Sechs Mädchenhände, die ihn alle auf einmal eifrig streichelten und kraulten: Das musste Monty, ein einjähriger Pudelrüde, nicht nur geduldig über sich ergehen lassen, sondern er durfte keinerlei Anzeichen von Ärger zeigen, weder seine Zähne fletschen noch knurren. Das war ein Teil von Montys Hundeprüfung, die er erfolgreich absolvieren musste, bevor er die Kenndecke tragen darf, die ihn als einen Behindertenbegleithund ausweist.
Die theoretische Prüfung legte sein Frauchen Cordelia Varnholt aus Hemhofen bereits vor einigen Tagen ab. Hier ging es in der Hauptsache darum, dass die Hundehalterin ihr Wissen über den Hund und dessen Befindlichkeiten, über die Kommunikation mit ihm, über die Möglichkeiten zur Ersten Hilfe beim Hund, die korrekte Fütterung und vieles mehr unter Beweis stellte.

Montys praktische Prüfung zeigte, dass er unbekannte Situationen mit Bravour meisterte: Ob sein Frauchen angepöbelt wurde, er von einem torkelnden Mann am Hinterbein berührt oder von einer fremden Person durch einen Raum mit vielen unbekannten alten Menschen geführt wurde: Immer benahm er sich so, wie es von ihm erwartet wurde.

Die Ausbildung und die Prüfung von Monty erfolgte nach den Richtlinien, die durch den Deutschen Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde erarbeitet und vorgegeben wurden. Ein Hund, der Behinderte begleiten und bei Therapien helfen soll, darf sich weder provozieren lassen noch zu ängstlich sein. Stattdessen soll der Hund erkennen, was der behinderte Mensch braucht.

Sind dessen Hände beispielsweise verkrampft, dann leckt der Hund diese, und die Verkrampfung löst sich so schneller, als es durch eine menschliche Berührung geschehen könnte, erzählt Cordelia Varnholt. Ahiraque auf der Mauern, die Hundetrainerin, bei der Monty seine Ausbildung bekam, bestätigt, dass dieses Phänomen zwar korrekt nachgewiesen wurde, jedoch könne niemand erklären, warum es funktioniere.

Reagiert auf Schadstoffe

Nach bestandener Prüfung bekam Monty seine Kenndecke überreicht. Damit darf der einjährige Rüde überall dorthin mit, wohin auch Cordelia Varnholt geht. Das ist deswegen wichtig, weil die Hemhofenerin eine sogenannte Umweltpatientin ist und stark auf Schadstoffe reagiert, die in Häusern vorkommen können, wie beispielsweise Formaldehyd oder Schimmelpilze.

Was auf Außenstehende wie putzige Kunststückchen wirken mag, wie beispielsweise das Bringen der Schuhe oder eines Taschentuches, ist für Cordelia Varnholt eine wirkliche Erleichterung im Leben. Denn neben den Umweltunverträglichkeiten macht ihr eine Fibromyalgie das Leben schwer, und Monty ist sozusagen ihr verlängerter Arm, wenn sie sich vor Schmerzen kaum noch bewegen kann.

Monty darf jetzt überall dort mit hinein, wo Hunde üblicherweise draußen bleiben müssen, wie beispielsweise in Behörden, Schulen oder zu Therapien. Seine Ausbildung ist allerdings noch lange nicht beendet: Jetzt muss er lernen, mit seiner feinen Nase die Schadstoffe zu riechen, einen nach dem anderen.