Jochen Zeitz, der frühere Puma-Chef, hatte sein Büro im Penthouse im fünften Stock. Dort, im damaligen Neubau der Verwaltung der "Raubkatze" in der Würzburger Straße, könnte künftig die Stadtverwaltung unterkommen, zumindest vorübergehend. Möglicherweise stellt dann Bürgermeister German Hacker seinen Schreibtisch in Zeitz' einstigem Büro auf.

Denn als Ausweichquartier für die Stadt, während des Baus eines neuen Rathauses, scheint "Puma" am besten geeignet zu sein von allen Angeboten. Zumindest ist der neue Eigentümer der Immobilie durchaus nicht abgeneigt, was diese Nutzung angeht. Das sagte Alexander Faust, Geschäftsführer bei der P&P-Gruppe aus Fürth, am Mittwoch.


Mix aus Wohnen und Büros

P&P hat das Grundstück an der Würzburger Straße jüngst erworben (der FT berichtete ausführlich). Geplant ist nach dem Auszug von Puma in die Neubauten an der Nordumgehung eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe. Dass die Stadtverwaltung der erste gewerbliche Mieter wird, dafür stehen die Karten laut Faust gut. Denn das würde Sinn machen, sagt der 29-Jährige. Selbst wenn sich der Rathaus-Neubau etwas verzögern würde, läge das noch in der Zeitschiene des neuen Eigentümers.

Dessen Zeitplan sieht vor, dass im August 2018 die ersten Arbeiten beginnen sollen. Denn bis dahin sollten die rund 450 Puma-Mitarbeiter aus der Würzburger Straße in die neue Firmenzentrale umgezogen sein (Mitarbeiter insgesamt in Herzogenaurach: 1090). Begonnen wird mit dem Altbau aus dem Jahre 1986. Der soll für Wohnzwecke saniert werden. Der Neubau (Bezug 2005) wird auch weiterhin gewerblich genutzt. Nach den Zeitungsberichten seien schon mehrere Anfragen von Interessenten eingegangen, sagte Faust. "Herzogenaurach ist definitiv ein interessanter Standort", berichtet der Geschäftsführer weiter. Und deshalb will man sich auch auf das Zielpublikum der drei Weltfirmen einstellen.


Kleine Appartments

So sind möblierte kleine Appartments geplant, vielleicht 30 an der Zahl, mit einer Größe bis zu 30 Quadratmeter. "Man braucht nur sein Laptop", meinte Faust, "und hängt seine Klamotten in den Schrank" - und fertig. Vor allem junges Publikum, Praktikanten, Studenten könne man sich da vorstellen. Das gleiche ist dann noch ein Stückchen größer geplant, ebenfalls möbliert, aber noch mit einer kleinen Küche ausgestattet. Und "ganz normale Zimmer" soll es ebenfalls geben, wie auch Penthouse-Wohnungen. Auch der künftige Straßenname "Wiesengrund", der den Rudolf-Dassler-Weg ablöst, sei durchaus positiv.


Erinnerung an Rudolf Dassler

Mit der Immobilie in der Würzburger Straße trennt sich Puma von seinem Gründungssitz. 1948 hat Rudolf Dassler dort begonnen, gleich nach der Trennung mit seinem Bruder Adolf. Der übernahm den Hauptsitz und schuf Adidas, Rudolf bekam das Werk 2 der Gebrüder Dassler Schuhfabrik und gründete Puma. Die Brüder hatten die Gebäude als Lager genutzt, zuvor war dort seit 1890 die Schuhfabrik Schürr. Puma kaufte später auch Nachbargebäude, darunter die oberfränkische Schuhfabrik. In der Würzburger Straße war damals der Industriestandort von Herzogenaurach, wie Puma-Archivar Helmut Fischer erläuterte. Er stellte dem neuen Eigentümer im gemeinsamen Gespräch am Mittwoch die Historie der Firma vor. Faust sagte zu, dass P&P sich der Firmengeschichte nicht verschließen wolle und auch künftig in irgendeiner Form an den Puma-Gründungssitz erinnern möchte. Für Puma-Pressesprecher Ulf Santjer eine erfreuliche Aussage, dass das Andenken an den Firmengründer erhalten bleiben soll.