfköpfige Ensemble hauptsächlich jiddische Instrumentalstücke auf Akkordeon, Blas- sowie Streichinstrumenten. Besonders berührend war das von Solistin Juliane Ossadnik einfühlsam vorgetragene Stück "Shtiler, Shtiler" (Ruhig, Ruhig) - das im Warschauer Ghetto entstanden und heute eines der meistgesungenen Lieder am Holocaust-Gedenktag ist. Das Ensemble spielt ausschließlich eigene Arrangements, zum Teil stammen die Stücke aus historischen Quellen und seien selbst notiert, erläuterte Claus Raumberger, der auch das Vorkonzert moderierte.

Japanische Haikus eingestreut

Danach füllte sich der Chorraum mit rund hundert Mitwirkenden des Cäcilia-Chors aus Großenseebach und von Viva Musica aus Neunkirchen am Brand. Unter der Leitung des Musikdirektors Udo Reinhart interpretierten die Sängerinnen und Sänger das Requiem von Karl Jenkins. Die Aufführung wurde durch namhafte Musiker begleitet. Als instrumentale Unterstützung wirkten zudem ein Streicherensemble und Beate Roux am Klavier mit.
Jenkins hat in den traditionellen Text des Requiems fünf klassische japanische Haikus eingefügt, Gedichte mit besonderen Form-Merkmalen. Sie werden musikalisch mit fernöstlichen Melodien interpretiert und können als Auseinandersetzung mit dem Tod verstanden werden. Durch die Fremdartigkeit sowohl des Textes als auch der Musik laden sie dazu ein, die geäußerten Gedanken nachzuvollziehen.
Dem Chor gelang unter seinem routinierten Leiter Udo Reinhart, die oft hohen Gesänge, sogar in japanischer Sprache, sehr gut wiederzugeben. Dabei hatten auch die Musiker eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, nämlich lange und hohe Partien zu spielen.
Der lang anhaltende Applaus in der Kirche St. Michael würdigte sowohl das Können des Chores als auch die hervorragende Leitung und die virtuose Leistung der Musiker.