Als Christian Pech das Thema Schulen anspricht, beim Pressegespräch im Herzogenauracher ASV-Heim, sind die Sozialdemokraten in ihrem Element. Man habe im Landkreis viel Geld in die Bildung investiert, sagt Jörg Bubel, der scheidende Fraktionschef, in seinem Rückblick auf die letzten zehn Jahre. Und meint damit nicht nur die Baumaßnahmen an den Realschulen in Höchstadt und Herzogenaurach. Mit den Schulen will sich auch sein Nachfolger Christian Pech auseinandersetzen. Auch wenn das bayerische Schulmodell ein Auslaufmodell sei und man dringend neue Lösungsformen suchen müsse.

Aber vielleicht ist gerade deshalb der Bereich "Schulen und Kinder" ein Schwerpunktthema der kommenden Monate und Jahre. Da will man sich entsprechend platzieren und auch abheben vom politischen Gegner. "In Bayern wird nur an den Symptomen herumgedoktort", klagt Bubel. "Die Realschulen quellen über und die Hauptschulen stehen leer". Da will die SPD anpacken. Christian Pech hat das im Themenkatalog der Fraktion auch schon formuliert.


FOS nicht auf Biegen und Brechen


Gemeinschaftsschulen will er, als Ergänzungsangebot zum dreigliedrigen Schulsystem. Seine schriftliche Begründung ist bräver formuliert als Bubels Kampfansage zuvor. Pech behauptet: "Das bestehende System ist allein nicht in der Lage, für jedes Kind eine bedarfsgerechte, ortsnahe kinder- und bildungsfreundliche Schule bereit zu stellen".

Auch will die SPD an einer Realschule "für den mittleren bis östlichen Landkreisteil" festhalten. Selbst wenn Baiersdorf jetzt nicht mehr machbar sei, wäre es dennoch für Pech der richtige Standort gewesen. Jetzt will die Kreis-SPD auf Uttenreuth zielen. Was die Errichtung einer FOS respektive BOS angeht, halten sich die Sozialdemokraten eher zurück. Das Vorhaben werde zwar befürwortet, aber man will deshalb keine Konkurrenz zu Erlangen aufbauen. Keinesfalls solle man eine solche Oberschule "auf Biegen und Brechen finanziell selber stemmen", meinte der neue Fraktionschef. Das sei Aufgabe des Staates.

Und noch einmal Kinder. Die Gemeinden sollen beim Ausbau der Kinderbetreuung unterstützt werden, meint die SPD und spricht sich klar gegen das Betreuungsgeld und für die Kindertagesstätten aus.


Ein Jahrzehnt Jörg Bubel


Zehn Jahre lang war Jörg Bubel Fraktionsvorsitzender der SPD im Landkreis. Nur der Herzogenauracher Konrad Eitel, das SPD-Urgestein, führte die Fraktion länger. Nämlich zehn und ein halbes Jahr, wie Bubel erinnert. Zehn Jahre ist auch der SPD-Politiker Eberhard Irlinger jetzt Landrat. Nicht immer ging die Zusammenarbeit ohne Krach ab, so kehrte der Kreischef im Zuge der Debatte um ein neues Landratsamt der Fraktion den Rücken und wart bei deren Sitzungen seither nicht mehr gesehen.

Für Bubel sei das aber kein Grund gewesen, den Fraktionsvorsitz abzugeben. Die Demokratie brauche eine konstruktive Diskussion, meint er. Man müsse auch mal streiten können und ergänzt, "stromlinienförmig im Konsens zu sein führt zum Einschläfern der Demokratie".

Für Christian Pech als seinen Nachfolger habe sich die Fraktion auf einer Klausurtagung auch deshalb einstimmig ausgesprochen, weil es an der Zeit sei, "die Jüngeren in Verantwortung zu bringen". Und was sagt der Neue über die Zusammenarbeit mit dem Landrat? "Wir haben unseren Frieden geschlossen. Der Landrat ist ja noch Mitglied der SPD". Im Übrigen glaube man nicht, dass der Streit zwischen Fraktion und Landkreischef in der Öffentlichkeit negativ aufgenommen wurde.

35 Jahre jung ist der neue Fraktionsvorsitzende Christian Pech, der seinen Master der betriebswirtschaftlichen Forschung hat und diplomierter Politikwissenschaftler ist. Beruflich arbeitet er bei einer Nürnberger Firma im Projektgeschäft für Photovoltaikanlagen. Seine politische Laufbahn begann mit 16 Jahren, als er in die SPD eintrat. Pech war Ortsvorsitzender in Möhrendorf, Geschäftsführer der SPD-Stadtratsfraktion in Erlangen und sitzt seit 2009 im Kreistag. Seither ist er auch stellvertretender Kreisvorsitzender.

Was will er noch in den kommenden Monaten? Die Stadtumlandbahn wird selbstverständlich unterstützt. Mit dem T-Ast nach Herzogenaurach und Uttenreuth. Und mit der Absicht des Weiterbaus bis Eckental im Osten. "Damit wir den Anschluss an die Gräfenbergbahn bekommen". Irgendwann wäre auch ein Anschluss von Höchstadt denkbar, "aber da werde ich nicht mehr im Amt sein", schmunzelt der junge Politiker.


Krankenhaus erhalten


Das Kreiskrankenhaus in Höchstadt will Pech mit seiner Fraktion langfristig erhalten, um die Grundversorgung der Menschen zu sichern. Allerdings müsse man neue Wege beschreiten, um die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit zu sichern. "Nur was sich ändert bleibt!" lautet Pechs Motto. Kein Neues übrigens, denn unter dem gleichen Titel hat er während eines Studienaufenthalts in Wien an einem Buch über "die österreichische Parlamentsbibliothek im Wandel der Zeit" geschrieben.

Eine Busoffensive für die ländlichen Gemeinden, die Energiewende mit dem Ziel eines autarken Landkreises, mehr Senioren- und Familienfreundlichkeit - das sind weitere Themen, die sich die SPD vorgenommen hat. 2014 sind die nächsten Kommunalwahlen. Und es wird ein neuer Landrat gewählt, da Eberhard Irlinger nicht mehr antreten darf.

Ob er der Kandidat der SPD sein könnte? Christian Pech will sich da noch nicht äußern. Viel Zeit sei noch bis dahin, eine Entscheidung werde wohl kaum vor Herbst 2013 getroffen. Dass der amtierende Landrat den SPD-Kandidaten unterstützen wird, davon geht Pech aus. Auch wenn er Bubels Meinung teilt, dass die Fraktion ihr eigenes Profil brauche. Pech: "Wir geben unsere Ziele vor. Nicht den Kompromiss".

Auf die Meinung von Jörg Bubel wird die Fraktion übrigens auch weiter großen Wert legen. Der 65-Jährige wurde bei der Klausurtagung neben Jutta Ledertheil und Konrad Gubo als weiterer stellvertretender Vorsitzender ernannt.