"Wir werden lernen müssen, mit dem Wolf zu leben", sagt Försterin Heike Grumann. In ihrem Forstrevier wurde am Wochenende der erste Wolf auf dem Gebiet des Landkreises Erlangen-Höchstadt aktenkundig.

"Leider tot", sagt die Försterin. Der Wolf wurde am Freitagvormittag auf dem Mittelstreifen der A73 bei Möhrendorf nördlich von Erlangen gefunden. Wie das Tier ums Leben kam, steht noch nicht fest. Es sei zu dieser Zeit kein Wildunfall gemeldet worden, teilte das Polizeipräsidium Mittelfranken auf Anfrage des FT mit. Möglicherweise wurde der Wolf von einem Lastwagen erfasst, dessen Fahrer den Anstoß nicht bemerkte.

Elf Monate altes Weibchen

Das Landratsamt Erlangen-Höchstadt weiß inzwischen mehr über den ersten registrierten Wolf im Kreis. "Es handelt sich um ein erst elf Monate altes Weibchen, das keine Schuss- oder Bruchverletzungen aufweist", sagt Pressesprecherin Hannah Reuter-Özer. Und es ist der erste Wolf-Welpe, der in Bayern überfahren wurde.

Beim Landesamt für Umwelt befasst man sich schon länger intensiv mit dem Thema Wolf. Jeder Wolf, der nachgewiesen werden kann, wird registriert. Der von der A73 bei Möhrendorf steht bereits auf der Liste. Laut der Landesamt-Pressesprecherin gibt es im Landkreis Erlangen-Höchstadt aber noch keine standorttreuen Wölfe. Die Behörde geht davon aus, dass es sich bei dem toten Wolf auf der Autobahn um ein durchziehendes Tier handelt. "Sie können am Tag 50 bis 70 Kilometer zurücklegen", sagt die Pressesprecherin.

Regelmäßig in den Wäldern von Baiersdorf bis Herzogenaurach unterwegs ist Försterin Heike Grumann. Sie appelliert an die Bevölkerung, sachlich zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen: "Ein normaler Spaziergänger wird kaum mit einem Wolf in Kontakt kommen." Jetzt ist es eindeutig, dass es auch bei uns Wölfe gibt. "Aber ein durchziehender Wolf ist noch kein Problem", sagt die Försterin. Hühner seien nachts ohnehin nicht draußen und für Ziegen und Schafe könne man Zäune bauen.

Der Höchstadter Schäfer Josef Seibert hat seine rund 90 Schafe derzeit noch in der Scheune. Wenn sie demnächst wieder hinaus auf die Weide gehen, wird er sie nachts mit einem Elektrozaun schützen, "tagsüber bin ich dabei". Der Schäfer geht davon aus, dass der Wolf nicht aufzuhalten sein wird. Zumindest so lange nicht, so lange er nicht bejagt werden darf. Josef Seibert ist sich aber auch darüber im Klaren, dass das Abschießen von Wölfen sofort Gegner auf den Plan rufen würde, wie auch beim Biber oder Kormoran. Das seien meist aber Leute, die kein Land bewirtschaften.

Von Wildkamera erfasst

Der jetzt überfahrene Wolf auf der Autobahn ist nicht der erste in der Region. Vor einer Woche wurde in einem Wald bei Oberhaid nahe Bamberg ein Wolf von einer Wildkamera aufgenommen. Von dem Oberhaider Wolf gibt es eine Infrarotaufnahme, ein Farbfoto und ein Video des Jagdpächters. In den vergangenen Wochen hatte es im Raum Bamberg mehrere Hinweise auf einen Wolf gegeben, darunter zwei gerissene Rehe bei Memmelsdorf und Königsfeld. Das Landesamt für Umwelt schrieb diese Hinweise aber eher Hunden zu.