Nicht nur auf dem ledernen Chefsessel sitzt seit 100 Tagen ein anderer. Auch sonst hat sich im Büro des neuen Landrats Alexander Tritthart (CSU) am Marktplatz in Erlangen so einiges getan. Keine Instrumente mehr. Keine CD-Regale. Die Wand, vor ein paar Wochen noch voller Fotos und Zeitungsausschnitte, ist inzwischen komplett leer.

Arbeiten im Auto

Stattdessen haben neue Möbel und Geräte ihren Platz gefunden, die zu Eberhard Irlingers Zeiten noch vergeblich gesucht wurden: Wo einst Hackbrett und Gitarre standen, gibt es jetzt zwei Stühle für Gäste direkt am Schreibtisch. Einzug gefunden hat auch ein Computer - er wurde gleich in der ersten Woche eingerichtet. Für unterwegs sind neuerdings außerdem ein Tablet und ein Smartphone immer griffbereit. "Ich habe oft mehrere Termine am Tag. Ich nutze die Strecken zum Arbeiten im Auto", erzählt Tritthart.

Seit 1. Mai ist er der vierte Landrat im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Aus 30 Mitarbeitern, wie er sie noch als Bürgermeister in Weisendorf hatte, sind nun 620 geworden. Statt 6500 Weisendorfer sind es jetzt 132 000 Bürger im ganzen Landkreis, um deren Belange er sich kümmert. "Bürgermeister zu sein, war schon toll. Dass ich jetzt auch Landrat sein darf, ist eine große Ehre für mich", freut sich der 45-Jährige.

Um 8 Uhr beginnt sein Tag

Um spätestens 8 Uhr beginnt sein Tag im Büro. Wann er nach Hause kommt? "Open end", reagiert er prompt. Abendtermine sind die Regel. Ausschusssitzungen, Freisprechungsfeiern, Jahreshauptversammlungen - um nur einige Veranstaltungen zu nennen. Nicht selten wird es 22 Uhr, bis Tritthart sich auf den Heimweg macht.

Als Diplom-Verwaltungswirt (FH) arbeitete er bereits 15 Jahre im Landratsamt. Als Landrat musste er sich dennoch in viele Bereiche ganz neu einarbeiten. Als Stress empfindet er seinen Job aber ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Tritthart wirkt entspannt, fröhlich, voll bei der Sache: "Die ersten 100 Tage vergingen wie im Flug, und zwar deshalb, weil es so Spaß macht. Wenn ich mit Menschen zusammenkomme, das sind meine Lieblingstermine", sagt er.

Start mit dem neuen Fahrer

Dass ihn jetzt ein eigener Fahrer abholt und bringt, daran musste er sich am Anfang erst einmal gewöhnen. Irlingers Fahrer Gerhard Steinlein ist mit ihm in den Ruhestand gegangen. Die Einstellung des neuen Fahrers, einem 39-Jährigen aus Herzogenaurach, war eine von Trittharts erster Amtshandlungen. "Wir verstehen uns gut. Er ist ein offener Typ und merkt auch, wann man reden und wann man arbeiten möchte", erzählt Tritthart.

Die Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen beschreibt Tritthart als sachlich und freundschaftlich. Auch sein Stellvertreter Christian Pech (SPD) ist mit der Arbeit Tritt harts zufrieden: "Er hat sich gut eingearbeitet und einen guten Überblick übers Amt. Aktuelle Themen wie die Unterkünfte für Asylbewerber hat er im Auge." Martin Oberle (FW), sein einstiger Konkurrent bei der Stichwahl des Landrats, habe wenig Einblick ins Tagesgeschäft Tritt harts, dennoch glaubt er: "Er wird seine Sache sicher vernünftig machen und den Landkreis gut verwalten."

Manfred Bachmayer von den Grünen findet kritischere Töne: "Er informiert die Fraktionsvorsitzenden und den Kreistag deutlich sparsamer als sein Vorgänger über Veränderungen im Amt und aktuelle politische Entwicklungen." Zudem verringere er die bisherigen gesellschaftlichen und kulturellen Aktivitäten des Landkreises. Politisch Position beziehe er nur selten, und wenn, würden die Stellungnahmen oft im Allgemeinen stecken.

Tritthart reagiert auf diese Kritik gelassen: "Das bringt mich zum Schmunzeln. Es gibt jetzt neue Mehrheitsverhältnisse im Kreistag. In den ersten Wochen habe ich mich intensiv um das Amt gekümmert. Es trägt jetzt meine Handschrift - und das ist auch gut so."

Seine Frau begleitet ihn

Abschalten kann Tritthart nur selten. Den Sonntagnachmittag will er sich aber - so weit es geht - freihalten. Diese Zeit ist dann vor allem für seine Frau Angelika und seine beiden Söhne Pascal und Marc reserviert. "Die Familie steht jetzt noch viel mehr an erster Stelle." Mit seiner Frau, die seit dieser Amtsperiode Dritte Bürgermeisterin in Weisendorf ist, geht er regelmäßig seine Termine durch. "Vor allem bei kulturellen Anlässen begleitet sie mich oft. Das ist sehr schön."

Jetzt geht es aber erst einmal zum nächsten Termin. Wieder im Auto. Wieder mit Arbeit auf dem Schoß. Ob ihm dabei nicht schlecht wird? "Wenn es zu kurvig wird, höre ich lieber auf", lacht er.


Bilanz:

Die ersten 100 Tage liegen hinter Landrat Alexander Tritthart. Die Unterbringung von Asylbewerbern bezeichnet er derzeit als das "drängendste Problem". Jede Woche werden dem Landkreis acht Flüchtlinge zugeteilt, bis Jahresende erwartet man 265 zusätzliche Asylbewerber.

"Die Unterbringungsmöglichkeiten sind so gut wie erschöpft. Wir haben jetzt alle Gemeinden und Pfarreien angeschrieben", erzählt Tritthart. Er sei um jeden Hinweis dankbar, auch von Bürgern. "Der allerletzte Notanker wären Turnhallen, Zelte wollen wir verhindern."

Auch der Neubau des Landratsamts beschäftigt den Landrat: Im Moment steht die konkrete Entwurfsplanung mit entsprechender Kostenberechnung an. "Mitte nächsten Jahres ist der Baubeginn geplant. In zwei Jahren sollte dann das neue Landratsamt stehen."

Bezüglich der Stub laufen derzeit Gespräche mit Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (beide SPD) und dem Innenminister Joachim Hermann (CSU).

Stolz ist Tritthart, sein Ziel "Bildungsregion ERH", den Erhalt und Ausbau der wohnortnahen Bildungseinrichtungen und Schulen im Landkreis, auf den Weg gebracht zu haben: "Erste Gespräche mit den Schulen haben bereits stattgefunden. Die Vorbereitungen laufen."