Zum 29. Mal und just am 29. des Monats Juli startet sie: die "Radltour des Bayerischen Rundfunks". Von Mühldorf am Inn strampeln dann 1100 Auserwählte auf ihren bestens geölten Drahteseln auf einer 470 Kilometer langen Fahrt durch sechs bayerische Regierungsbezirke. Muskelkraft in den Waden und Oberschenkeln ist gefragt, elektrische Hilfeleistung ist zugelassen, wird aber nur von wenigen genutzt.

Einer der Pedalritter bei der Rundfahrt durch den Freistaat ist der Herzogenauracher Dieter Hagen, begeisterter Radfahrer und zum zweiten Mal ausgewählter Teilnehmer bei dieser "Tour". "Lerne Bayern per Fahrrad kennen", so könnte man das Unternehmen umschreiben, an dem inzwischen wesentlich mehr Radfahrer teilnehmen möchten als die Logistik verkraften kann.

Zu den Auserwählten zählt auch Dieter Hagen aus Herzogenaurach. Noch rund 40 Mal muss er schlafen, bevor er nach dem Auftaktfestival in Mühldorf/Inn in Richtung Bayerns Norden starten kann. Jeden Abend erwartet ihn und seine Radfahrer-Kollegen am Etappenziel ein musikalisches Spektakel, zunächst in Landshut, dann in Bad Gögging, schließlich in Berching, weiter im Landkreis Erlangen-Höchstadt in Baiersdorf mit Wincent Weiss, am 1. August am Angersee, dann in Kitzingen und am Ende in Marktheidenfeld.


Polizei eskortiert die Radfahrer

Dieter Hagen weiß eine Menge zu erzählen, vor allem von den Abenteuern, die einen erwarten, wenn man sich einem solchen Unternehmen anschließt. Eigentlich ist alles faszinierend und bisweilen auch abenteuerlich. Da steht beim Start eine Polizei-Eskorte mit etlichen Motorrädern bereit, um die Strecke für die Radfahrer freizumachen und zu sichern. Und wenn es dann in einem Schnitt von 20 km/h losgeht, dann liegen täglich etwa 80 Kilometer vor einem. Auf überwiegend Landstraßen, aber auch über einfache Schotterwege führt die Strecke zum jeweiligen Etappenziel.

Das haben die großen Lastwagen des THW längst angefahren. Es gilt, die Matratzen in die Schlafquartiere zu bringen: meist sind es Turnhallen, in denen bis zu 400 Personen Platz finden. Von Vorteil sind diese spartanischen Unterkünfte, weil man hier die entsprechenden sanitären Anlagen vorfindet: Toiletten und vor allem Duschen, nach denen man nach den schweißtreibenden Kilometern lechzt, damit man dann erfrischt zur großen Party mit der jeweiligen Band gehen kann. Und so mancher sinkt dann gegen 23 Uhr erschöpft auf sein Matratzenlager, denn spätestens um 9 Uhr geht es tags darauf wieder an den Start.

Während das Frühstück jedermanns eigene Sache ist, gibt es für alle Teilnehmer unterwegs kostenlos Bananen und jede Menge Mineralwasser, das von großen bayerischen Mineralwasserkonzernen gesponsert wird. "Möglichst viel trinken unterwegs", so lautet die Faustregel. Unterwegs freut man sich über den Beifall von Passanten, Kindergärten und Schulklassen. Die Ankunft in den einzelnen Orten gleicht dabei oftmals einem kleinen Volksfest.

Bei der Mittagspause versorgt sich jeder Teilnehmer selbst. An den ausgewählten Etappenzielen haben die jeweiligen Gemeinden vorgesorgt. Es gibt Gegrilltes und kleine Brotzeiten - je kleiner die Gemeinden, umso stärker bemüht man sich um die Radler.

Auf Alkohol verzichten die meisten Teilnehmer tagsüber, denn Bier macht müde und schwächt die Konzentrationsfähigkeit. Abends fließt dann das eine oder andere Bier - welch angenehmer Schlaftrunk, damit man im Massenquartier ruhig schlafen kann, schließlich kann nicht jeder sein Schnarchen unterdrücken und oft drückt auch die Blase, so dass im Massenquartier ein ständiges Kommen und Gehen herrscht.

Selbstverständlich gibt es auch einen sogenannten Besenwagen, der all jene "aufliest", die medizinische Hilfe benötigen. Dieter Hagen gehörte bei seiner ersten Tour zu jenen "Harten", die alle Etappen ohne größere Probleme überstanden haben. Am meisten Respekt nötigte ihm ein Tandem ab. Ein Brüderpaar steuerte es, wobei der Vordermann seinen blinden Bruder heil ins Ziel brachte.
Dieter Hagen hat für sein großes Vorhaben nicht eigens trainiert. Sein "normales Tourenrad" hat ihm im letzten Jahr gereicht und auch den Reparaturservice, der zum Tross gehört, hat er nicht in Anspruch nehmen müssen, eben so wenig den Krankentransport. "Man muss halt gutes Sitzfleisch haben", so sein Kommentar.

Der Herzogenauracher Radfahrer hatte seinen großen Auftritt im letzten Jahr bei der "Tour de Bayern", als ihm der Veranstalter ein Mikrofon in die Hand drückte und er spontan seine Eindrücke der Fahrt an die Moderatorin von Bayern 1, die im Studio in München saß, ins Mikrofon sprach. Vielleicht waren seine klaren, gelungenen und spontanen Äußerungen sogar der Grund dafür, dass er zu den Auserwählten der Tour in diesem Jahr gezählt hat. Denn die Nachfrage ist groß und nicht jeder, der gerne möchte kann dabei sein. 250 Euro sind übrigens die Kosten, die jeder Teilnehmer für das eigens entworfene Radfahrer-Shirt und für die Organisation aufbringen muss.