Erleichterung steht jedem ins Gesicht geschrieben, der gestern aus der Tür der Aischtalhalle kommt. Tröpfchenweise kommen sie alle raus, viele bequem in Jogginghose und viele mit nichts weiter als einer Wasserflasche in der Hand. Eltern warten gespannt im oder vor dem Auto auf dem Parkplatz gegenüber. Nach über fünf Stunden Gedichtinterpretation, Dramaanalyse oder Sacherörterung ist die erste Etappe geschafft, die erste Prüfung geschrieben. "Das Schlimmste ist weg, nie mehr Deutsch", freut sich Felix Eck (17) aus Höchstadt.

Er ist einer von 113 Abiturienten am Höchstadter Gymnasium (56 Jungen und 57 Mädchen), die gestern ihre erste schriftliche Abiturprüfung hinter sich gebracht haben. Zugelassen zum Abitur waren alle Schüler der 12. Jahrgangsstufe. Es nimmt außerdem ein externer Schüler teil.

Felix hat fast eine Stunde vor der offiziellen Abgabefrist abgegeben. Die Aufregung hielt sich in Grenzen: "Wenn man erstmal im Schreiben drin ist, dann geht's." Seine Wahl fiel aufs Gedicht, "Transparenz in Blau", von Durs Grünbein. In den Osterferien hat er angefangen, sich aufs Abitur vorzubereiten, mindestens zwei Stunden pro Tag, jetzt in der heißen Phase aber auch mal drei bis vier. Genauso wie seine Mitschüler Felix Reinhardt und Mathias Säger (beide 18). "In unseren Zimmern stapeln sich die Bücher. Überall liegt alles rum, da herrscht die totale Unordnung", muss Felix Reinhardt schmunzeln. In der Aischtalhalle, statt wie gewohnt im Klassenzimmer zu schreiben, war für die Jungs kein Problem: "Es war komischerweise ruhiger als in der Schule", fand Mathias Säger.

Bio-Unterricht beim Schulleiter

Zum ersten Mal gibt es heuer länderübergreifende Prüfungen - ein Schritt Richtung deutschlandweitem Zentralabitur. Die Abiturienten in Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen konnten dieses Jahr erstmals teils identische Aufgaben lösen. Nicht nur im Fach Deutsch wie gestern, sondern auch in den Fächern Mathematik und Englisch. "Die Prüfungen in diesen Fächern finden in den sechs Bundesländern deshalb auch erstmals zeitgleich statt", erklärt Ludwig Unger, Leiter der Pressestelle des bayerischen Kultusministeriums. Das Einheitsabi soll laut Unger eine bessere Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen ermöglichen. Wieviele Schüler sich tatsächlich für die länderübergreifenden Aufgaben entschieden haben, zeigt sich in den nächsten Wochen.

Schulleiter Bernd Lohneiß unterrichtete den Abi-Jahrgang selbst in der 10. Klasse in Biologie. "Das war mein erstes Jahr an der Schule. Es war ein sehr angenehmer Jahrgang, ich werde sie schon vermissen", gibt er zu. Viele der Abiturienten haben sich mehrfach engagiert, sei es im Chor oder im Orchester. "Damit haben sie die Schule mit getragen", sagt Lohneiß.

Die schriftlichen Abiturprüfungen in den Fächern Deutsch und Mathematik sind für alle Abiturienten verpflichtend. Außerdem werden sie in einem weiteren Fach ihrer Wahl schriftlich geprüft. Mündlich müssen sie zwei Prüfungen bewerkstelligen. Eine weitere Herausforderung dieses Jahr: Durch den späten Ostertermin finden die Prüfungen in einem engeren Zeitraum statt als sonst. "Alle Prüfungen sind noch vor Pfingsten, auch die mündlichen", erklärt Oberstufenkoordinator Michael Hipp.

Träume bewahren

Danach fahren mehr als 40 Schüler aus dem Jahrgang erstmal zusammen in den Urlaub: zehn Tage lang Kaleja bei Barcelona. Kein Pauken mehr. Keine Lehrer mehr. Keine Schule mehr. Die werden aber alle vermissen, da sind sie sich einig: "Dieser Trott und dieser Alltag, jeden Tag in die Schule zu gehen, das fehlt ja jetzt schon", findet Felix Eck. Er will ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Turnerbund in Erlangen machen, danach Sport und Mathematik auf Lehramt studieren. Mathias Säger hat sich nach dem Abi für ein Nautikstudium in Rostock entschieden. Felix Reinhardt will auch studieren, hat sich aber noch nicht festgelegt. "Vorher will ich auf jeden Fall ein bisschen Geld verdienen."

Für den neuen Lebensabschnitt nach dem Abitur hat Lohneiß vor allem einen Rat an die Abiturienten: "Sie sollen ihre Wünsche und Visionen verwirklichen. Es gibt Rückschläge und Umwege, aber sie sollen immer daran glauben." Jetzt heißt es aber erst einmal weiter lernen. Die nächste Prüfung ist am Freitag. "Ich mach' gleich heute weiter", kündigen die meisten an, kaum sind sie aus der Tür.