Zu heftigen Diskussionen im Gemeinderat führte die Vorstellung des geänderten Bebauungsplans "Am Windflügel - Nord". Diskussionen, die neu entbrennen werden, sobald das in Auftrag gegebene Verkehrskonzept vorliegt.

Den Entwurf des Bebauungsplans stellte Kristina Vogelsang vom gleichnamigen Planungsbüro aus Nürnberg dem Gremium am Montagabend vor. Der Marktgemeinderat hatte bereits beschlossen, auf einer Gewerbebrache Mehrfamilienhäuser zu errichten. Mit dem Projekt soll ein städtebaulicher Missstand behoben werden.


Dreigeschossig mit Tiefgarage


Der bestehende Bebauungsplan entspricht nicht mehr den Erfordernissen, die für die Umsetzung der aktuellen städtebaulichen Ziele notwendig sind. Entstehen sollen insgesamt 25 Wohneinheiten in dreigeschossigen Staffelbauten mit Tiefgaragen.

"Die Grünen sind über den Bebauungsplan nicht glücklich. Dass Wohnraum geschaffen werden soll, sehen wir positiv, aber die Bebauung ist zu massiv und zu hoch", kündigte Christiane Kolbet ihre Ablehnung an. Gegen zwei Stimmen wurde dem Änderungsentwurf schließlich zugestimmt.


Nur "ein paar Bäumchen"


Auch mit der Grünordnung konnte Kolbet wenig anfangen. Es seien lediglich "ein paar Bäumchen" eingezeichnet. Sie äußerte zudem Bedenken wegen der Zufahrt und prophezeite mindestens 200 zusätzliche Fahrzeugbewegungen pro Tag.

Bekanntlich können die bestehenden Häuser und auch die geplanten Neubauten wegen der Sperre im Bereich der beiden Schulgebäude nur über die Erlanger Straße angefahren werden. Eine Anwohnerin hatte über den starken Verkehr und eine zugeparkte Straße geklagt, eine Situation, die auch durch den attraktiven neuen Spielplatz im Schlossgarten entstanden sei.


Unvernünftige Mütter


"Die Mütter würden ihre Kinder am liebsten vom Auto aus auf die Schaukel heben", beklagte sie. Nach ihrer Meinung würden sich viele Menschen unvernünftig und oft rücksichtslos verhalten, eine Besserung könne sie sich auch bei einer verkehrsberuhigten Zone nicht vorstellen, "weil die Kinder am liebsten ins Klassenzimmer gefahren werden". Denn die Jungen und Mädchen würden auch vom Norden aus zur Schule gebracht, obwohl sich die Haupteingänge im Süden befinden und die Kinder auf dem gegenüberliegenden Festplatz bequem und ohne Gefahr ein- und aussteigen könnten. Aber der Umweg über Ampelkreuzung und Kreisverkehr werde eben gescheut.

Deswegen herrsche bei Schulbeginn und Unterrichtsende vor der nördlichen Sperre das pure Chaos, weil die "Helikoptereltern" in der engen Straße auch wieder wenden müssten, da würden dann gerne Grundstückseinfahrten genommen oder schlichtweg zugeparkt.

Hans Kreiner (CSU) kritisierte, dass die Straße von den Anwohnern bezahlt wurde und sie ihre Grundstücke nur aus nördlicher Richtung erreichen können. Er sprach sich für eine Öffnung der Straße und die Umwandlung in eine verkehrsberuhigte Zone aus. "Die Kinder müssen vor den Eltern geschützt werden, zu bestimmten Zeiten ist die enge Straße zugeparkt", erklärte Kreiner.

"Der emotionale Ausbruch des Kollegen Kreiner hat gezeigt, dass eine Öffnung schon eine beschlossene Sache ist", befürchtete Kolbet. Die Straße sollte komplett gesperrt und nur für Anwohner zugänglich sein, forderte sie noch, sie verstehe auch die Machbarkeitsstudie nicht. Diese hatte Bürgermeister Heinrich Süß (UWG) auf die Tagesordnung gesetzt.


Bedenken durchaus berechtigt


Thomas Rosemann vom Büro Tops team bestätigte, dass die Bedenken durchaus berechtigt seien. Er sagte eine deutliche Zunahme des Verkehrs, möglicherweise eine Verdreifachung voraus. Allerdings bestehe vorerst kein Grund, die Sperre zwischen den Schulgebäuden aufzuheben. Bauliche Maßnahmen und Anwohnerparkplätze könnten durchaus für Verbesserungen sorgen, meinte er. Dazu will das Planungsbüro alle Anwohner, die Schule und den Elternbeirat mit ins Boot holen, um eine verträgliche Lösung für alle Beteiligten zu erreichen. Allerdings sprachen sich Schulleitung und Anwohner schon im September 2017 gegen eine Öffnung der Straße aus, weil sie befürchteten, die Autofahrer würden diese als willkommene Abkürzung nutzen und sich die Ampelkreuzung sparen.

"Ich verstehe die heutige Diskussion nicht, der Gemeinderat hat bereits im September beschlossen, dass es eine Anhörung geben wird", schaltete sich der Bürgermeister ein.

Gegen die Stimme von Kolbet wurde der Machbarkeitsstudie "Verkehrskonzept Am Windflügel" schließlich zum Preis von knapp 7000 Euro zugestimmt. Auf Nachfrage erklärte Rosemann, dass die Untersuchung mit 60 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung bezuschusst wird.