Ulrich Berger könnte längst im verdienten Ruhestand sein, auf Reisen gehen, seinen Garten pflegen, Biergärten besuchen und dabei auf seine erfolgreiche berufliche Laufbahn zurückblicken. Nein, das macht er nicht, stattdessen engagiert er sich ehrenamtlich mit großem Zeit- und Kraftaufwand für eine bessere Welt und für ein friedliches Miteinander. "Die 40-Stunden-Woche ist für mich normal", erzählt der Höchstadter, der die Altersgrenze von 70 schon seit einiger Zeit überschritten hat und jetzt nochmal, wie er sagt, "in die Vollen tritt", und das alles ohne Gehalt oder Lohn.

Aktuell übernimmt Berger als Governor die offizielle Leitung von insgesamt 66 Rotary-Clubs in Unter-, Mittel-, Oberfranken und Thüringen, die im Distrikt 1950 zusammengefasst sind. 3000 Mitglieder, die wöchentlich zusammenkommen, zählen die Clubs. In der Region gibt es Clubs in Höchstadt, Neustadt, Herzogenaurach, Uffenheim, Rothenburg, Bamberg und Forchheim. Innerhalb eines Jahres wird Berger alle Clubs besucht, seine Pläne vorgestellt und mit ihnen Zielvereinbarungen abgeschlossen haben - eine Mammutaufgabe, die sich der rüstige Franke gestellt hat. Hinzu kommen Veranstaltungen, Schulungen und Empfänge sowohl auf regionaler, nationaler als auch internationaler Ebene. Schließlich leistet Rotary weltweit Hilfe im Kampf gegen Armut, Unterdrückung und Krankheiten und setzt sich für nachhaltige Projekte ein, damit sich die Lebenssituationen vieler notleidender Menschen verbessert, heißt es in einer Pressemitteilung des Aischgründer Clubs.


Ein Finanzprofi

Das alles muss geplant, koordiniert und schließlich auch zum Laufen gebracht werden und dafür hat Ulrich Berger nun die Verantwortung im fränkisch-thüringischen Gebiet übernommen. Seit 35 Jahren ist Berger aktives Mitglied im Aischgründer Serviceclub, hat bei Clubneugründungen entscheidend mitgeholfen und mehrere Hilfsprojekte initiiert und erfolgreich abgeschlossen. Als gelernter Steuerberater kennt er sich bestens beim Umgang und Einsatz mit Finanzmitteln aus und hat jahrzehntelang erfolgreich die Vereinskassen geführt. So war es folgerichtig, dass Ulrich Berger nun von der rotarischen Gemeinschaft zum Governor gewählt wurde. "Ich weiß, dass viel Arbeit auf mich zukommen wird, aber ich bin von der rotarischen Grundidee des selbstlosen Dienens überzeugt und davon, dass ich damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten kann. Das spornt mich an, das gibt mir Kraft", gesteht Berger.

Dass er das Feuer der Begeisterung in sich trägt, spürt jeder, der mit Berger zu tun hat. "Ulrich hat ein sehr großes Herz und ganz große Hände", meinte jüngst der indische Pfarrer Jeremias, in dessen Bezirk um die Stadt Colachel Ulrich Berger mit rotarischen Geldern eine funktionierende Trinkwasseranlage für 200 Menschen, die bei einer Naturkatastrophe ihre Obdach verloren hatten, bauen ließ. "Wir wollen uns den Armen mit den Herzen zuwenden und ihnen auch die nötigen Geldmittel geben, damit sie gemäß unserem Hilfe-zur-Selbsthilfe-Prinzip nachhaltige Strukturen aufbauen können", so Bergers Überzeugung.

Für seine neue Aufgabe hat sich Ulrich Berger natürlich auch humanitäre Projekte im regionalen Umfeld und im internationalen Bereich vorgenommen. So will er weiterhin das Projekt "Kongo Kisangani" unterstützen. Dabei handelt sich um ein Waisenhaus für Straßenkinder. Dort geht es darum, die Lebensumstände der Waisenkinder in der Mitte Afrikas und auch der Einwohner der Region durch humanitäre Maßnahmen zu verbessern und mit Projekten zur Selbsthilfe zu beeinflussen. Die Rotarier haben durch die Möglichkeit zur Aufzucht von Kühen die Lebensverhältnisse in Kisangani, wo es keine Frischmilch, sondern nur Milchpulver gibt, entscheidend beeinflusst und Arbeitsplätze für Hirten und Melker geschaffen. Da auch aus dem Kongo viele Leute nach Europa wollen, soll durch Schaffung von Arbeitsplätzen im eigenen Land versucht werden, diesen Menschen eine Existenzgrundlage zu bieten.

Ein weiteres Projekt, das aktuell vom Aischgründer Rotary-Club durchgeführt wird, ist die Errichtung einer Schule in Tenali in Indien. Die Schule wird den Namen St. Ignatius English Primary School tragen und Platz für 900 Schüler im Alter von 16 bis 18 Jahren haben. Mit dem Bau der Schule wurde bereits im Januar begonnen und sie wird voraussichtlich im September 2019 bezugsfertig sein.

Das rotarische Jahresmotto lautet heuer "Be The Inspiration" - Ulrich Berger will ein Beispiel dafür geben, wie man sich aktiv für humanitäre Ziele einsetzen und andere Menschen dazu inspirieren kann.