Wenn am Sonntag die Nation zur Bundestagswahl aufgerufen ist, dann bleiben die Kinder und Jugendlichen außen vor. Wählen darf man erst ab 18 Jahren, doch auch Jüngere sollten Interesse an der Demokratie zeigen. Weil das so ist, wurde 1999 die Juniorwahl an den Schulen eingeführt. Da wird eine echte Wahl originalgetreu nachempfunden, die Jugendlichen üben und erleben, wie es später einmal wirklich sein wird.

Zum zweiten Mal hat sich die Mittelschule Herzogenaurach beteiligt. 147 Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen acht bis zehn traten am Donnerstag an die Wahlurne. Und das geschah genauso, wie es morgen Millionen von Erwachsenen tun: Mit Wahlbenachrichtigung und Ausweis ging es in das Wahllokal. Dort wurden die Wähler von sechs Neuntklässlern empfangen, die freiwillig als Wahlhelfer fungierten. Später waren sie es auch, die die Stimmzettel auszählten. Das bundesweite Gesamtergebnis der Juniorwahl wird am Wahlsonntag um 18 Uhr auf http://www.juniorwahl.de veröffentlicht. Das Herzogenauracher Ergebnis erfahren die Schüler am Montag im Unterricht.

Die Klassleiterin der 9a, Andrea Düthorn, betreut das Projekt. In den Wochen vorher war die Bundestagswahl auch Thema im Unterricht der 14- bis 16-Jährigen. Wichtige Fragen wurden besprochen: Warum sollte man wählen gehen? Welche Aufgaben hat der Bundestag? Welche Wahlgrundsätze gelten in unserer Demokratie? Was wollen die Parteien? Wie genau wird gewählt? Und dann hat man die Parteien auf ihre Wahlprogramme hin abgeklopft. Vier Themen wurden betrachtet: Arbeit und Soziales, Innere Sicherheit, Flüchtlinge und Energie.

Düthorn hoffte, dass die Schüler dieses Wissen in die Juniorwahl mitnahmen und dann auch entsprechend umsetzten, quasi als Generalprobe. Schließlich seien die Jugendlichen die Erstwähler von morgen, sagte die Lehrerin.

Ein Erstwähler von übermorgen ist Adrien aus der 8a. Der 13-Jährige darf vor der nächsten Bundestagswahl in vier Jahren noch einmal üben, doch schon jetzt fühlte er sich gut vorbereitet: "Mir hat der Unterricht gut gefallen, das hat was gebracht", sagte er kurz nach der Stimmabgabe. Und er sagte auch, was er gewählt hat. Das aber wird jetzt nicht weiter verraten, schließlich ist es eine geheime Wahl. Zum Wählen, das weiß er jetzt schon, werde er dann sicherlich auch gehen.

Noch unschlüssig, was sie denn wirklich wählen würden, waren drei Mädchen aus der 9b, alle im Alter von 14 und 15 Jahren. "Ich bin noch am Schwanken, konnte mich nicht entscheiden", sagte Alina und Xenia meinte, dass das vielen Freundinnen so gehe. Denn: "Die machen ja fast alle das Gleiche", ergänzte Angie. Wem sie denn beider Juniorwahl ihre Stimme gegeben haben, wollten sie aber nicht verraten. Das Prinzip der geheimen Wahl haben sie auf jeden Fall schon mal verstanden.

Dass die Jugendlichen grundsätzlich interessiert bei der Sache waren, kann Andrea Düthorn bestätigen. Sie berichtet von einer netten Episode, die ihr eine Kollegin erzählte: "Ein Schüler ihrer achten Klasse ist die ganze Woche krankgeschrieben, kam aber heute extra zum Wählen. Er wollte unbedingt teilnehmen, morgen bleibt er wieder zu Hause", sagte sie am Donnerstag.

Die Juniorwahl zur Bundestagswahl 2017 stand unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Deutschen Bundestages, Professor Norbert Lammert, und wird bundesweit gefördert durch den Deutschen Bundestag, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für politische Bildung. Bundesweit waren über 3000 Schulen am Projekt beteiligt. Seit 1999 wird die Juniorwahl als "best-practice-Projekt" zur politischen Bildung bundesweit zu Landtagswahlen, Bundestagswahlen und Europawahlen durchgeführt. Seither haben sich schon mehr als 1,8 Millionen Jugendliche beteiligt, wodurch die Juniorwahl zu den größten Schulprojekten in Deutschland zählt.

Wissenschaftliche Studien belegen eine Steigerung der Wahlbeteiligung bei Erstwählern und deren Familien sowie eine Senkung des Nichtwähleranteils von 22 auf unter sieben Prozent, heißt es in einer Information zur Juniorwahl.

Auch das Herzogenauracher Gymnasium hat teilgenommen. Hier waren 120 Schülerinnen und Schüler der elften Jahrgangsstufe aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.