Wenn am Faschingssonntag Posaunenklänge vom Erlanger Bergkirchweihgelände erschallen, dann ist das noch nicht der "Berg", aber der wichtige Hinweis, dass es nur noch 100 Tage bis dahin sind.

Seit 1983, also heuer zum 32. Mal, werden mit einer Zeremonie die letzten 100 Tage bis zur Bergkirchweih angezählt. Der Beginn um 11 Uhr wurde gewählt, damit sich die Interessenten danach noch in Bruck den Faschingszug ansehen können. Und da es sich beim "Berg" in Erlangen um die fünfte Jahreszeit handelt, ist der Start des Countdowns am Faschingssonntag ein offizieller Termin.

Passend dazu war die musikalische Umrahmung mit dem Bläserchor Frauenaurach unter der leitung von Ernst Moritz.

Nach elf Uhr, als der Klang der Glocken der Altstädter Kirche verhallt war, stimmten die Musiker ein Stück an.
Das erste Bier war da allerdings schon gezapft worden. Im Angebot war unter anderem ein gestiftetes 30-Liter-Fässchen Fastenbock der Steinbach-Brauerei. Es fließt in Kürze bei Steinbach aus dem Zapfhahn, wie Braumeister Roman Gause verriet, der von Seniorchef Dieter Gewalt unterstützt wurde. "Der untergärige und helle Bock wird mit einem Cascade-Hopfen aus den USA gebraut, der seit drei Jahren in der Hallertau angebaut wird. Im Abgang ist der feine Zitrusgeschmack noch länger zu spüren." Dieser Bock wurde im letzten Jahr zum ersten Mal eingebraut.

Außerdem waren noch weitere Gebinde mit flüssigem Gold aus der Region vor Ort, aus denen meist gegen eine kleine Spende gezapft werden konnte. So von der Junkersdorfer Kommunbrauerei ein Weihnachtsbier, von dem noch einige Liter vorhanden sind. Von Josef Koblischek aus Buckenhof stammten ein Kellerbier und ein "Bucksch" Seinen Namen trägt das obergärige Gebräu in Anlehnung an das "Kölsch", aber da dieser Name nur in Köln verwendet werden darf, hat Koblischek diesen Namen eigens kreiert.

Für bedrohte Bierarten einsetzen

Horst Behr aus Gleisenhof bei Neunkirchen am Brand hatte ein Wachbräu-Weizen mitgebracht, die Vierbräu ein dunkles Märzen. Matthias Walz mit seinem Walzbräu aus Reuth bei Weisendorf wirbt mit dem Motto: "Wir setzen uns für bedrohte Bierarten ein." Rene Ermler hatte in diesem Jahr ein Helles und ein Kellerbier eingebraut. Heinz Reiß konnte noch einige Liter von seinem Spezialbier offerieren, das alljährlich am Bürgerfest in Neunkirchen am Brand ausgeschenkt wird. Vertreten war auch der Verein zur Förderung der fränkischen Braukultur durch seinen Vorsitzenden Kurt Maria Adler.

Dass sich trotz der eher feuchten Witterung nicht wenige Erlanger, ganze Familien mit Kind und Kegel, alteingesessene Erlanger und Neubürger auf dem Erich-Keller eingefunden hatten, spricht für die Bedeutung des Termins. Bei schönem Wetter kann schließlich jeder kommen, war die einhellige Meinung. Aber wenn die Umrahmung stimmt, passt das natürlich noch viel besser.

Da wurden Weißwürste heiß gemacht und der Grill angeheizt. Außerdem versorgte die Familie Heinz und Rosi Müller, die alljährlich mit einem Bratwurststand und Müllers Bergstation am Weller-Keller am "Berg" vertreten ist, die Hungrigen mit fränkischen Bratwürsten.

Gutes Bier, gute Brotzeit

Einer der Initiatoren, Hannes Hacker, ist auch jetzt immer noch dabei. Er trägt eine Schirmmütze mit der Aufschrift "Bergwacht Hannes" und als einziger auf der Weste "Erich-Keller". Für ihn ist diese Auftaktveranstaltung schöner als die eigentliche Kerwa, weil sich hier alles auf das Wesentliche reduziert: gutes Bier, eine gute Brotzeit und vor allem keine laute Musik. Eigentlich der gleiche Antrieb wie bei einem Frühschoppen auf einem richtigen fränkischen Bierkeller. Und am liebsten ohne kommerzielle Seiten.

"Wer von dem mitgebrachten Bier zapft, zahlt einen kleinen Obolus. Und auch das Essen wird aus eigenen Antrieb mitgebracht. Wir hätten gerne, dass es so bleibt", erklärte Hacker. Allerdings sollte erst nach den 11-Uhr-Schlägen und dem Auftakt des Posaunenchores das erste Bier gezapft werden, in dieser Ansicht ist Hacker ein Purist.

Nach diesem gelungenen Auftakt steht eigentlich einer guten Bergkirchweih nichts mehr im Wege. Die "Berg"-Fans hoffen, dass das Wetter zur Bergkirchweih gut ist. Schließlich handelt es sich heuer, bedingt durch den späten Ostertermin, auch um eine späte Bergkirchweih.