Es bleibt alles, wie es ist. Die Durchfahrt über den Marktplatz wird weder für Autos noch für Lastwagen gesperrt. Wer also von der Schütt über die Badstraße hinauf in den Steinweg und weiter nach Norden fährt, oder umgekehrt über den Steinweg in die Hauptstraße möchte, darf das auch künftig ungehindert tun. Irgendwelche Beeinträchtigungen oder gar Sperrungen soll es nicht geben.

Der Bauausschuss hat sich in seiner Sitzung am Mittwochabend einstimmig dafür ausgesprochen, keine Maßnahmen zu ergreifen. Solche waren vom Agenda-Arbeitskreis Mobilität angeregt und vom Agenda-Beirat zuletzt auch mit fünf zu drei Stimmen übernommen worden. Deshalb musste sich jetzt der Bauausschuss mit dem Antrag befassen, den Durchgangsverkehr zu verbieten.

Auch im Arbeitskreis umstritten

Arbeitskreis-Sprecherin Ursula Walther räumte ein, dass diese Forderung auch in den eigenen Reihen umstritten gewesen sei. Aber man hatte Gefallen an einem Modell der holländischen Stadt Groningen gefunden. Diese ist in vier Sektoren aufgeteilt, die nicht mehr von innen angefahren werden können. "Man muss also außen herum", sagte Walther.

So etwas wäre nach Meinung der Agendaleute auch eine Idee für Herzogenaurach. Wenn man am Marktplatz entlang dicht machen oder nur noch eingeschränkt fahren lassen würde, wäre vor allem der Durchgangsverkehr draußen. Abschaffen wolle man den Verkehr damit nicht, ergänzte Walther, "das wollen wir auf keinen Fall". Aber man sollte es den Autofahrern auch nicht mehr so angenehm machen.

Die "Einkäufer beim Ellwanger" seien damit aber nicht gemeint, fügte sie flugs hinzu, mit einem Seitenblick auf Thomas Kotzer von der Förder- und Werbegemeinschaft (auch Schreibwaren Ellwanger), der als Besucher zur Sitzung gekommen war. Auch die Dauerparker auf dem Marktplatz seien nicht das Thema des vorliegenden Antrags.

Bürgermeister German Hacker (SPD), der schon im Agenda-Beirat den Antrag abgelehnt hatte, schlug das nun im Namen der Verwaltung erneut vor. Freilich belaste der Autoverkehr von der Badgasse hoch zum Steinweg die Innenstadt und es wäre schön, wenn die Strecke nicht benutzt würde. "Der Ansatz ist richtig", sagte Hacker. Doch die Straße werde auch gebraucht. Mit der im Antrag geforderten Härte "wollen wir das nicht durchsetzen".

Beim Adventskalender dicht?

In der Debatte wurden vor allem Argumente gegen den Antrag genannt. SPD-Stadtrat Holger Auernheimer fürchtete, dass bei einer Sperrung des Marktplatzes - das kurze Straßenstück entlang des Marktplatzes nennt sich Am Marktplatz, bevor es bei der Römmelt-Engstelle dann in den Steinweg übergeht - die Belastung der Hauptstraße viel höher würde. "Die müssten ja alle wenden." Konrad Körner (CSU) warnte vor einer Verlagerung des Verkehrs in andere Straßen, und auch für seinen Fraktionskollegen Kurt Zollhöfer sind die Süd-Nord-Routen ein Argument: "Alle Verbindungen sind ausgelastet." Auch warf er die Frage in die Runde: "Wie kommt man vom Süden sonst zum Hubmannparkplatz?"

Peter Prokop (SPD) regte an, bei Feierlichkeiten die Durchfahrt zu erschweren. Also jetzt beim Lebendigen Adventskalender schon aktiv zu werden, denn "da sind die Autos ausgesprochen störend". Man könnte doch einen Probelauf machen. Dieser Vorschlag wurde in der Sitzung aber nicht weiter verfolgt.

Eine eigene Überlegung warf Bürgermeister German Hacker in den Ring, auch wenn es sich da um einen "windelweichen Kompromiss" handle. Vielleicht könnte man für die Autofahrer, die von der Badgasse kommen, am Eingang zur Hauptstraße einen Pfeil nach links anbringen. Dann gäbe es keine Durchfahrer mehr, wenn sich alle daran hielten, und Marktplatz, Steinweg und Kirchenplatz wären frei von Belastungen. Freilich wäre diese Regelung nicht kontrollierbar, räumte er ein.

Hacker hielt seinen Vorschlag aber nicht weiter aufrecht, nachdem ausgerechnet aus der eigenen Verwaltung Gegenwind kam. Verkehrs-Sachbearbeiter Thomas Nehr erklärte, dass dies in der Praxis nicht umsetzbar wäre. Denn das wäre mit einer Reihe von Ausnahmen verbunden, die allesamt von den Verkehrsteilnehmern auf einen Blick erfassbar sein müssten. Konkret: Das Schild mit dem Pfeil müsste mit zahlreichen Hinweisen auf Ausnahmen verbunden werden. "So klein können wir die Buchstaben gar nicht machen, dass da alles drauf passt", sagte Nehr.

Nebenher entwickelte sich in der Sitzung noch eine Debatte über den Sinn allzu vieler Verkehrsschilder generell. Siegbert Sendner (SPD) brachte seine Meinung hierzu deutlich ein: "Kein Mensch merkt auf die Schilder!" Unterstützt wurde er von seinem Fraktionskollegen Erich Petratschek, der im Bauhof früher beim Schilderdienst eingesetzt wurde und aus einschlägigen Erfahrungen berichten konnte.

Schilder werden ignoriert

Seiner Meinung nach werden Hinweise laufend ignoriert, vor allem auch im dort gültigen verkehrsberuhigten Bereich. Das betreffe auch Parkverbote: "Ich muss doch blos amol schnell...." heiße es dann immer. An gewissen Verhaltensweisen ändere sich nichts, "da könnt ihr Schilder aufstellen, wie ihr wollt".