Eine der größten Parties des Jahres soll es am Samstagabend werden. Die Groß-Disko Puls in Höchstadt feiert nach einer Renovierung die Wiedereröffnung in einem frischen Outfit, angekündigt als "Relaunch - Unser großes Comeback". Mit sechs DJs und einem Überraschungsgast wollen die Betreiber wieder Horden an Diskojüngern und Partymenschen in ihr Haus locken. Doch am Samstagabend wird für fünf Minuten die Musik auch verstummen. Aus Protest.

Politik und Disko gehen zwar nur selten zusammen, aber im Moment ist die Landschaft der deutschen Clubbetreiber in Aufruhr. Die Verwertungsgesellschaft für Urheberrechte Gema hat eine tiefgreifende Reform bei den Gebühren für Diskotheken angekündigt. "Wenn sich die Gema durchsetzt, ist das unser Genickbruch", sagt Josias Ritter, Geschäftsführer des Puls.

Viel Geld investiert


Der 23-Jährige steht mitten zwischen Kabelsalat, neuen Toilettensitzen und abgeschraubten Schweinwerfern. Aus einem Karton ragt oben eine frisch glitzernde Diskokugel heraus. Bis der Einlass Samstag um 23 Uhr öffnet, ist noch einiges zu tun rund um die Tanzflächen.

"Wir haben wieder einmal mächtig viel Geld reingesteckt. Vor allem eine Renovierung der Toiletten und der Böden musste sein", sagt Ritter. Auch bei Sound und Licht sei einiges investiert worden. "Wir legen uns richtig ins Zeug, unseren Gästen immer das Beste und Neuste liefern zu können. Sonst bleibst du nicht mehr attraktiv für die Leute", erklärt Oliver Moufarrej, 21 Jahre, im Puls fürs Marketing zuständig.

Massive Gebührenerhöhung


Die beiden Erlanger vom Puls blicken bei allem Elan allerdings etwas ratlos in die Zukunft. Die Gema hat angekündigt, die Abgaben, die Club- und Diskobetreiber für die Musik abtreten müssen, zu verändern. Anders als bisher gäbe es dann nicht mehr verschiedene Tarife, sondern eine einheitliche Regelung: Zehn Prozent des Eintrittes gehen an die Gema. "Auf den ersten Blick klingt das vielleicht okay, aber die Art, wie die Besucherzahlen berechnet werden sollen, ist ein Skandal", meint Moufarrej verärgert.

Anstatt der exakten abendlichen Gästezahl möchte die Gema ab 1. Januar 2013 die Quadratmeterzahl der Disko als Bemessungsgrundlage für die Anzahl an Gästen annehmen. Moufarrej erklärt den Anstoß des Ärgernisses: "Wenn ich zum Beispiel zweihundert Quadratmeter Fläche habe, aber den Laden nur halbvoll, dann zahle ich trotzdem so viel, als wäre ich voll ausgelastet." Für ihn ist diese Art der Gebührenbestimmung "einfach nur krank und realitätsfern". Zudem fragt er sich, ob eine so schnelle Erhöhung überhaupt rechtens ist. Für ihn geht es um eine massive Kostensteigerung.

Um das Siebenfache erhöht


Obwohl noch nichts entschieden ist, haben die beiden natürlich schon das Rechnen angefangen. "Bisher hat das Puls etwa 18.000 Euro im Jahr an die Gema abgetreten. Wenn die Gebühren-Reform kommt, wären es dann um die 130.000 im Jahr. Das wäre eine Steigerung um das Siebenfache", rechnet Ritter vor, der sich nicht vorstellen kann, diese Summe über längere Zeit überhaupt schultern zu können. Dabei gehöre das Puls noch zu den gut laufenden Diskotheken. Anders sehe es bei Kollegen aus, die häufiger "einen leeren Laden" haben.

Und wie sähe die Zukunft aus, wenn die Gebührenreform kommt? "Wir würden dann wohl nicht mehr allzulange weitermachen können. Man verdient mit einer Disko bei Weitem nicht so viel, wie manche denken", sagt Josias Ritter. Vor allem solche großen Renovierungsarbeiten seien dann nicht mehr möglich. Die Erhöhung der Gebühren fräße genau diese Instandhaltungskosten auf. Möglicherweise wäre dies dann das Aus für das eigentlich gut laufende Puls, das Gäste auch von weiter her nach Höchstadt zieht.

Fünf Minuten stiller Protest


Der Musik-Stopp für fünf Minuten am Samstag soll ein stiller Protest werden. Es handelt sich dabei um eine bundesweite Aktion, an der sich viele Clubs schon beteiligten. "Vor allem wollen wir unsere Gäste darüber aufklären, was da eventuell bald kommt", sagt Moufarrej und wirbt gleich für die Gegenbewegung in Form einer Online-Petition: "Unter www.openpetition.de kann jeder seine Stimme gegen diesen massiven Schritt der Gema erheben. Vielleicht können wir die Reform noch stoppen, um ein Diskosterben zu verhindern."

Es geht also doch: Disko und Politik schließen sich nicht aus. Am Samstagabend soll aber erstmal der Relaunch gefeiert werden, obwohl abseits bestimmt auch ein bisschen diskutiert werden wird, bei der größten Party des Jahres.