Seit es das Duale System gibt, muss sich der Kreistag regelmäßig mit Mülltrennung, Papiertonnen und gelben Säcken beschäftigen. Letztere erhitzen seit einiger Zeit die Gemüter, weil die Qualität nicht ausreichend scheint, die Säcke zu schnell reißen. Nun sind aber seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr die Kommunen - und damit die Landkreise - für die Entsorgung von Verpackungsmüll zuständig, sondern der Bund. Das änderte sich auch mit dem neuen Verpackungsgesetz nicht, das Anfang diesen Jahres in Kraft trat.

"Die Landräte hätten sich gewünscht, dass die Entscheidungshoheit wieder auf die Kommunen übertragen wird", erklärte Landrat Alexander Tritthart (CSU) in der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Umweltfragen und Abfallwirtschaft. Der Bund wolle jedoch auch weiter "festhalten an dem komplexen, undurchsichtigen System". Darum bleibe dem Landkreis nichts anderes übrig, als mit einem - ihm zugewiesenen - Dienstleister des Dualen Systems eine neue Abstimmungsvereinbarung für die Zeit vom 1. Januar 2021 bis 31. Dezember 2023 auszuhandeln.

Politische Grundsatzdiskussion

Das gefiel den Ausschussmitgliedern ebenso wenig wie dem Landrat und es entbrannte eine politische Grundsatzdiskussion, wie man möglicherweise doch noch auf das System einwirken oder ob man zumindest mal "den Weg des Mülls" nachvollziehen könne, wie Axel Rogner (FW) forderte.

Christiane Kolbet (Grüne) erwiderte, dass das nicht nötig sei: "Man weiß, wo der Gelbe Sack landet", sagte sie und zählte eine Reihe von Ländern auf, in die Deutschland seinen Plastikmüll exportiert - inklusive prozentualer Mengenangaben. "Wir brauchen uns da gar nichts vormachen. Wir gehören weltweit zu den drei größten Exporteuren von Plastikmüll." Tatsächlich recycelt würden gerade einmal um die 15 Prozent.

Mehr Müll vermeiden

Sie forderte vielmehr, den Menschen Ideen und Lösungsansätze aufzuzeigen, wie sie Müll gleich ganz vermeiden können: "Käse, Wurst und Fleisch offen kaufen. Den heimischen Landwirt an seiner Milchtankstelle unterstützen. Eingeschweißte Gurken liegen lassen. Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten." Die Abfallberatung des Landratsamtes könne damit beispielsweise aktiv werden.

Dass Müllvermeidung selbstverständlich besser sei, als Müllrecycling, darin waren sich alle einig. Fast alle Ausschussmitglieder meldeten sich zu Wort, um das zu bekräftigen und ihre eigenen Ideen dazu einzubringen. "Aber die Welt retten wir hier und heute nicht in ERH", lenkte Michael Dassler (FDP) die Diskussion nach einer guten halben Stunde wieder in ihre Bahnen zurück.

Lieber Sack als Tonne

Denn der eigentliche Beschluss, den der Ausschuss fällen musste, war unstrittig. Darin ging es lediglich darum, was man mit dem Dienstleiter aushandeln wolle. Denn - und das war tatsächlich neu - die Landkreise können unter bestimmten Voraussetzungen einseitige Rahmenvorgaben bestimmen. Man war sich einig, dem Gelben Sack den Vorzug vor einer Tonne zu geben. "Beides hat Vor- und Nachteile", gab Tritthart zu. Die Vorteile des bewährten Systems überwiegen nach Meinung der Kreisräte - wenn die Säcke stabil genug sind.

Zwei Forderungen

Folgende Forderungen soll die Verwaltung daher nun an die Interseroh Dienstleistungs GmbH stellen: Der monatliche Abfuhrrhythmus soll beibehalten und die Wandstärke der Gelben Säcke erhöht werden. Wörtlich heißt es im Beschluss, das die Verwaltung "mit Nachdruck eine Verbesserung der Qualität der Gelben Säcke" fordern soll. Auf Wunsch der CSU wurde diese Dringlichkeit extra betont und festgeschrieben.

Sind die Verhandlungen abgeschlossen, muss der Ausschuss und schließlich der Kreistag den Abstimmungsvereinbarungen vor der Unterzeichnung natürlich noch zustimmen.

"Trotzdem sind wir alle gefordert: Es geht kein Weg an der Müllvermeidung vorbei. Jeder Privatmensch, aber vor allem auch Industrie, Handel und Unternehmen müssen umdenken", rief Tritthart am Ende noch einmal auf.

Kommentar von Karina Brock

Es war eine auf den ersten Blick überflüssige, auf den zweiten jedoch durchaus wichtig Diskussion, die die Mitglieder des Umweltausschusses da geführt haben. Niemand wird der Aussage widersprechen, dass Müll vermieden werden muss - und zwar in möglichst großem Stil. Dies wiederum ist jedoch nichts, was ein Landkreis einfach so beschließen kann - schön wär's.

Dennoch zeigt die Debatte, dass das Umdenken in der Politik angekommen ist: Es geht nicht mehr nur um Sack oder Tonne, reißfest oder platzsparend. Es geht um die Wurzel des Übels: Die übermäßige Müllproduktion. Und dabei - das haben die Kreisräte ebenfalls ganz deutlich gemacht - muss sich jeder an die eigene Nase fassen.

Christiane Kolbets Vorschläge sind sinnvoll und leicht in die Tat umzusetzen: Noch gibt es Bäcker und Metzger, die froh über jede Unterstützung sind. Gemüse und Obst kann man auf dem Markt oder beim Bauern kaufen. Hier muss ein Stück weit Rückbesinnung auf frühere Gewohnheiten stattfinden.

Wie sieht es jedoch mit anderen Produkten aus? Nüsse, Backzutaten, Kaffee, Müsli, Süßigkeiten, Hygieneartikel? Nicht jeder hat einen Unverpacktladen um die Ecke. Wer auf dem Land wohnt, kommt sicher leichter an eine Milchtankstelle oder einen Hofladen. Aber um andere Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen, sind für viele die großen Supermärkte nach wie vor leider unumgänglich. Und dort stößt selbst der willigste Verbraucher an seine Grenzen. Auch hier muss ein Umdenken einsetzen.