Man nehme: eine alte Scheune mit dem ganzen Charme von vielleicht hundert Jahren, ein Ensemble, das sein Handwerk versteht, gut zu essen und zu trinken und bastle daraus eine Kirchweih. Wohlgemerkt eine, die mit der Blasmusik und Dirndl-Atmosphäre vieler fränkischer Kirchweihen nicht mehr viel zu tun hat.

Aber das Rezept funktioniert. Frickenhöchstadt und sein Dorfverein zeigten es am Wochenende wieder. So zugeparkt wie der ganze 60-Seelen-Ort war, ließ sich schon vermuten, dass hier etwas Besonderes geboten wird. Stefan Kügel und sein Theater Kuckucksheim zogen wie ein Magnet die vielen Menschen in den kleinen Ort. Auch wenn die angekündigte Beach-Party am späten Abend wohl näher an der Scheune denn am Dorfweiher stattfand.

Vereinsfeste und Honoratioren vorgenommen

210 Karten hatte der Dorfverein verkauft und damit die Scheune bis auf den letzten Platz gefüllt. "Der Räuber im Spritzenhaus", ein Stück, das gleichermaßen Schauspiel und Puppentheater, musikalische Komödie, Volkstheater, sowie tief- und hintergründige Persiflage ist, die sich die Vereinsfeste samt ihren Honoratioren vornimmt.
Was Altmeister Kügel im Verein mit Benjamin, Lukas und Joshua Seeberger - allesamt in Heppstädt aufgewachsen - sowie Michael Winkler zusammen mit seinen Puppen auf die Bühne bringt, spricht alt und jung an. Natürlich setzt Kügel auch auf die Wirkung von Lokalcolorit. Seine Freiwilligen Feuerwehren im Stück rekrutieren sich allesamt aus den umliegenden Ortschaften, von Kleinweisach bis Gleißenberg, von Frimmersdorf bis Warmersdorf.

Und dann die Musik: "Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben" frisst sich ganz tief ein, so dass der Besucher noch auf dem Heimweg etwas davon hat. Mit den Texten bedient sich Kügel sogar bei Schiller, Goethe und Hesse und geht damit zuweilen aufs Ganze: " . . . Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist, man sieht nur Herren und Knechte" aus Schillers Wallenstein zum Beispiel.

Nicht einfach, aber schön

Schwer verdauliche Kost skuril verpackt. "Still gestanden, rührt euch" kommandiert der Feuerwehroberste ein ums andere Mal. Und "ich fühl mich mit dieser Uniform gleich wie ein ganzer Mensch".

"Nicht ganz einfach, aber schön", urteilte ein bekannter Höchstadter über das Spiel. Wohl dem, der das Ganze nicht nur als ein Kasperltheater abtut, obschon der Kasperl natürlich eine Hauptrolle inne hat.

"Wir wollten ein wenig anders Kerwa feiern", sagt Dorfvereinsmanager Herbert Merkel. Die Rechnung der Frickenhöchstadter ist aufgegangen. Schon bevor es groß in der Zeitung stand, waren die meisten Karten verkauft.
Losgegangen sei alles vor Jahren mit dem Gemeinschaftsbackofen, dann habe man den Dorfweiher zum Badeweiher ausgebaut und das Dorfvereinshaus errichtet. Dank des herrlichen Wetters konnte man am Samstag unter Sonnenschirmen sitzen und sich Rehragout aus dem offenen Kessel schmecken lassen. Das Reh stammte übrigens aus dem Steigerwald.

Als nächster steht Johann Müller, Schreinermeister und Liedermacher aus Burghaslach, auf dem Kulturprogramm des Vereins.