Der Ortsteil Neundorf mit seinen rund 150 Einwohnern beendete mit der legendären "Neidorfer Stodl-Kerwa" die diesjährige Kirchweihsaison in der Gemeinde Aurachtal. Die Neundorfer bewiesen einmal mehr, dass sie auch bei schlechtem Wetter feiern können. Während es beim Aufrichten des Kirchweihbaumes, der im Rechtlerwald geschlagen wurde, noch trocken blieb, regnete es beim Höhepunkt am Sonntag.

Die Ortsburschen und -madli sowie die Feuerwehr als Ausrichter der Kerwa ließen sich aber nicht entmutigen und zogen mit zwei Themenwagen durch den Ort, die Musikanten spielten im geöffneten Tor des Feuerwehrgerätehauses. Dem Zug voraus wurde die rosa "Kerwa-Sau" durchs Dorf getrieben, und die beiden Wagen nahmen die Geschehnisse im Dorf und der Gemeinschaft aufs Korn. Unter anderem befassten sich die jungen Leute mit der 150-Jahr-Feier der Feuerwehr in Herzogenaurach. "Braucht's des? - Feuerwehr H'aurach", stand auf der Stirnseite des Wagens.

Da fehlt die Cola

Der Flo und seine Feuerwehrkameraden kamen im Herzogenauracher Festzelt ziemlich geschlaucht an und bestellten schwarze Maßen. "Jeder hat a amol dran gnippt, dabei is der Flo fast vo der Bank kippt. Geschmacklich hauts goar ned hin, irgendwas Falsches is da drin!", stellten die Neundorfer fest. So seien wohl Schnaps und Bier im Maßkrug gewesen, aber kein echtes Cola.

Auch im Gmaawald (Gemeindewald) muss es an einem "oarschkalten Dezemberdooch" zu einem besonderen Vorfall gekommen zu sein. Wegen des großen Durstes hatten die Männer die Arbeit unterbrochen und die Gerda brachte Glühwein, der Jan schürte den Grill an und die Gruppe ließ den Tag feucht-fröhlich ausklingen. Allerdings fand Jan am Ende den Heimweg nicht mehr, und Markus brachte ihn nach seinen Hilferufen wieder auf den richtigen Weg.

Die "Stodl-Kerwa" lockt jedes Jahr viele Besucher aus der Gemeinde und den Nachbarorten an. Jedes Jahr gibt es das "Neidorfer Kerwabledla" mit den "Neidorfer News" und den Dorfgeschichten. In Neundorf ging schon immer die Post ab und so machen noch heute besondere "Gschichtle" von längst verstorbenen Originalen die Runde. Das Wirtshaussterben ging zwar auch an Neundorf nicht vorüber, aber das war noch lange kein Grund, die Kerwa aufzugeben.

"Stodl" statt Wirtschaft

In der Ortsmitte wurde eine Scheune der Familie Stadie um- und ausgebaut, sogar ein Bierkeller befindet sich im Untergrund und der "Stodl" ist natürlich beheizbar. Die Ortsburschen, die sich überwiegend aus Mitgliedern der Feuerwehr zusammensetzen, und die Ortsmadli organisieren jedes Jahr die Kerwa. Hinter der Kerwa steht das ganze Dorf. So wird wie früher in jedem Haus gebacken, die Küchle, Kuchen und Torten werden dann am Sonntag im Stodl serviert. Und weil im Dorf nichts vergessen wird und auch nichts verborgen bleibt, warten immer zahlreiche Zuschauer darauf, wen es diesmal beim Umzug erwischt. Besonders gespannt waren natürlich etliche Neundorfer, denen im Laufe des Jahres ein Missgeschick passierte, ob es wohl sie treffen würde.

Den musikalischen Auftakt am Freitag machten "Klaus und Meggy", und nach dem Aufrichten des Baumes stand das "Frankenlandecho" auf der kleinen "Stodl"-Bühne. Am Sonntag gab es Blasmusik und hausgemachte Kuchen und Kirchweih-Küchle.

Besonders legendär ist in Neundorf der Kerwa-Frühschoppen am Montag, der nahtlos in den Dämmerschoppen übergeht. Da werden stundenlang Kerwaslieder gesungen und unter den Burschen aus den Ortsteilen sowie den Besuchern wird so mancher Wettstreit ausgetragen. Dass dies auch musikalisch gelang, dafür sorgte Roland Bittel.