In den 60er und 70er Jahren nahmen die Anpassung und das Aneinander-Gewöhnen zwischen Herzogenauracher Bürgern und den Amerikanern mehr und mehr zu. Freilich wurden jene jungen Frauen von den Einheimischen misstrauisch beäugt, wenn sie die Gelegenheit nutzten, auf einem US-Truck hinauf zu den Kasernen zu fahren, denn dort fanden wöchentlich Tanzabende mit den amerikanischen Soldaten statt. Des guten Anstands wegen mussten die Kasernen um 22 Uhr jedoch von den "Frolleins" wieder geräumt sein. Dass der "Ruf" jener Frauen im "Steedtla" nicht der beste war, ist verständlich. Trotzdem: Bereits in den 50er Jahren wurden die ersten Ehen zwischen US-Soldaten und deutschen Frauen geschlossen.

Von deutscher Seite aus gab es inzwischen so etwas wie ein einfaches Konversationslexikon, das den Einheimischen Einblick ins Englische vermitteln und Sprachbarrieren überwinden sollte. Manches wirkte dabei etwas freizügig und zweideutig, wenn man die Frage eines GIs "möchtest Du mit mir spazieren gehen" wie folgt übersetzte "Do you want to go with me into the woods - möchtest Du mit mir in den Wald gehen?"


Zusammenleben mit den Amis

Die amerikanischen Offiziere wohnten mit ihren Familien entweder in der "US-Siedlung an der Flughafenstraße, viel lieber jedoch in der Stadt in Privathäusern bei Deutschen.
Bald wurde mir klar, warum deutsche Frauen und Hausfrauen bei den Amerikanern so hoch im Kurs standen! Alle konnten kochen - Fast Food war ihnen unbekannt. Anders bei den Amerikanern. Die winzigen Kartoffeln kamen geschält und teils vorgegart aus der Dose, das Fleisch wurde aufgetaut und zum Aufwärmen in die Röhre geschoben, denn das Ganze war vorgebraten und eingeschweißt und der Kuchen bzw. der Nachtisch kam aus der "Ice box", wurde schlicht und einfach aus dem Kühlschrank oder aus der Tiefkühltruhe serviert. Das Bier gab es eiskalt aus der Dose, die Kinder wurden mit eiskaltem Coca Cola und "pappsüßen Bonbons" still gestellt und durften Comicfilme im Fernsehen anschauen.

Unvergesslich sind und waren die jährlichen Festwochen der deutsch-amerikanischen Freundschaft in jedem Frühjahr auf der Herzo Base. Manche Deutsche kannten von Besuchen bisher bereits die US-Clubs, vorrangig den NCO-Club, in den Deutsche bisweilen eingeladen wurden. Für wenig Geld gab es dort die besten und größten Hähnchen, die man sich vorstellen konnte.

Es gab auch sportliche Wettkämpfe zwischen Deutschen (Stadtverwaltung, Stadträte, Schulleitungen) und US-Offizieren. Beim Basketball hatten wir Deutsche keine Chance. Anders war es beim Fußball. Den "Amis" war unser deutscher Fußballsport vor einem halben Jahrhundert noch reichlich fremd. Sie nannten das Ganze "Soccer"; dafür aber spielten sie "American Football", was jedoch eher unserem deutschen Rugby entsprach. Das Fußballspiel artete oft in eine fürchterliche Holzhackerei aus, zumal den Amerikaner die Fußballregeln wenig bekannt waren.
Essen in der Kaserne: Wer in Herzogenaurach laufen konnte, pilgerte Anfang Mai 1970 und danach jedes Jahr hinauf auf die Base, hinauf in Richtung zu den Kasernen. Dort konnte man den amerikanischen Spezialitäten frönen: Neben den riesigen "Flattermännern" in den Clubs oder an den Grillstationen waren dies saftige dicke Steaks oder Hackfleischsemmeln, die man nun "Burger" nannte, mit "Ketchup" (anfangs fast unbekannt in Deutschland) oder unterschiedlichen Grillsoßen bestrichen. In Kühltaschen hamsterten die Herzogenauracher die amerikanische "Soft Ice Cream". Und zugegeben, sie schmeckte tatsächlich köstlich.


Bockbier war begehrt

In den 70ern begann mit der Gründung des Deutsch-amerikanischen Freundschaftsclubs ein geordnetes freundschaftliches Zusammenleben. Die "Präsidenten", Oberlehrer Horst Huke, Realschullehrer Otto Dengler und vor allem die "Grand Dame" Franziska "Zissa" Bär, förderten mit gemeinsamen Tagesfahrten und Wanderungen sowie mit geselligen Abenden und Feiern das bestehende gute Verhältnis.

Höhepunkte für die US-Soldaten waren neben Barbesuchen die Bockbierabende im Frühjahr im Vereinshaus und natürlich die Sommerkirchweih. Dass damals das Krugpfand auf der Kirchweih eingeführt wurde, weil die Soldaten großen Gefallen an den "Beer-Stones" als Souvenir fanden oder den vollen Krug als Wegzehrung bis hinauf in die Kasernen mitschleppten, ist sicher keine böswillige Unterstellung.

Im Übrigen standen die einfachen Soldaten - und derer gab es im Schnitt um die 3000 - unter steter und strenger Kontrolle und Überwachung durch die MP (Militärpolizei), die bei Vergehen kein Pardon kannte und knallhart durchgriff.